Wildhexe

DIE MAGIE DER SCHREBERGÄRTEN

5,5/10

 

Vildheks. Gerda Langkilde Lie Kaas som Clara. .© 2018 Polyfilm Verleih

 

LAND: DÄNEMARK 2018

REGIE: KASPAR MUNK

CAST: GERDA LIE KAAS, SONJA RICHTER, SIGNE EGHOLM OLSEN, HENRIK MESTAD U. A.

 

Hexen haben Hexenbesen, das singt zumindest das steirische Synthiepop-Duo Ecco. Was aber mit dem dänischen Fantasyfilm Wildhexe leider widerlegt wird. Denn nicht alle Hexen fliegen laut gackernd durch Nacht und Nebel. Manche bleiben auch im Wald. Oder gehen normal zur Schule, sofern es sich um Junghexer und -hexen handelt. Das wissen wir seit Buffy. Die rothaarige Clara aber ist eine, deren Skills erst durch Katzenkratzer angeworfen werden. Dabei war das keine gewöhnliche Katze. Ein Gestaltwandler sozusagen. Ja, das kommt uns auch bekannt vor. Und ist somit der Anfang eines Coming of Witch-Szenarios, das sich vermehrt jenseits urbaner Gefilde abspielt. Vorwiegend auf Wiesen und in Wäldern eben. Und plötzlich sind alle, bei denen man nie geglaubt hätte, dass sie Hexen sind, Hexen. Gut, ein paar Hexer schleichen sich auch noch ein, aber da nehme ich einiges vorweg.

Ich kann mich noch gut an das samstäglich im österreichischen Rundfunk laufende Format „Fortsetzung folgt nicht“ erinnern. Da hat Edgar Böhm, später langjähriger Unterhaltungschef des ORF und mittlerweile auch schon in Pension, uns lesefreudigem Jungpublikum pädagogisch wertvolle Bücher schmackhaft gemacht. Und das nicht nur rein verbal Marke literarisches Quartett, sondern auch anhand nachgespielter einleitender Kapitel. Wie das ganze weitergeht, hat man dann aber selbst lesen müssen. In der Art und Weise, wie diese Jugendbücher anhand von Spielszenen dargestellt wurden, da ist Wildhexe nicht ganz unähnlich. Nur hier wird die Geschichte auserzählt, obwohl man auch gut und gerne gleich zur literarischen Vorlage von Lene Kaaberbøl greifen kann. Der Däne Kaspar Munk hat aber im Gegensatz zu Edgar Böhms recht fernsehformatigen Fünfminütern in Sachen Kinoformat dann doch tiefer in die Geldtasche gegriffen als das Fernsehbudget hergegeben hätte. Wer sich auf Wildhexe einlässt, erhält ganz viel Landschaft, ganz viele Wälder und tief stehende Sonnen, die die morgendliche Feuchtigkeit forstwirtschaftlich akkurater Wälder anhand pittoresker Dunstschwaden im Gegenlicht aus der Botanik reißen. Zwischen all dem goldlichtdurchwirkten Ökoversum die klassische Einsiedelei einer erfahrener Magierin, die wie die gesetzte Version von Preußlers kleiner Hexe daherkommt. In diesem Fall aber ist es das Mädchen Clara, dass die Welt davor bewahren muss, nicht unter die Fuchtel einer im Kryoschlaf befindlichen, mächtigen Antagonistin zu geraten.

Seltsamerweise aber kommt das geschmackvoll bebilderte Abenteuer über die Magie eines sich selbst gießenden Schrebergartens nicht hinaus, auch wenn Transmitter-Portale zu anderen Dimensionen geöffnet werden können. Das ist das, was ich meine, wenn ich Wildhexe mit einem fürs Fernsehen aufbereiteten Jugendfilm vergleiche oder zumindest mit einem Film, der irgendwo zwischen Ronja Räubertochter und den graustichigen, aber charmanten Nachmittagsmärchen aus dem ehemaligen Ostblock seinen Zauberstab schwingt. Obwohl – hier gibt es nicht mal den. Wildhexe distanziert sich deutlich vom High Fantasy-Universum eines Harry Potter, ahmt nichts nach, ist viel barfüßiger und versponnener, vor allem auch ruhiger. Was zur Folge hat, dass es keinen sonderlichen Eindruck hinterlässt. Oder zumindest nicht mehr Eindruck als ein Waldspaziergang im Spätsommer, an dem man sich Märchen erzählt. Was durchaus auch bleibend sein kann, wenn die Stimmung passt. Und die hat der Film irgendwie doch.

Wildhexe

Maleficent: Mächte der Finsternis

BEI DEN HÖRNERN GEPACKT

6,5/10

 

maleficent2© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

 

LAND: USA 2019

REGIE: JOACHIM RØNNING

CAST: ANGELINA JOLIE, ELLE FANNING, SAM RILEY, MICHELLE PFEIFFER, ED SKREIN, HARRIS DICKINSON, IMELDA STAUNTON, CHIWETEL EJIOFOR U. A.

 

Falls sich jemand beim Dacapo des Disney-Märchens aus dem Jahre 2014 die Challenge auferlegt hat, sämtliche Easter Eggs zum Oeuvre Grimm’scher Märchen ausfindig zu machen, wird sehr schnell die Freude daran verlieren. Denn bis auf Dornröschens obligater Spindel, die in den Kerkern hochgotischer Gemäuer samt Spinnrad als ausrangiertes Gut auf bessere Zeiten wartet, gelten die klassischen Elemente weitestgehend als vermisst. Macht aber nichts, Maleficent: Mächte der Finsternis (so finster sind die Mächte eigentlich gar nicht) orientiert sich ohnehin viel mehr am Fantasy- als am Märchenkino, obwohl der integre König mit Krone und Stracciatella-Pelzkragen unter rotem Samtmantel den Klischee-Königen schlechthin alle Ehre macht. Auch das kleine schlanke Perlenkrönchen darf nicht fehlen, welches das Haupt von Michelle Pfeiffer ziert, die in der epischen Fortsetzung als sinisteres Schwiegermonster nur das Beste für sich selbst will, und das auf süfisant aufspielende Art. So zwischen Fantasy- und Märchenkino mäanderte auch die italienisch-deutsche Koproduktion Prinzessin Fanthagiro dahin, damals in den 90ern, voll mit klassischen Märchenzitaten, aber auch jeder Menge finsterer Mächte, die allerlei beseelte Wald- und Wiesenwesen unter Kuratel stellten. Das passiert bei Maleficent auch – nur sind wir diesmal fast 30 Jahre später, und die tricktechnischen Skills im Vergleich zu Fantaghiro sind wie vom anderen Stern. Maleficent: Mächte der Finsternis erstaunt also in erster Linie durch ein phantastisch-lebendiges Ökosystem, da muss sich selbst die durch und durch organische Welt aus The Dark Crystal ab und an ein bisschen anstrengen, um mithalten zu können. Was da im Reich der Moore alles an Zauberwesen aufmarschieren, ist wieder mal ein Fest fürs Auge. Von Elfen so groß wie Pusteblumen bis zu Groot-ähnlichen Baumriesen, die schweren Schrittes durch den Sumpf waten, ist alles da, was das dem phantastischen Realismus hoffnungslos erlegene Herz alles begehrt. Szenenweise wähnt man sich in einem Potpourri aus Motiven der Maler Max Ernst oder Arik Brauer, es kreucht und fleucht, und das ist atemberaubend gut arrangiert. CGI also, wo es hingehört.

In zweiter Linie erstaunt Maleficent: Mächte der Finsternis durch das ikonische Spiel Angelina Jolies. Mit kantigen Wangen, leichenblasser Haut und blutroten Lippen sowie leuchtenden Augen ist die den Zeichentrickfilmen Disneys angelehnte Figur fast schon das Alter Ego der von Glamour und erhabener Unnahbarkeit umgebenen Schauspielerin, die dank ihrer PR-Taktik so auftritt, als wäre sie bereits eine Stufe weiter als all ihre FachkollegInnen, die immer noch einfach nur ihren Job machen. Jolies Auftritt als Dunkelfee mit Hörnern wie Hellboy und Flügeln wie Lucifer lässt sich auf ungenierte Weise genießen, denn alles zusammen ist das eine kongeniale Mischung, und wenn Brad Pitts Ex dann mit offenem Haar und deutlich entrüscht durch das an Alfred Kubins phantasmagorische Strichzeichnungen erinnernde Hideaway der Dunkelfeen schlendert, dann sind das enorm stilsichere, fast schon stilbildende Momente, die den relativ simplen Aufbau der Geschichte vergessen machen. Tatsächlich ist Maleficent: Mächte der Finsternis ein Schaufilm der ersten Liga, das sollte man tunlichst nicht am Fernsehschirm ansehen, sondern im Kino. Die wuchtige, üppige Optik kommt erst dann so richtig zur Geltung, wenn die Leinwand nicht groß genug sein kann.

Ein Film also wie ein Bilderbuch, fast schon für die ganze Familie, in herrlichen Farben und Formen. Darüber hinaus lassen Avatar, Barbarella oder gar der knallige Flash Gordon herzlich grüßen. Ihr seht also, da lässt sich so manch Gesehenes nochmal Revue passieren, und da stört auch der märchenhafte Kitsch nicht, der sich natürlich immer wieder breit macht. So will es Disney, und so will es womöglich auch das Genre des klassischen Märchenfilms, der seine Grenzen Richtung Fantasy mit Spaß an der Sache auslotet. Das viel verpönte CGI hingegen, das immer mehr in Verruf gerät, darf mit dieser Werkschau allerdings wieder sein State-of-the-Art präsentieren. Wer sich damit anfreunden kann, profitiert davon, alle anderen mögen es etwas zu geschniegelt finden. Das Make Up jedenfalls (der gehörnte Ed Skrein im Close Up!), das ist in jeder Hinsicht bereits schon jetzt konkurrenzlos preisverdächtig.

Maleficent: Mächte der Finsternis

Ein griechischer Sommer

FERIEN WIE DAMALS

6/10

 

Ein griechischer Sommer© 2012 obs/ZDF/LAURENT THURIN NAL

 

ORIGINALTITEL: NICOSTRATOS LE PÉLICAN

LAND: FRANKREICH, GRIECHENLAND 2012

REGIE: OLIVIER HORLAIT

CAST: EMIR KUSTURICA, THIBAULT LE GUELLEC, JADE-ROSE PARKER, FRANÇOIS-XAVIER DEMAISON U. A.

 

Die Ferien sind vorüber, die Schule hat begonnen. Kann sein, dass der sogenannte Altweibersommer zurückkehrt. Der erinnert dann noch mal an die schönen Stunden, die der mittjährliche Urlaub so mit sich brachte, abgesehen vom An- und Abreisestress, vom Ein- und Auspacken und vom Waschen der ganzen Urlaubswäsche. Aber das gehört schließlich dazu. Man würde es vermissen, hätte man nicht alle Hände voll zu tun, um durchschnittlich zwei Wochen irgendwo anders abzuhängen, ob in den Bergen oder am Meer, stets in Reichweite diverser mobiler Endgeräte. Dabei kann natürlich sein, dass, war man in den Bergen, in Balkonien oder im eigenen Land, das Meer immer noch Fokus diverser Sehnsüchte bleibt, so richtig Marke STS und im Sinne von Irgendwann bleib I dann dort, mit den Füßen im weißen Sand, eine Bottle Rotwein in der Hand und so weiter. Austropop-Kenner wissen, was ich meine, kaum ein Lied nährt mehr den Traum, auszusteigen als dieses. Bevor der Herbstalltag also einem Damoklesschwert gleich über uns hereinbricht, ließe sich unter Umständen mit vorliegendem Film der Sommer zumindest in den eigenen vier Wänden noch etwas hinauszögern. Ein griechischer Sommer ist genau das, was der Film beschreibt – eine strahlend schöne Jahreszeit irgendwo in der Ägäis, auf einer kleinen, unbekannten Insel voller pittoresker Küsten und verführerischen Lagunen, versteckt hinter strahlend blauem Meer.

Allerdings geht’s in dem französisch-griechischen Coming-of-Age-Filmchen weniger ums Urlaubmachen und Aussteigen, sondern um einen Vogel. Genauer gesagt um einen Pelikan, und der ins Deutsche übersetzte Titel Ein griechischer Sommer verbirgt im Gegensatz zum Originaltitel, was dahintersteckt. Diesen Pelikan, den findet der Halbwaise Yannis, der mit seinem griesgrämigen Fischervater irgendwo in einem einsamen Häuschen an der Küste lebt, bei einem Matrosen an Bord eines Frachtkahns. Allerdings ist der da noch ein kieliger Jungvogel – im Austausch gegen das Erbstück seiner Mutter kann er diesen aber freikaufen. Der Vater, der weiß natürlich nichts davon. Gut versteckt zieht Yannis den Vogel auf – bis die ganze Insel von der ornithologischen Sensation Wind bekommt.

Überraschend an diesem mediterranen Jugendfilm ist der Auftritt Emir Kusturicas. Der serbische Cannes-Gewinner und Autorenfilmer so schrill-schräger Kunststücke wie Underground oder Time of the Gypsies ist, wie ich zuletzt in On the Milky Road feststellen musste, alles andere als ein guter Schauspieler. In Ein griechischer Sommer schlägt er sich so halbwegs brauchbar mit seiner Rolle herum, sein verzotteltes Aussehen sorgt für mildernde Umstände. Was sonst noch zu sehen ist, passt auf eine Freilichtbühne neben obligatorischem Ausschank, wo es logischerweise auch Ouzo geben sollte. Denn so klischeehaft, wie das kleine Hafenstädtchen und seine aus der Zeit gefallenen Bürger, so kauzig ist das Ganze auch – erst vor einigen Jahren hat sich Christoph Maria Herbst in Highway to Hellas per Esel durch den mediterranen Karst geschleppt. Ähnlich geht es auch hier zu. Außer Fische fangen, dem Ausschenken von Rebensaft und dem Improvisieren mit dem wenigen, was da ist, bleibt nur noch, aufs Meer zu schauen und nichts zu tun. Und auch nichts zu erwarten. Wären da nicht die beiden Teenies Yannis, wie schon eingangs erwähnt, und Angeliki, dem Mädel vom Festland, Nichte des einzigen Barbesitzers der Insel und bald dicke Freundin des frisch gebackenen Vogelvaters. War das Tier anfangs noch eigenartig mechatronisch, ist es als adultes Federvieh ein tatsächlich dressiertes Unikum. Und wäre der Pelikan nicht, wäre der Film ein relativ belangloser Zwischenstopp in den blauweißen Farben von Griechenland, der wenig aufgeweckte Jugenderinnerungen hervorholt. Diese wiederum erinnern an einen ganz anderen Film, nämlich an Wie Brüder im Wind, in welchem ein Junge, der ebenfalls alleine mit seinem griesgrämigen Vater im unwirtlichen Gebirge haust, ein Adlerjunges findet – und großzieht. Im Grunde ist das die gleiche narrative Basis, nur mit weniger Personal. In Ein griechischer Sommer nimmt man die Metapher des Flüggewerdens allerdings leichter, humorvoller, weniger grüblerischer, aber auch leicht hysterischer. Das ist angenehm anders, und somit irgendwie noch eine kleine, filmische Auszeit vor dem Alltag.

Ein griechischer Sommer

Playmobil: Der Film

SPIELEND DURCHS ABENTEUER

5,5/10

 

playmobil-film© 2019 Concorde Filmverleih

 

LAND: FRANKREICH 2019

REGIE: LINO DISALVO

CAST: ANYA TAYLOR-JOY, GABRIEL BATEMAN

UND DEN STIMMEN VON: DANIEL RADCLIFFE/MATTHIAS SCHWEIGHÖFER, MEGHAN TRAINOR/BEATRICE EGLI, ADAM LAMBERT/RALF SCHMITZ U. A.

 

Dass die Macher den orangeblauen, kleinen Roboter auf Rädern in die Riege der Filmhelden aufgenommen haben, war dann doch eine Überraschung. Das kleine, gelenkige Spielzeug hatte ich schon als Kind in den 80ern, und so wie es in Playmobil: Der Film aussieht, hat sich das robuste Teil kein bisschen verändert. Mein Exemplar existiert auch heute noch, irgendwo inmitten der Kisten voll Spielzeug, aus denen mein Sohn jeden Tag aus dem Vollen schöpft, um Burgen, mittelalterliche Städte oder Wälder aus dem Teppich zu stampfen. Mitunter dürfen es auch die punischen Kriege sein, die da, hochgerüstet bis zur letzten Zickzackperücke, in die Idylle des Kinderzimmers hereinbrechen. Neben LEGO, das vor allem dazu da ist, den kreativen Baumeister in uns zu wecken, ist Playmobil ein Spielzeugkonzept, dass das kreative Geschichtenerzählen fördert. Das fällt der jungen Generation Smartphone zusehends schwerer. Gegen die vorgefertigten Welten der Computerspiele ist Playmobil nämlich wie ein unbeschriebenes Blatt. Die Herausforderung bei diesem analogen Spiel ist es, Welten und Szenarien von der Pieke auf selbst zu erfinden. Das hat seinen Reiz. Und da Playmobil noch dazu fast unkaputtbar ist, muss man auch nicht ständig Sorge tragen, der mühsam zusammengebaute Millennium Falke von LEGO bricht irgendwann während des Spiels auseinander.

Nun flimmert also auch zu diesem Patent der entsprechende Film über die Leinwand, sehr viel später als LEGO, doch Playmobil will dem Bauklotzriesen mit den rundkantigen Zylinderkopfmännchen das Medium Kino letztendlich doch nicht alleine überlassen. Und wenn schon ein Abenteuer über die nasenlosen, rundköpfigen Smiling Faces, dann gleich eines, das die gesamte Bandbreite der Spielewelten abdecken kann. Klar, was dabei herauskommt: ein Marketingfilm, der Lust auf Shopping machen soll. Denn natürlich gibt es, so wie bei allen LEGO-Filmen auch, jede Menge Sets zu erstehen, welche Figuren vom alten Rom bis in die Welt der 007-Agenten im Sortiment haben. Playmobil: Der Film ist also in erster Linie ein Abenteuer, das bei bereits etablierten Playmobil-Fans Wünsche weckt. Und alle anderen? Nun, die sehen einen teils bemüht lustigen Film, der im Groben an die Idee von Jumanji erinnert und den rasanten Grundtonus sämtlicher CGI- Spielzeugfilme auch für sich beansprucht. Andauernd finden sich die beiden elternlosen Geschwister Marla und Charlie in anderen Welten wieder, wobei wenig Zeit bleibt, sich wirklich auf diese ganzen Szenerien einzustellen, in die sie wie durch ein Wunder während des nächtlichen Betretens einer Spielzeugmesse hineingesaugt werden. Vom Live-Act also ins animierte Kinderkino, das sich wie eine abendfüllende Folge von Serien wie Super 4 oder Mia and Me anfühlt. Playmobil: Der Film ist enorm kurzweilig, das aber ganz ohne Brummschädel im Nachhinein. Viel nachdenken braucht man dabei nicht, hauptsächlich nur Details entdecken und im Geiste bereits eine Liste machen, welche Figuren als nächstes angeschafft werden sollen. Der juvenilen Sammelwut kann man als freundlich mahnendes Elternteil aber mit Hinweis auf den Ist-Zustand des Sortiments spielend einfach Einhalt gebieten. Wenn man es geschickt anstellt, lässt sich der Film daher auch relativ spesenfrei genießen, bis auf den Preis der Kinokarte natürlich.

Was Playmobil: Der Film allerdings fehlt, das sind die Referenzen an die Pop- und Nerdkultur, wie es LEGO stets in petto hat. Das Leinwandabenteuer der Firma Geobra Brandstätter spart sich daher jeglichen Witz, der vielleicht nur für die erwachsene Begleitperson bestimmt ist – und ist folglich ein astreiner Kinderfilm, der auch nur dann elterliches Publikum begeistern kann, wenn dieses mit den Playmobilwelten des eigenen Nachwuchses vertraut ist, oder mitunter in völlig autark entwickelter Sammelfreude gerne seltene Sets über Second-Hand-Plattformen ersteht. Vielleicht auch, wenn die Nostalgie der eigenen Kindheit zuschlägt. Dann sind wir Eltern den spielfreudigen Grundschülern immer noch ein willkommener Partner, wenn es darum geht, in 10 cm Zimmerhöhe liebevoll detaillierte Welten im Stegreif entstehen zu lassen. Lino DiSalvo, seines Zeichens Head of Animation bei Filmen wie zum Beispiel Die Eiskönigin, hat mit seinem ersten Produkt-Spielfilm ebenfalls auf sehr viel Details gesetzt – zu entdecken gibt es für Kenner also einiges. Alle anderen freuen sich mit, wenn die Kids bei den Eskapaden von Wikinger, Ritter und Co völlig aus dem Häuschen sind.

Playmobil: Der Film

A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando

SPIELZEUG, DAS SICH SELBER FINDET

7/10

 

TOY STORY 4©2019 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

 

LAND: USA 2019

REGIE: JOSH COOLEY

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): TOM HANKS, TIM ALLEN, ANNIE POTTS, JOAN CUSACK, JORDAN PEELE, KEEANU REEVES, LAURIE METCALF U. A.

 

Mein Blick schweift über die Sitzreihen des noch beleuchteten Kinosaales und sagt mir, dass die Zielgruppe für den in Kürze startenden Film im Vergleich zu anderen Genrekanditaten doch etwas aus der Norm fällt. In Toy Story verblüfft die Tatsache, dass vorwiegend und zu keinem verschwindenden Teil auch Erwachsene ohne juvenilen Anhang, sowohl in weiblicher wie männlicher Buddy-Duo-Formation, Platz genommen haben. Da sind wir und die Kids in der vorderen Reihe eher eine Ausnahme, und das lässt sich auch ganz leicht erklären. Denn Toy Story, das war in den guten Neunzigern, und zwar genau in den Iden selbiger, der spielfilmlange Einstand für Pixar, dem Team hinter der Schreibtischlampe. Fans der ersten Stunde sind wohl heute hier einige versammelt, und dank eines bis in die Gegenwart gelungen fortgeführten Franchise ist die Sympathie für Cowboy Woody, Buzz Lightyear und Konsorten aller Machart eine ungetrübte. Es ist schon etwas Besonderes, wenn bereits drei Teile nicht im mindesten weniger gut sind als der Vorgänger oder der Nachfolger. Nach 24 Jahren allerdings, wo die Kids von damals selber Kids haben und sich gerne an die guten alten Animationszeiten auf der Leinwand erinnern, müssen auch Woody und seine Freunde eine Veränderung durchmachen, es kann ja nicht so weitergehen wie bisher. Irgendwann muss das Spielzeug auch erwachsen werden. Oder sich selber finden. Wie eben ganz aktuell im Kino im vierten Abenteuer Toy Story: Alles hört auf kein Kommando.

Andy, das Kind von Cowboy Woody, ist schon im letzten Film erwachsen geworden. Und Bonnie, das kleine spielfreudige Vorschulmädchen mit ausgeprägtem Sinn für Erdachtes, findet wohl mehr Freude an einer selbst gebastelten Göffelfigur namens Forky als an den mittlerweile zur Flohmarktware zählenden Altspielzeug aus den 90ern. Woody muss sich daher umorientieren, bevor er aus Unachtsamkeit verlorengeht. Und entdeckt in sich die Rolle des selbstlosen Beschützers, der das neurotische Watschelbesteck erstmal vor der Mülltonne rettet, um dann einen Antiquitätenladen unsicher zu machen, der so einiges Potenzial für einen abendfüllenden Spielfilm bereithält. Der bis in die hintersten Lurchecken akribisch rekonstruierte Hallenflohmarkt mitsamt verstaubtem Mehrfachstecker und detailverliebt gestalteter Ladenhüter lässt nicht nur die Puppen tanzen (das Image der gruseligen Bauchrednerpuppe werden die staksenden Holzkasper garantiert bis zum Weltenende nicht mehr los), sondern auch die Outlaws rund um Woody dermaßen waghalsig improvisieren, dass man A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando zumindest stellenweise als das „Fast & Furious“ der Spielzeugwelt bezeichnen kann. Wenn Porzellinchen in adretter Mad Max-Manier im selbstgebauten Stinktier-Vehikel durch die Niederungen eines Jahrmarkts brettert oder der selbstzweifelnde Duke Kaboom zum Stunt des Jahrhunderts ansetzt, dann hat Pixar durchaus ein gewitztes Spektakel vom Computer gelassen, dass den Live-Act-MacGyver blass aussehen lässt und Suspense längst nichts mehr nur Erwachsenenkram sein muss.

Storyboardzeichner Josh Cooley sitzt diesmal im Regiestuhl, und es lässt sich erkennen, dass Bildidee und Umsetzung aus einer Hand gehen. Insofern steht das 3. Sequel all den anderen Teilen in punkto Spielzeugstunts um nichts nach, im Gegenteil, es setzt noch eins drauf. Allerdings nicht nur bei den haarsträubend gut animierten Hetzjagden quer durchs adulte Interieur. A Toy Story will zwischen all dem Slapstick auch etwas ernster sein. Und verliert dabei manchmal leicht den Überblick. Gefühlt ein jedes Spielzeug sucht seine wahre Bestimmung, hat sie gefunden oder trauert Bewährtem nach. Muss sich neu definieren oder Vergangenes zurücklassen. In Cooleys Film ist Abschied und Neuanfang das große Thema, Umorientierung und das Hören auf die innere Stimme. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, aber in A Toy Story ist Zeit Spielgeld und keiner will Bonnie nach ihrem Göffel weinen sehen. Also ist das ganze Abenteuer aufgrund des straff gezogenen Zeitrahmens durchaus fesselnd, voll schlagfertigem Humor und sowieso satt an liebevoll skizzierten Charakteren, die so angenehm durch den Wind sind, wie Spielzeug eben sein muss. Längst nicht perfekt, und – ob auf sich alleine gestellt oder durch die Augen eines Kindes – immer bereit, neu entdeckt zu werden.

A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando

Den Sternen so nah

RETTET GARDNER ELLIOTT!

7/10

 

THE SPACE BETWEEN US© 2017 Tobis Film GmbH

 

ORIGINAL: THE SPACE BETWEEN US

LAND: USA 2017

REGIE: PETER CHELSOM

CAST: ASA BUTTERFIED, BRITT ROBERTSON, GARY OLDMAN, CARLA GUGINO U. A.

 

Ridley Scotts großangekündigter Marsbesuch ist auch schon wieder eine Weile her. Vier Jahre sind schon ins Land gezogen, da wäre ein bemanntes Raumschiff nach unserem Stand der Technik auch schon einmal hin und retour geflogen. Mark Watney haben wir also schon gerettet, der ist wieder sicher auf Erden gelandet, nachdem man ihn eigentlich mehr oder weniger nach guter alter Kevin-Manier allein zuhause gelassen hat, auf einem Planeten ohne atembarem Luftgemisch und auf dem es saukalt ist. Schön anzusehen ist er ja, der Mars. Und eine Kolonie dort mit Sicherheit zumindest die erste Zeit abenteuerlich genug, um es dort auszuhalten. Natürlich ist das nichts für Kinder. Oder doch? Das Tempelhüpfen würde etwas epischer ausfallen, ungefähr Marke Stabhochsprung, nur ohne Stab. Fußbälle würden weiter gekickt werden als sonst wo und die Sandkiste wäre so groß so weit das Auge in dieser rötlichbraunen Welt reicht. Allerdings – die Zahl an Spielgefährten wäre endenwollend. Das ist ernüchternder als die ewige Warterei unseres Astronauten-Kevin Mark Watney. Doch so ist es mit Gardner Elliott passiert. Der Junge: ein blinder Passagier, heimlich ausgetragen von einer Astronautin, die um alles in der Welt am roten Planeten Pionierarbeit leisten wollte. Schwanger ins Weltall geht natürlich gar nicht, bei all diesen riskanten Variablen, aber irgendwie hat es doch funktioniert. Und jetzt retten wir nicht mehr Mark Watney, sondern Gardner Elliott, der aber Probleme hat, auf der Erde im wahrsten Sinne des Wortes Fuß zu fassen, ist doch seine Physiognomie eher auf die Schwerkraft des Mars ausgerichtet als auf die des blauen Planeten. Was das für physische Komplikationen nach sich ziehen kann, und wie sehr ein Teenager unbedingt altersadäquates soziales Umfeld braucht, davon erzählt Peter Chelsoms leichtfüßiges Abenteuer rund um ein Planetenhopping im Solsystem und um die erste Liebe.

Liebe gab es bei Ridley Scotts astrotechnischem Thriller keine, aber Peter Chelsom ist immer schon ein Romantiker gewesen, Gefühle haben da auch jenseits des terrestrischen Orbits ihren Platz. Also verliebt sich Gardner Elliott erstmal in seine Chat-Freundin, der er natürlich verheimlicht hat, dass er nicht gleich um die Ecke wohnt. Das Science-Fiction-Abenteuer für die jüngere Generation, im Original viel trefflicher mit The Space between us tituliert, zeigt auf sympathisch formulierte Art, wie der erste extraterrestrische Erdling gleichzeitig zum ersten Homo marsianus wird. Darwin würde sich im Rahmen seiner Idee zur adaptiven Radiaton mehr als bestätigt fühlen, es würde ihm gefallen zu sehen, wie schnell Anpassungen an extrem unterschiedliche Lebensräume vonstatten gehen können. Doch Daheim ist Daheim, und der Mars trotz aller lebensfeindlichen Abzüge die Heimat von Asa Butterfield, der schon in Enders Game der Auserwählte war – und hier jetzt nochmals. An seiner Seite aber statt Harrison Ford Oscar-Preisträger Gary Oldman als vergrämter Wissenschafter mit langer Mähne. Gut gespielt, aber routiniert. Brit Roberston (u. a. A World Beyond) hingegen als Gardner Elliotts Schwarm weiß da schon etwas mehr die Sehnsucht eines einsamen Teenies zu vermitteln, und die Chemie zwischen den Jungdarstellern stimmt. Das hat schon weitaus mehr greifbare Romantik als all diese Twilight-Originale und -Ableger, weil hier angenehmerweise keine Antagonisten den Frieden stören, sondern nur  der Brückenschlag zwischen zwei Welten zur unüberwindbaren Challenge wird. Es ist, als träfen die Geschichten eines John Green auf den bereits schon zitierten Marsianer – Den Sternen so nah erzählt von Einzelgängern und der Einsamkeit von Pionieren, von junger Liebe und einer Zukunft, in der Mann und Frau sich irgendwann nicht nur entscheiden müssen, welchen Nachnamen sie tragen, sondern auch, zu welchem Planeten sie gehören wollen.

Den Sternen so nah

Der König der Löwen (2019)

AUDIENZ IN GRZIMEKS TIERWELT

7,5/10

 

koenigderloewen© 2019 Walt Disney Germany

 

LAND: USA 2019

REGIE: JON FAVREAU

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): DONALD GLOVER, JAMES EARL JONES, BEYONCÉ, CHIWETEL EJIOFOR, SETH ROGEN U. A. 

 

Vor ein paar Monaten erst lief die Realverfilmung eines fast schon antiken Klassikers aus dem Hause Disney in den Kinos – Dumbo. Tim Burton hat sich dafür auf den Regiestuhl gesetzt und ist die Umsetzung in dämmerungslichterner CGI-Optik und mit gänzlich anderer Geschichte angegangen. Darin eingebettet: ein famos animierter Elefant mit Riesenohren, von dessen ledriger Haut beim Schaumbad echte Bläschen perlen. Für den Sommer gibt es dann einen Blockbuster, der erstens mal das dem neuen Dumbo wohlgesonnene Publikum als auch Liebhaber pittoresker Großwildsafaris in die Kinos zu locken vermag: Die – sagen wir mal – reale Unplugged-Version von Der König der Löwen, ohnehin wohl erfolgreichster Zeichentrickfilm, mittlerweile auch schon über 20 Jahre alt und nicht nur zuletzt durch Elton Johns Circle of Life ein Augen- und auch Ohrenschmaus. Da sowieso eigentlich jeder Löwen mag, und Kinder sowieso auf Tiere stehen, und des weiteren viel zu wenige Universum-Dokus auf großer Leinwand laufen, ist diese marktanalytische Milchmädchenrechnung fast schon deppensicher. Von voreingenommener Skepsis mal abgesehen, da Der König der Löwen aus 1994 natürlich seine Fangemeinde hat und nicht so mir nichts dir nichts nachverfilmt werden kann. Dafür muss die nun brandaktuelle Interpretation alle und vielleicht auch ganz neue Stückchen spielen.

Neue spielt sie zwar nicht, aber alle. Zumindest mal optisch. Da würde ich gerne einen Blick hinter die Kulissen werfen, Teil des Produktionsteams sein, und wenn auch nur als Hospitant, um zu sehen, mit welchen Informationen die Hard- und Software arbeitet, um Bewegung, Physiognomie und Beschaffenheit diverser Tierarten so naturgetreu nachzubilden. Gut, es gibt einige Maler, die haben das schon lange praktiziert, allerdings unbewegt. Fotorealistische Bildnisse von Geparden, Antilopen, Tigern und so weiter. Wo zwei Blicke oft nicht reichen, um zu erkennen, dass es sich bei diesen Bildern um Gemälde handelt. Warum sollte das ein Computer nicht auch hinbekommen? Mit den nötigen Informationen zu Anatomie und Bewegung kann da schon gut und gerne eine Welt entstehen, die unserer sehr nahe kommt, und die sich so anfühlt, als säßen wir bei Bernhard Grzimek im Zebraflieger oder irgendwo im Busch, um waschechtes Wildlife zu beobachten. Als wäre wieder Dienstagabend und Universum würde sich einmal mehr einer beliebten Region unserer Erde widmen, nämlich dem Rift Valley. Wäre es notwendig gewesen, die Natur nachzugenerieren, nur weil die Technik es kann? Nicht, wenn keine Fabel erzählt werden will.

Diese ist ein Königsdrama in einer menschenlosen Welt, irgendwo zwischen Shakespeares Hamlet und Serengeti darf nicht sterben, und sogar eine Brise Black Panther ist dabei, im Grunde ja auch ein Spiel der Throne. Mit dieser genialen Animationstechnik lässt sich eben der böse Löwe Scar als böser Löwe darstellen, mit Narbe, sinistrem Augenspiel und fettiger Mähne. Wie man einen Bösen eben darstellt. Als zoologisch versierter Talent-Scout hätte man womöglich lange suchen müssen, um einen solchen Löwen tatsächlich zu finden. Scar in seinem Charakter und seiner machtgierigen Egomanie wie einst Richard III ist sowieso ein Highlight des Films, wenn nicht das Highlight überhaupt. Und dass ein Erdmännchen auf einem Warzenschwein sitzt, ist auch nur dann möglich, wenn die Einsen und Nullen dahinter menschliches Verhalten dulden. Also warum nicht Fotorealismus im Kino, warum nicht mit der Magie des Kopierens einer vertrauten Natur uns alle zum Staunen bringen? Mich hat es erstaunt, und es ist wie geglückte Illusionskunst, auch wenn ich mir das Making Of zumindest ansatzweise erklären kann. Das Drama selbst? Gut überschaubar, nicht auf Dichtheit getrimmt, nicht kompliziert, sondern angenehm geradlinig, wie in Disneys alten Klassikern. Wenn dann das opernhafte Finale auf der Felsenzunge hoch über der Savanne seinen Anfang nimmt, dann sind das mächtige Szenen, eines Königsdramas würdig, in denen der Tod an der Tafel sitzt, und wo das in Nacht getauchte Land vor Flammen lodert. Die sich windenden Muskelpakete der kraftstrotzenden Monarchen wirken wie schwerelos scheinende Skulpturen barocker Steinmetzkunst, ineinander verschlungen und fauchend, immer dann, wenn der Wind die Mähnen bauscht. Das ist großes Kino.

Weniger groß ist der Versuch, mit der Bildgewalt musikalisch mitzuziehen. Zumindest in der deutschsprachigen Synchro – und die auch nur, um den Nachwuchs nicht unnötig anzustrengen – liegt der Verdacht nahe, Helene Fischer am Mikro zu haben, das macht das Ganze deutlich weniger erdig und vielleicht auch etwas seifig, theoretisch ließe sich Elton Johns Welthit auch anders interpretieren. Wenn nicht unbedingt notwendig, dann empfiehlt sich Der König der Löwen im englischen Original ungeschaut eher als auf deutsch, und hätte ich den Film auf Englisch gesehen, wäre der Genuss einer ohne Abzüge, die ich fairerweise bringen muss, um meine Wertung zu erklären. Als Wildtierfotograf und Tierliebhaber aber sehe ich mich emotional ertappt und muss zugestehen, dass Disney auch diesmal wieder gezeigt hat, wo die Benchmark derzeit liegt, nämlich erstaunlich hoch, und wieder ein bisschen höher als bei Dumbo, vor allem, wenn der Vergleich zum realen Vorbild fehlt. Hätten wir den, wäre womöglich immer noch Luft nach oben. Aber ich denke, daran wird gearbeitet.

Wer sich noch an Jean-Jacques Annauds Der Bär erinnern kann, weiß vermutlich noch, wie die animalischen Darsteller da gelitten haben. Für solche Geschichten müsste man heutzutage kein Lebewesen mehr nötigen – das machen die vielen Superhirne vor den Monitoren, die so etwas zaubern wie Der König der Löwen. Traurig wird es dann, wenn das reale Pendant zu solchen Filmwelten irgendwann nicht mehr ganz so prächtig strahlt, und wir nur noch im Kino sehen dürfen, wie der Soll-Zustand solcher Habitate eigentlich auszusehen hat. Dann bekommt das ganze einen zynischen Nachgeschmack, und spätestens dann sollte Disney aufhören, solche Filme zu drehen. Filme nämlich vom Trouble in Paradise, inkognito und fernab unserer Beobachtung.

Der König der Löwen (2019)