The Infiltrator

MITTENDRIN STATT NUR DABEI

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Schon wieder im Drogensumpf. Bryan Cranston, vormals exaltiertes und herrlich schräges Familienoberhaupt von Superhirn Malcolm, hat uns in Breaking Bad – einer der wohl besten Fernsehserien überhaupt – das Fürchten gelehrt, indem er zum weltweiten Crystal Meth-Papst aufgestiegen ist. Jetzt landet er wieder in diesem Terrain – allerdings zäumt er das Pferd diesmal von hinten auf. Indem er dem Drogenkartell rund um Erzschurke Pablo Escobar das Handwerk legt – und den finsteren Kerlen gehörig auf den Wecker fällt, ohne mit der Tür ins Haus zu fallen. Basierend auf der Lebensgeschichte des Zollbeamten Robert Mazur, der unter dem Decknamen Bob Musella vorgab, das Blutgeld der Kolumbianer reinwaschen zu können, ohne dabei aufzufallen, hat der amerikanische Regisseur Brad Furman, unter anderem verantwortlich für Der Mandant, zwar einen konventionellen, aber spannenden Undercover-Thriller inszeniert.

Wobei er mit Bryan Cranston sowieso schon die halbe Miete bezahlt hat. Er meistert seine Rolle des anfänglichen Schreibtischhengstes, der später Familie, Leib und Leben riskiert, um das Böse in der Welt dingfest zu machen, mit Leichtigkeit. Kein Wunder, er hat für Breaking Bad genug trainiert, um auf ganzer Länge zu überzeugen. Sowohl als Ehemann, Biedermann mit Schnauzer und risikobereiter Geheimagent. Noch dazu stimmt das Setting der frühen Achtziger bis ins Detail. Eine Stilwelt, deren Umsetzung ähnlich jener der Siebziger leicht hinzukriegen ist. Die ganze Geschichte übrigens könnte nach einem Krimi von Robert Ludlum oder gar Tom Clancy stammen – viel erstaunlicher ist es dann, festzustellen, dass sich das ganze Szenario tatsächlich so zugetragen hat – oder zumindest annähernd, denn das Kino adaptiert und interpoliert so Manches, um breitenwirksamer zu sein. Man kann aber getrost davon ausgehen, dass hier nicht allzu viel verschönert oder verschlimmert wurde. Sowohl das Personal der CIA als auch Escobars Handlanger sind nachvollziehbare Charaktere, denen man ihre Absichten unumwunden abnimmt. Einzig Benjamin Bratt wirkt auch als graumelierte rechte Hand der Colombian Connection zu brav und aalglatt, um wirklich der Schurke zu sein, für den man ihn hält. Doch wer weiß, wir wissen es alle nicht, vielleicht war dieser Mann wirklich so. Das weiß nur Robert Mazur – und von ihm ist auch die autobiografische Vorlage. Wohingegen Pablo Escobar höchstselbst lediglich einen Cameo-Auftritt in Brad Furman´s Film hinlegt. Eine flüchtige Erscheinung, wie das unangreifbar Böse, dass den Agenten Mazur nur zufällig streift. Diese Unantastbarkeit verdeutlicht nur zu gut, wie schwierig es gewesen sein muss, das Geflecht aus Drogen, Terror, Macht und Gewalt aufzudröseln. Bis man endlich mal das lebenswichtige Haupt der Hydra zu Greifen bekommt, stehen vorher noch unzählige weitere köpfe im Weg, deren Vertrauen man gewinnen und dessen Lebens- und Arbeitsweise man infiltrieren muss. Die skurrilste Begebenheit dieser Operation gegen die Macht der Drogen ist die Scheinhochzeit des Bob Marsella mit seiner Arbeitskollegin, um die perfekte Illusion zu wahren.

Wie sehr dies auf Kosten der echten Ehe geht, und wie sehr das erfundene Leben die psychische Substanz der Protagonisten dieser Operation bröckeln lässt, ist die interessanteste Episode in diesem stringent erzählten, packenden Thrillerdrama, in dem es auch um Vertrauen, Freundschaft und verdammt viel Glück geht. Denn Glück hatte dieser Mann, war sein Unterfangen doch des Öfteren haarscharf an der Kippe zum Scheitern. Dieser Balanceakt macht den Film sehenswert, mal abgesehen von Mr. Heisenberg, der mit gewohnt expressiver Mine zur Abwechslung mal kein Meth, sondern ein anders Süppchen kocht.

 

The Infiltrator

Rogue One – A Star Wars Story

TWINKLE, TWINKLE LITTLE STAR

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rogueone

Es ist nun endgültig bewiesen. Alle, die bislang daran gezweifelt haben, Disney und Lucasfilm würden ihre Fangemeinde ignorieren oder ihnen ihre Sicht der Dinge überstülpen – sie alle können jetzt getrost aufatmen. Disney liebt seine Fans. Und alle, die an der weiteren Ausführung des Star Wars-Universums mitarbeiten, sind entweder selber Fans oder schon immer Teil dieser Welt gewesen. Denn das Spin-Off Rogue One – A Star Wars Story ist seit der Originaltrilogie, die von 1977 bis 1983 über die Leinwand ging, das Beste, was über die weit, weit entfernte Galaxis jemals zu sehen war. Nicht nur ist das dramatische Abenteuer, dass die Beschaffung der Pläne des Todessterns erzählt, ein ganz großes Weihnachtsgeschenk für Freizeitjedis, Alltgaspadawans und Hobbyrebellen – es katapultiert das Star Wars-Universum in einen Bereich jenseits von Leia, Han und Luke und zeigt, was in diesem riesengroßen Potpourri an Welten, Sternen und Planeten überhaupt möglich sein kann. Und das Beste daran ist: es ist immer noch Star Wars in seiner Reinkultur. Ich möchte fast sagen, dass Rogue One seine Treue zum Original geschickter unter Beweis stellt als Star Wars VII – Das Erwachen der Macht.

Leseaffine Fans haben schon längst ihre Raumgleiter Richtung Expanded Universe vom Hauptstrang ausgeklinkt. Das Star Wars Universum bietet so viel mehr als die Kerngeschichte und hat scheinbar unendliches Potenzial. Vor allem Comics und Romane aller Art erzählen spannende Randgeschichten, Biografien einzelner Helden und Anti-Helden und tauchen tief ein in die Geschichte der Macht. So ist auch das neue Filmjuwel eine eigenständige, in sich abgeschlossene Erzählung, die den Weltraumkitsch von Episode I – III komplett über Bord wirft und Schauplätze heimsucht, die fast schon aus dem Herr der Ringe-Universum sein könnten. Ohnehin ist Star Wars längst kein reines Science Fiction mehr. Im Grunde ist es High Fantasy, das zufällig im Weltraum spielt. Gareth Edwards, Regisseur von beeindruckenden Filmen wie Monsters und dem Neuaufguss von Godzilla, weiß seine visuellen Stilmitteln fulminant einzusetzen und erschuf einen packenden, grandios gefilmten Mix aus Spionagethriller und Bürgerkriegsdrama. Das Kolorit des Filmes ist viel erdiger, wüster, verregneter. Wenn man so will, dann imitiert Gareth Edwards Teil V der Saga – Das Imperium schlägt zurück. Mit Abstand der beste Teil aller Filme zusammengenommen, allein aufgrund seiner kompromisslos packenden Story, seiner Tiefe und seiner Figurenzeichnung. Eben auch das gelingt Rogue One. Der Suicide Squad der Rebellen, dieser Haufen dreckiger Hunde, sind zusammengewürfelte Individualisten, die, nach anfänglichen Schwierigkeiten, letzten Endes gemeinsam für eine Sache stehen.

Felicity Jones als mittlerweile schon als Kultfigur zu bezeichnende Jyn Erso, die von Papa und Todesstern-Architekt Galen Erso alias Mads Mikkelsen liebevoll „Kleiner Stern“ genannt wird, changiert ihre Rolle von desillusionierter Teilnahmslosigkeit über schmerzenden Verlust bis zur Selbstlosigkeit. Sie macht ihre Sache gut, jedoch nicht ganz so enthusiastisch wie Daisy Ridley als Rey in Das Erwachen der Macht. Noch beeindruckender sind all die anderen Individuen, allen voran das Duo des blinden Halbjedi Chirrut Imwe und sein treuer, bis an die Zähne bewaffneter Begleiter Baze Malbus mit ultimativer Wumme. Der eine erinnert an einen zweifelnden Ben Kenobi, der den Zugang zur Macht nur mühsam findet, der andere ist wie ein Wookie, der für den besten Freund im ganzen Universum steht. „Idi Amin“ Forest Whitaker als fanatischer Extremist gegen das Imperium legt einen ebenso überzeugenden, geradezu faszinierenden Auftritt ab. Zwar eine Nebenrolle, aber dafür umso intensiver. Und was natürlich nicht in einem Star Wars-Film fehlen darf, sind Roboter. Künstliche Persönlichkeiten, die meistens exaltierter sind als ihre menschlichen Partner. Dieser K2SO ist so ein Blechjunge – unschlagbar zynisch, ehrlich und einfach sympathisch. Bei diesem Selbstmordkommando überlegt man es sich nicht zweimal, dabei sein zu wollen. Neben neuen Planeten und irren Raumschiffdesigns spart das gehaltvolle, raue Abenteuer nicht an Hinweisen und Anspielungen auf die unmittelbar an Rogue One anschließende Episode IV. Was es da zu entdecken gibt, erkennt nicht nur der Star Wars-Nerd. Edwards schafft es, zielsicher an Eine neue Hoffnung anzudocken. Und er schafft es, auf völlig neue Art den Krieg im Weltraum zu filmen. Bei ihm ist das Gefecht längst keine chaotische Materialschlacht. Bei ihm sitzt man scheinbar selbst im Flieger. Die Kamera heftet sich fast ruhend an die Außenhülle der Schiffe, um mitzufliegen. So wird aus dem Kampf um Scarif eine Sternensymphonie erster Sahne. Zwischen Zeitlupe, Stillstand und Beschleunigung orchestriert die Schlacht wie eine klassische Komposition, um in einem Finale zu gipfeln, das man so noch nicht gesehen hat. Die Szenen sind nie zu lang. Perfekt getimt wechselt der Film zwischen mehreren Schauplätzen, ohne die Übersicht zu verlieren. Das hatten wir schon bei Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Und auch da war der dramaturgische Aufbau an Dichte und Straffheit kaum zu überbieten. Genau an diesen Aufbau hat sich Visionär Edwards orientiert. Und er hat ihn ganz anders eingesetzt, nämlich ohne repetitiv zu werden.

Damit nicht genug. Ein unerwarteter Kniff des Filmes ist die Erweckung alter Charaktere, deren Auftauchen in der Geschichte über den Todesstern nicht ausgespart werden konnte. So erhält Grusel-Altstar Peter Cushing als Grand Moff Tarkin einen posthumen Auftritt. Ob das leicht künstliche Gesicht Cushings der Intensität der Szenen gerecht wird, darüber lässt sich streiten. Sowohl Jeff Bridges in Tron: Legacy als auch Brad Pitt in Benjamin Button hatten bereits das Vergnügen, vor- oder rückwärts zu altern. Im Kontext der Geschichte ein netter Effekt. Nur Vorsicht – allzu viel ist bei solch einer virtuellen Exhumierung ungesund. Allerdings kriegt Edwards die Kurve. Die Szenen mit Tarkin sind gezielt und kurz und  können sich ganz gut in den Film integrieren. Viel besser noch gelingt dies bei der letzten Szene des Filmes, die ich hier nicht verraten möchte und Star Wars Fans jubeln lassen wird. Denn das Ende ist – im wahrsten Sinne des Wortes – ein neuer Anfang. Filme, die Wünsche erfüllen, gibt es selten, sehr selten. Rogue One schafft es, vor allem in diesen letzten Minuten eine Sehnsucht wahr werden zu lassen. Und obwohl ich mich vorab über den Verzicht von John Williams´ Score ziemlich echauffiert habe – ich bin mehr als nur versöhnt, wenn man die Musik von Michael Ciacchino, die eindeutig nach Star Wars klingt, in seiner Gesamtheit im Kopf noch mal Revue passieren lässt. Dies gilt auch für den Anfang. Denn ein Spin Off so beginnen zu lassen, ist eine Lösung, auf die ich selbst nicht gekommen wäre. Am Besten nämlich ohne Musik. Wenn, dann nur in gezielten Tönen und reduziertem Score, um im Abspann aber noch mal aufzufahren und das Sahnehäubchen auf der Piemontkirsche genussvoll zu platzieren.

Die 80er-Generation, die mit Episode IV bis VI groß geworden ist – die ist erwachsen geworden. Und so ist es auch Star Wars. In einer Geschichte, die die Generationen vereint. Mit Rogue One ist ein Kino- und Weltraumerlebnis gelungen, das mich als Fan mehr als zufrieden stellt. Kritiker und Boykottierer, die den Inglourious Basterds aus dem Outer Rim feministische Propaganda oder Anti-Trump-Botschaften vorwerfen, sind nur kopfschüttelnd zu belächeln. Die Macht ist mit dem Film, und der Griff in die hauseigene Filmothek zu Episode IV nur eine Frage der Zeit.

Star Wars in seiner Quintessenz. Eigenständig, aber dennoch Teil des Kanons. Fetzig, martialisch und gleichzeitig voller Seele. Und wenn der dunkle Lord der Sith aus der unheilvollen Finsternis heraus sein Lichtschwert entzündet und seinen Zorn entfesselt, dann verzeichnet die Saga eine der stärksten, wuchtigsten und genialsten Szenen seit Anbeginn an. Der Weltraum, ein Fest.

Star Wars at it´s best.

 

Rogue One – A Star Wars Story

Bastille Day

ÜBER DEN DÄCHERN VON PARIS

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bastille

Idris Elba ist der neue Bruce Willis. Jener Mann, der Feinripp erst salonfähig gemacht hat, dürfte schon längst mit seinem filmischen Lebenswerk abgeschlossen haben, sieht man sich seine Filmauswahl der letzten Jahre mal genauer an – der stiernackige Brite allerdings läuft erst so richtig zur Hochform auf. Gut, einen Konkurrenten gibt es noch – das wäre Liam Neeson. Der ehemalige Oskar Schindler durfte selbst schon das eine oder andere Mal in der Stadt der Liebe ordentlich aufräumen. Man erinnere sich nur an Pierre Morel´s 96 Hours. Jetzt aber ist er dran – der Star aus The Wire und Luther sowie der Darsteller des Big Daddy Südamerikas – Nelson Mandela.

Bastille Day ist allerdings für den eindrucksvollen Schauspieler eigentlich nicht mehr als ein Routinejob – so wie der ganze Film, den man übrigens schnell wieder vergisst oder dessen Inhalt sich irgendwie mit anderen Actionfilmen amerikanisch-europäischen Couleurs vermischt. Was war da noch gleich? Ach ja, sowas Ähnliches wie ein Stirb Langsam-Szenario – daher auch mein Vergleich mit John McCLane. Bankräuber der organisiertesten Art brechen den Sturm auf die Bastille vom Zaun, um in Ruhe die Goldreserven des Frankenreiches zu plündern. Aber hallo, das ist ja wirklich ein unverblümter Abklatsch des dritten Stirb Langsam-Teils, in welchem Bösewicht Jeremy Irons (wahrlich fehlbesetzt) zu einer ähnlichen Finte gegriffen hat. Damals schon war der dritte Aufguss eines absoluten Actionklassikers – wenn nicht DES Actionklassikers schlechthin – eine ziemliche Gurke. Bastille Day gelingt die Einbettung des verbrecherischen Tarnens und Täuschens ins urbane Setting von Paris zum Glück deutlich besser. Obwohl auch Regisseur James Watkins, der sich für den Grusler Die Frau in Schwarz 2012 ziemlich ins Zeug gelegt hat, hier nicht über das Niveau eines mittelmäßigen Direct-to-DVD-Thrillers hinauskommt. Okay, Idris Elba und Games of Thrones-Thronfolger Richard Madden harmonieren ganz gut. Manche Szenen, wie die Verfolgungsjagd über den Dächern von Paris, die irgendwie an Polanskis Frantic erinnert, sorgen für spannende Kurzweil. Der schnittige Stadtkrimi konzentriert sich gleichermaßen auf Thrill wie auch auf Action und lässt es sich auch nicht nehmen, das Ganze vor dem Hintergrund realer sozialer Unruhen spielen zu lassen. Nicht umsonst bezieht sich der Titel des Filmes auf den Jahrestag der Französischen Revolution.

Somit ist der solide, aber nicht besonders feingezeichnete Reißer sogar ein bisschen wie eine unbequeme, sozialpolitische Vision. Dass aber das Volk dermaßen leicht manipulierbar wäre wie uns Regisseur Watkins hier weißmachen will, ist schon etwas sehr naiv. Fazit: Ein durchschnittliches Räuber-und-Gendarm-Spiel nach bewährten Mustern.

Bastille Day

Star Wars Fanfilme

WEIT WEIT ENTFERNT, UND DOCH SO NAH

 

Anlässlich der Premiere des neuesten Abenteuers aus dem Star Wars-Universum, dem Spin Off Rogue One, möchte ich mich auch den Millionen Fans rund um den Erdball widmen, für welche die weit weit entfernte Galaxis immer noch nah genug ist, um sich in ihr voller Eifer und Glückseligkeit auszutoben. Damit die Wartezeit zwischen den offiziellen Kinoevents nicht allzu schal und langweilig daherkommt, und weil man nicht schon wieder zum was weiß ich wievielten Male die Staffeln der Clone Wars oder die einzelnen Filme, die man ohnehin schon auswendig kennt, heranziehen möchte, sind die Fans nun selbst aktiv geworden. Unter ihnen gibt es jede Menge Leute, die sich mit dem Filmemachen nur allzu gut auskennen. Die Professionalsten sind, im Bücherschreiben, im Filmen, im Schauspielern. Wieso dieses Potenzial nicht nutzen? Und wieso auf eine Live-Act-Serie warten, die ohnehin nicht kommen wird? Also ran an die Kamera, ran an den Schneidetisch und an die Kostümemacher. Ran ans Drehbuch und hinein ins Jedipedia Online-Lexikon. Und siehe da – der Reihe nach erwachen kinematographisch anmutende Spin Offs zum Leben, die Star Wars um die Kategorie und dem Subgenre Fanfilm bereichern. Mittlerweile gibt es sogar Wettbewerbe und Festivals, auf welchen die besten Werke der selbstlosen NGO-Freizeitjedis honoriert werden. Ein sehr sympathischer Zug von Disney und Lucasfilm. Nur wehe du verdienst was dabei… 😉

Im Zuge dessen möchte ich, fortsetzend zu meiner Rezension über den österreichischen Film Regrets of the Past und Darth Maul: Apprentice, vier weitere Kurzfilme vorstellen, die die Galaxis vom inneren Kern bis ins Outer Rim tatsächlich bereichern und Star Wars-Liebhabern ans Herz zu legen sind. Was sie gemeinsam haben, ist auf alle Fälle mal ihre professionelle Aufmachung. Handwerklich top, wissen sie in Kameraführung, Beleuchtung und Filmmaterial wahrlich zu begeistern. Hier ging man mit teuren. professionellen Geräten zu Werke. Hier stimmt Sound, Beleuchtung und Ausstattung. Hier stimmen Schauspieler, Settings und – was ganz wichtig ist – Atmosphäre. Und abgesehen davon – in ihrer Gesamtheit stechen sie aus all den anderen mehr oder weniger bemühten Fanfilmen deutlich heraus.

Und noch was: Am besten, ihr genießt diese Filme auf eurem Fernsehbildschirm. Je größer das Format, desto besser. Und es erzeugt das richtige Feeling.

KARA

 

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Irgendwo im Outer Rim. Ein Wüstenplanet, könnte Tatooine oder Jakku sein. Ich tippe eher auf letzteren Planeten. Ein Mädchen ist mit ihrem Vater in der Wüste unterwegs, es könnten Nomaden sein. Sie trägt die Macht in sich, kann sie aber nicht steuern. Es passiert einfach. Wenig später entbrennt eine Schlacht zwischen Rebellen und dem Imperium. Die beiden Nomaden sind mittendrin. Der knapp achtminütige Kurzfilm ist exzellent gefilmt. Vor allem die großzügig bebilderte Fliegersequenz über dem Dünenmeer ist grandios und steht tatsächlich der Optik aus Das Erwachen der Macht um nichts nach. Ein Film, der Atmosphäre erzeugt, von der Macht in ihrer rohen Essenz als auch vom Sternenkrieg erzählt. Joe Sill, Regisseur und Werbefilmer aus Los Angeles, hat eine Star Wars-Momentaufnahme im Kinoformat erschaffen. Chronologisch gesehen ungefähr nach Episode VII angesiedelt. Hier gehts zum Film.

HAN SOLO: A SMUGGLERS TRADE

 

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Der amerikanische Schauspieler Jamie Costa mimt den legendären Han Solo – und siehe da: er macht seine Sache ausgezeichnet. Nicht nur, dass er dem jungen Harrison Ford tatsächlich ein bisschen ähnlich sieht – er dürfte all seine Mimik und seine Gestik aus den Originalteilen akribisch studiert haben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es ist alles da, was Fans mit dem alten Haudegen, der sogar einem Gundark das Fell über die Ohren ziehen kann, verbinden. Eine Cantina, zwielichtige Kopfgeldjäger, vermummte Sandkrieger. Ja sogar eine C3PO-Einheit stiehlt sich durchs Bild. Und das Beste aber kommt zum Schluss. Welch eine Überraschung, als Chewies Knurrgejaule ertönt. In dem 13minütigen Kurzfilm versucht Han Solo seinen Freund Chewbacca aus dem Gewahrsam eines zwielichtigen Gangsters zu befreien, der den Schmuggler durch die Geiselnahme des Wookie dazu genötigt hat, ein Lichtschwert zu beschaffen. Nun, seht selbst, was Han Solo alles einfällt, um sein Recht einzufordern. Ein gelungenes, actionreiches Gustostück mit einem Wookie, wie wir ihn kennen. Perfekte Kostüme, großartige Ausstattung. Und viel Witz. Zeitrahmen: Ungefähr einige Jahre vor Episode IV. Hier gehts zum Film.

DAS AMULETT VON URLON

 

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In der Kürze liegt die Würze. Sage und schreibe 4 Minuten und ein paar Sekunden lang ist die düstere Episode aus den Randbereichen des Star Wars Universum. Ein Reliquiensammler unbekannter Herkunft findet auf einem unbekannten Planeten (zur Abwechslung kein Wüstenplanet und auch nicht der Wienerwald hinterm Haus) einen verlassenen Jedi-Tempel. Es könnte aber auch ein Sith-Tempel sein, so genau weiß man das nicht. Der vermummte Unbekannte ist auf der Suche nach einem Amulett, mit dem man angeblich die Raumzeit überwinden kann. In kühlen Bildern und ganz viel Finsternis weiß dieser kurze Epilog zu fesseln. Einzig ein knisterndes Lichtschwert bringt fahlgrünes Licht in einen gespenstischen, verfluchten Ort. Ein Hauch von Star Wars für Erwachsene. Chronologisch nicht einzuordnen. Ich würde sagen, ungefähr lange vor Episode I. Hier gehts zum Film.

THE SECRET OF TATOOINE

 

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Nicht nur die amerikanischen und österreichischen Fans, auch die Franzosen wissen, wie man sich als Nerd filmisch verewigt: Die stark an Eine neue Hoffnung erinnernde und auch einige Jahre nach Episode III spielende Geschichte ist der zwar handwerklich und dramaturgisch am Wenigsten ausgereifte Kandidat auf meiner Liste, aber der einzige, der John Williams’ Score verwendet und von der Erzählweise wie vom Setting her sehr viele vertraute Elemente zitiert. Darunter ein Auftritt Darth Vaders, der Raumhafen Mos Eisley im Hintergrund und bekannte Figuren wie Owen Lars, Ben Kenobi und der junge Luke Skywalker. Klar ist das Gesicht von Kenobi aus dem Kurzfilm gewöhnungsbedürftig, doch die Story, die sich an einem Comic aus der neuen Panini Star Wars Reihe orientiert und sehr wahrscheinlich dem offiziellen Kanon entspricht, weiß zu überzeugen. Und der Score, ja, der übertüncht so Einiges. Somit wäre dieser letzte Kandidat die perfekte Einstimmung für Rogue One. Nach Episode III, und vor Episode IV. Sehr zeitnah zu Jyn Ersos Einsatz. Hier gehts zum Film.

Star Wars Fanfilme

Eddie the Eagle

ÜBER DEN EIGENEN SCHATTEN SPRINGEN

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Könnt ihr euch noch an die kauzige Sportlerkomödie Cool Runnings erinnern? Das war doch die wahre Geschichte der vier Jamaikaner, die bei den Winterspielen in Calgary anno 1988 im Vierer-Bob den Eiskanal unsicher machten. Der legendäre John Candy war ihr Trainer. Ein Highlight des etwas anderen Sportlerfilmes, unpathetisch und warmherzig. Und kein anderer Film hat auch jemals wieder den olympischen Leitspruch „Dabeisein ist alles“ so sehr ernst genommen wie jener über die vier Schlitten-Rastafaris. Dieser Leitspruch übrigens wurde erstmals vom Sportfunktionär Pierre de Coubertin 1908 zumindest sinngemäß wiedergegeben. Nach dem selben Motto und ins selbe Fahrwasser – oder sagen wir – auf dieselbe Piste wagt sich auch die biografische Erfolgsstory von Michael Eddie Edwards – und bereichert das eher vor sich hin kränkelnde Genre des Sportlerfilmes um eine gelungene und unverkrampfte Episode.

Für jemanden, der relativ wenig Zeit vor dem Fernsehgerät verbringt, um sich von Fußball bis zu Weltcup-Abfahrtsläufen irgendeine Art von Sportaktivitäten anzusehen, muss ein Genrefilm dieser Art auch auf anderen Ebenen funktionieren, und sich nicht nur auf die Regeln des Spiels beschränken. In gewisser Weise ist dies Dexter Fletchers liebevoll erzählte Biografie vorzüglich gelungen. Und sie ist bei weitem nichts, was nur Freunde der Skisaison vor die Leinwand lockt – das aufgeweckte Drama ist eine angenehm unaufdringliche Hymne auf den Willen, auf einen Plan im Leben, auf Beharrlichkeit und Ehrgeiz. Mögen auch noch so viele Menschen über den Sonderling Michael Eddie Edwards den Kopf geschüttelt haben. Mögen auch noch so viele Neider und Besserwisser die Sturheit des Außenseiters als Narretei abgetan haben – meist ist es genau diese Narretei, die das eigene, individuelle, kleine Leben zur Erfüllung bringt. Und als Nebeneffekt des eigenen Traumerfüllens bleiben den anderen die Münder offenstehen. So sehr freut man sich mit dem wahrlich nicht von der Natur gesegneten, fahrig-ungeschickten, aber unbeeinflussbar konsequenten Sympathieträger, und kann das Gelingen seines Wagnisses kaum glauben. Taron Egerton scheint sich in die Figur des Medienstars regelrecht verliebt zu haben, so durchdringt ihn diese Rolle. Wahrscheinlich war der echte Michael Edwards genau so. Das möchte man zumindest meinen. Und man nimmt Egerton das dickköpfige Stehaufmännchen vollends ab. Klar, die Geschichte folgt, wie kann es im Sport anders sein, dem Konzept des Wagens und Vollbringens. Den altbekannten, zeitlosen Weisheiten vom An-sich-glauben und Nochmal-versuchen. Doch abgesehen davon ist der Film auch ein treffsicheres Zeitbild der späten 80iger, wo Röhrenbildschirme und Festnetztelefone en vogue waren. Um dem Film noch zusätzliche Karmapunkte zu verleihen, darf Wolverine Hugh Jackman den unfreiwilligen Trainer mimen. Souverän und beherzt wie immer, aber austauschbar. Viel überraschender ist da der Sidekick Iris Berben, Deutschlands Grand Dame des niveauvollen Fernsehfilms. 

Eddie The Eagle ist erquickendes Motivationskino und sensible Außenseiterkomödie zugleich. Und auch passiven Sportmuffel getrost zuzumuten. 

Eddie the Eagle

Nur Fliegen ist schöner

AUSZEIT FÜRS EGO

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fliegenschoener

Der französische, locker flockige Sommertraum Nur Fliegen ist schöner entdeckt auf gedankenverlorene Art und Weise den Zauber der Langsamkeit und die Willkür des Müßiggangs. Das französische Multitalent Bruno Podalydès, bekannt geworden mit seinem Beitrag im Episodenfilm Paris, Je t´aime, zeichnet in dieser impressionistischen, leicht humorigen Alltagsskizze sowohl für das Drehbuch, als auch für die Regie und für die Besetzung der Hauptrolle verantwortlich. Ein Film aus einem Guss, sozusagen. Und irgendwie, auf eine ganze eigene Art, bekommt er diesen organisatorischen Kraftakt tatsächlich hin, ohne dass das fertige Werk in irgendeiner Weise angestrengt wirkt.

Die Auszeitkomödie erzählt von einem Computergrafiker in der Midlife-Crisis, der vom Fliegen schwärmt, von der Schwerelosigkeit des Seins und von der Unbekümmertheit seiner Jugendjahre. Beides hat er verloren, relativ unrund ist er dann auch, vor allem zu seinem Geburtstag, der ihn wieder ein Jahr weiter in die Desillusion treibt. Da entdeckt er eine neue Leidenschaft – statt zu fliegen, kauft er sich ein Kajak – und entgleitet damit seinem Alltag, seiner Verantwortung und seinen festgefahrenen Denkprozessen, die die graue Gleichförmigkeit eines definierten Lebens ohne Überraschungen mit sich bringt. Dieses Treiben lassen fällt dem Büroarbeiter und Familienmensch erstmal nicht leicht – um dann aber wirklich loszulassen. Zwar nicht sehr weit, aber zumindest im Geiste weiß er über Wälder und Wiesen in eine undefinierte Zukunft des kommenden Tages zu steuern. Wie in Abrahams Schoß verweilt der Aussteiger Podalydes in einem verklärten, abgehobenen Paradies, wo alles möglich ist und nichts verboten ist. Die sommerwarmen Ufer des kleinen französischen Flusses sind gesäumt von kuriosen Gestalten, Neidern und Sinnsuchern, die wie philosophische Metaphern die Kajakreise, verbal oder nonverbal, kommentieren. Sein Aussteigen in eine Welt, die nur ihm gehört und die mit niemand anderem geteilt werden muss, wirft aber auch die Moral über Bord. Den weiblichen Reizen einer koketten Wirtshausbesitzerin kann er letzten Endes nicht widerstehen und begibt sich damit aber auch in eine Grauzone, die seinen ziellos scheinenden, losgelösten Müßiggang in Frage stellt. Mit dieser Komponente des Vertrauensbruchs bekommt der Film einen unangenehmen Beigeschmack. Sich einfach treiben zu lassen, ohne irgendwem oder irgendetwas verpflichtet zu sein, kann dann auch nicht das Ideal des Lebens sein. Für einen kurzen Moment vielleicht, doch die Bodenhaftung geht verloren. Und einfacher als einfach sollte man es sich auch nicht machen. Ob diese Erkenntnis unserem Protagonisten wiederfährt, bleibt offen. Ob er sich weitertreiben lässt, mag man vermuten.

Unterm Strich ist Nur Fliegen ist schöner eine humoristische Alltagsphilosophie in leichten Pastelltönen – verträumt, lakonisch und sinnbildlich. Allerdings – der Freibrief für einen Perspektivwechsel zum Status Quo des Lebens ist nicht absolut, auch wenn sich dies Podalydes auf egozentrische Weise anmaßt zu behaupten. Und daher hat der Film auf seine Weise für mich auch was Unangenehmes.

 

Nur Fliegen ist schöner

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows

KRÖTEN IN NÖTEN

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Viele Leser werden jetzt wahrscheinlich den Kopf schütteln und sich vielleicht fragen, ob ich tatsächlich nichts Besseres zu tun hatte als mir einen infantilen Actionfilm über vier ebenso infantile Schildkröten anzusehen, die unmissverständlich ins Kinderprogramm gehören und noch dazu keinerlei edukative Aufgabe übernehmen. Nun, tatsächlich beinhaltet Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows rein gar nichts, was man sich nach dem Abspann mit nach Hause nehmen kann. (Muss es aber auch nicht immer…) Vielleicht kann man später etwas mehr mit den Namen Leonardo, Raffael, Michelangelo und Da Vinci anfangen – sie richtig zuzuordnen wird man aber auch dann nicht imstande sein, wenn man diese Namen googeln würde. Denn dann würden wieder diese Schildkröten auftauchen – die aber sensationell animiert sind. 

Ich will sicherlich kein Loblied über dieses Machwerk vom Stapel lassen. Wir wissen, es ist ein abendfüllender Werbeclip für Merchandising-Spielzeug. Purer Kommerz, der Kinder, die jugendfreie Action lieben, glücklicher macht – und Eltern um einiges Taschengeld ärmer. Das von Michael Bay produzierte Krötengekloppe bedient sich derselben Effektschmiede wie die Transformers-Filmreihe. Computeranimierter Motion-Capture-Naturalismus bis in die kleinste Pore und bis in jede noch so kleine Faser diverser fester Elemente. Action im HDR-Modus, der das Auge sehr schnell ermüdet. Allerdings – die Mimik und die Animation der fleischgewordenen Spielzeugfiguren ist ziemlich perfekt. Besser kann man diese Dinger nicht kreieren, dafür gibt’s ein Plus. Der Film selber bedarf aber kaum einer Erklärung. Ein plakatives Szenario rund um den Erzfeind Shredder, mittendrin Botox-Schönheit Megan Fox, die sich mit lächerlichem Fantasykram abgeben muss, da ihr Agenturmanagement sonst keine Angebote mehr erhaltet. Doch immerhin – gut bezahlt ist diese Rolle sicher, ist sie doch nur eine von wenigen realen Besetzungen in einem fast zur Gänze trickanimierten Film, der ordentlich dröhnt und klotzt, aber trotz allem in nichtssagender Albernheit versinkt. Wer immer diese Idee hatte, Schildkröten als Actionhelden ins Leben zu rufen – ihm gebührt mein Respekt. Vor allem aber eher in Anbetracht der Tatsache, mit dieser kruden Kreation Lizenznehmer und Wirtschaftspartnern überzeugt zu haben. Wie immer sind die schrägen Ideen die Besseren – somit sei den vier Reptilienbrüdern die Daseinsberechtigung sicher nicht aberkannt.

Die Zeichentrickserie hätte aber gereicht. Für Erwachsene zu dämlich, für Kinder zumindest visuell zu überfordernd. Wem soll dieser Film nun genügen? So schlingert das knallbunte Effektgewitter zwischen den Zielgruppen umher und wirbt für Pizza, Oberlippenbotox und Spielzeug. Popcornkino, bei dem das Popcorn den größeren Kick verleiht. 

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows