The Light Between Oceans

SO FIES KANN SCHICKSAL SEIN

7/10

 

oceans© 2016 Constantin Film

 

LAND: USA, NEUSEELAND, GROSSBRITANNIEN 2016

REGIE: DEREK GIANFRANCE

MIT MICHAEL FASSBENDER, ALICIA VIKANDER, RACHEL WEISZ U. A.

 

Niemand ist eine Insel – oder doch? Zumindest wirkt der von Michael Fassbender verkörperte Heimkehrer aus dem ersten Weltkrieg so, als wäre er es. Nach Gewalt, Blut und Tod klingt nichts verführerischer als auf einer selbigen sein Trauma zu verarbeiten. Bestenfalls auf einer Insel, auf der sich sonst niemand befindet. Eine Insel mit Leuchtturm vor der australischen Küste. Da hat Mann genug zu tun, und Zeit, seinen inneren Seelenfrieden wieder zu finden. Zu dem wortkargen Neo-Eremiten dazugesellen möchte sich nun wirklich keiner, es sei denn, die Liebe ist im Spiel. Und die ist ein seltsames Spiel, denn als junge Dame betuchten Hauses ist sogar ein Leben auf einem Steinhaufen zwischen zwei Ozeanen – so der Titel – vorstellbar. Sofern sich Nachwuchs einstellt. Und da schlägt das Schicksal dann erbarmungslos zu. Denn der Kindersegen kommt nicht. Beim ersten Mal nicht, und später nimmt das Verhängnis abermals seinen Lauf.

Die reizende Alicia Vikander alias Lucy fällt in der Einschicht in tiefe Depression. Da kann ihr selbst der geliebte Gemahl nicht helfen, hat der doch selbst mit seiner Vergangenheit genug zu tun. Doch die Liebe ist stark, das erwartet man sich in diesem Film. Die Liebe, die nutzt das alsbald hereinbrechende Schicksal zur Rettung des Familienglücks. Dass es das Schicksal in Gestalt eines fast schon göttlich anmutenden Winks nur scheinbar gut meint, in Wahrheit aber ein mieser Verräter ist, erscheint von vornherein klar. Weil Babys, die werden nicht so einfach angespült, ohne von irgendwem vermisst zu werden. Es sei denn, es handelt sich um Moses, da war das ganze gewollt. Umso schmerzlicher zu ertragen ist die zweite Hälfte des Filmes, in der wir mehr wissen als das unglücklich glückliche Paar und jede Minute erwarten, dass das Damoklesschwert mit erschütternder Wucht zuschlägt.

Wie bei Derek Cianfrance tut es das dann auch, so sehr man sich auch wünscht, dass der Kelch an den beiden vorübergeht. Auch dass Tom so handelt, wie er handelt, lässt sich nachvollziehen. Gefühle spielen eine große Rolle, das Begreifen der eigenen endlichen Existenz und der unbedingte Wille zum Neuanfang, das Einfordern von Gerechtigkeit und die Möglichkeit momentaner Erlösung, ganz ohne Blick nach vorn. Cianfrance spielt gerne mit dem Schicksal, lässt Menschen aufeinander treffen, die einander vergeben müssen und sich trotz aller Abscheu verstehen wollen. Weil sie sonst selbst nicht weitermachen können. In The Place Beyond the Pines war das Schicksal ebenso mächtig, auch in Blue Valentine hat der Filmemacher die Philosophie des Fatalismus zu einer über allem stehenden Macht verklärt.

The Light Between Oceans ist erlesen besetztes, schwelgerisches Liebesdrama und romantische Tragödie im Licht des Sonnenauf- und untergangs. Vom Winde verweht, und mit dem Geschmack vom Meersalz auf den Lippen. Kino für anspruchsvolle Genießer im Stile epischer Romantik.

The Light Between Oceans

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