Pets

RESERVOIR DOGS & CATS

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Die Minion-Macher der Animationsschmiede Illumination verlassen sich in ihrer neuesten Komödie auf einem sicheren Garanten für hohe Besucherzahlen. Wenn Hunde bellen und Katzen schnurren, kommt auch jede noch so kinoscheue Familie aus ihren vier Wänden hervor. Haustiere sind einfach immer der Renner, und man kann ihr Verhalten babyleicht und mit Wonne aufs Korn nehmen, ohne das nachher irgendwer beleidigt die Nase rümpft. Das geheime Leben der Haustiere ist ein spaßiger, enorm turbulenter und knallbunter Abenteuerfilm geworden. Alles, was Pfoten, Flügel und Tatzen hat, setzt sich in dem überdrehten Slapstickfurioso kreuz und quer durch New York in Bewegung. Die Menschen sind bis auf ein paar Ausnahmen hilflose Randfiguren, die angesichts revoltierender Vier- und Zweibeiner W.O. geben müssen. Den Kindern gefällt’s, und auch Erwachsene finden ihr durch den Kakao gezogenes Lieblingstier auf alle Fälle wieder. Sei es ein orientierungsloses Meerschwein, Hardrock liebende Pudel oder ein pläneschmiedendes, grimmiges Kaninchen im Fahrwasser von Pinky & Brain. Tatsächlich wird das Klischeeverhalten putziger, blütenweißer Zwergnager und allerliebster Katzenbabys gehörig gegen den Strich gebürstet. Womit wir schon beim wirklichen Können des Filmes angekommen sind. Die selten liebevollen, dafür aber gutgemeinten Charakterparodien der einzelnen Haustierarten treffen zielsicher ins Schwarze. Ebenso wie die quirlige Situationskomik, die sich aus den Widrigkeiten des urbanen Alltags ergeben. Pets konnte schon weit im Vorfeld mit einem witzigen Trailer punkten – womöglich einer jener Glücksfälle, die den Kassenerfolg schon im Vorfeld, ungeachtet der Qualität des Filmes, für sich entschieden haben.

Nur eines unterscheidet die Minion-Fraktion von Nemo, Wall-E und Co: die zweifelsohne top animierten Actionkomödien der Illumination-Macher sind schriller, lauter und plakativer. Holzhammerkino, das brummende Kinderköpfe hinterlässt. Mitunter ist dieses Kino auch garstiger, schwarzhumoriger und radikaler. Oder hat man bei Pixar schon mal Tiere sterben sehen? Bei Illumination, und spätestens sogar bei Pets, wird dies passieren oder ist es passiert. Somit wagt man sich beim animierten Familienfilm zumindest auf der einen Seite in gewalttätigere Bereiche vor, die aber in dem ganzen Hunde- und Katzenzirkus wie ein versehentlich angeklicktes Fernsehprogramm hinter dem eigentlichen Fokus von Kinderaugen geräuschlos wieder verschwinden. Oder doch nicht? Letzten Endes ist es ein zumutbares Vorwagen, das Volksschüler mittlerweile durchaus akzeptieren können, solange es der fortlaufenden Geschichte dienlich ist. Pixar hingegen setzt auf Gefühl, Poesie und mehr auf Inhalt als auf derbe Action. Auf Kinozauber und Rührung. So tun sich langsam, in der Kinoevolution des computeranimierten 3D-Filmes, zwei Subgenres auf, die schleichend aber doch unterschiedliches Publikum bedienen. Pets ist aber in jedem Fall ein willkommener Spaß, und man fragt sich beim Nachhauseweg, ob man denn die eigenen vier- oder zweibeinigen Lieblinge auch dort wieder vorfindet, wo man sie zurückgelassen hat.

 

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