Star Wars Fanfilme

WEIT WEIT ENTFERNT, UND DOCH SO NAH

 

Anlässlich der Premiere des neuesten Abenteuers aus dem Star Wars-Universum, dem Spin Off Rogue One, möchte ich mich auch den Millionen Fans rund um den Erdball widmen, für welche die weit weit entfernte Galaxis immer noch nah genug ist, um sich in ihr voller Eifer und Glückseligkeit auszutoben. Damit die Wartezeit zwischen den offiziellen Kinoevents nicht allzu schal und langweilig daherkommt, und weil man nicht schon wieder zum was weiß ich wievielten Male die Staffeln der Clone Wars oder die einzelnen Filme, die man ohnehin schon auswendig kennt, heranziehen möchte, sind die Fans nun selbst aktiv geworden. Unter ihnen gibt es jede Menge Leute, die sich mit dem Filmemachen nur allzu gut auskennen. Die Professionalsten sind, im Bücherschreiben, im Filmen, im Schauspielern. Wieso dieses Potenzial nicht nutzen? Und wieso auf eine Live-Act-Serie warten, die ohnehin nicht kommen wird? Also ran an die Kamera, ran an den Schneidetisch und an die Kostümemacher. Ran ans Drehbuch und hinein ins Jedipedia Online-Lexikon. Und siehe da – der Reihe nach erwachen kinematographisch anmutende Spin Offs zum Leben, die Star Wars um die Kategorie und dem Subgenre Fanfilm bereichern. Mittlerweile gibt es sogar Wettbewerbe und Festivals, auf welchen die besten Werke der selbstlosen NGO-Freizeitjedis honoriert werden. Ein sehr sympathischer Zug von Disney und Lucasfilm. Nur wehe du verdienst was dabei… 😉

Im Zuge dessen möchte ich, fortsetzend zu meiner Rezension über den österreichischen Film Regrets of the Past und Darth Maul: Apprentice, vier weitere Kurzfilme vorstellen, die die Galaxis vom inneren Kern bis ins Outer Rim tatsächlich bereichern und Star Wars-Liebhabern ans Herz zu legen sind. Was sie gemeinsam haben, ist auf alle Fälle mal ihre professionelle Aufmachung. Handwerklich top, wissen sie in Kameraführung, Beleuchtung und Filmmaterial wahrlich zu begeistern. Hier ging man mit teuren. professionellen Geräten zu Werke. Hier stimmt Sound, Beleuchtung und Ausstattung. Hier stimmen Schauspieler, Settings und – was ganz wichtig ist – Atmosphäre. Und abgesehen davon – in ihrer Gesamtheit stechen sie aus all den anderen mehr oder weniger bemühten Fanfilmen deutlich heraus.

Und noch was: Am besten, ihr genießt diese Filme auf eurem Fernsehbildschirm. Je größer das Format, desto besser. Und es erzeugt das richtige Feeling.

KARA

 

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Irgendwo im Outer Rim. Ein Wüstenplanet, könnte Tatooine oder Jakku sein. Ich tippe eher auf letzteren Planeten. Ein Mädchen ist mit ihrem Vater in der Wüste unterwegs, es könnten Nomaden sein. Sie trägt die Macht in sich, kann sie aber nicht steuern. Es passiert einfach. Wenig später entbrennt eine Schlacht zwischen Rebellen und dem Imperium. Die beiden Nomaden sind mittendrin. Der knapp achtminütige Kurzfilm ist exzellent gefilmt. Vor allem die großzügig bebilderte Fliegersequenz über dem Dünenmeer ist grandios und steht tatsächlich der Optik aus Das Erwachen der Macht um nichts nach. Ein Film, der Atmosphäre erzeugt, von der Macht in ihrer rohen Essenz als auch vom Sternenkrieg erzählt. Joe Sill, Regisseur und Werbefilmer aus Los Angeles, hat eine Star Wars-Momentaufnahme im Kinoformat erschaffen. Chronologisch gesehen ungefähr nach Episode VII angesiedelt. Hier gehts zum Film.

HAN SOLO: A SMUGGLERS TRADE

 

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Der amerikanische Schauspieler Jamie Costa mimt den legendären Han Solo – und siehe da: er macht seine Sache ausgezeichnet. Nicht nur, dass er dem jungen Harrison Ford tatsächlich ein bisschen ähnlich sieht – er dürfte all seine Mimik und seine Gestik aus den Originalteilen akribisch studiert haben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es ist alles da, was Fans mit dem alten Haudegen, der sogar einem Gundark das Fell über die Ohren ziehen kann, verbinden. Eine Cantina, zwielichtige Kopfgeldjäger, vermummte Sandkrieger. Ja sogar eine C3PO-Einheit stiehlt sich durchs Bild. Und das Beste aber kommt zum Schluss. Welch eine Überraschung, als Chewies Knurrgejaule ertönt. In dem 13minütigen Kurzfilm versucht Han Solo seinen Freund Chewbacca aus dem Gewahrsam eines zwielichtigen Gangsters zu befreien, der den Schmuggler durch die Geiselnahme des Wookie dazu genötigt hat, ein Lichtschwert zu beschaffen. Nun, seht selbst, was Han Solo alles einfällt, um sein Recht einzufordern. Ein gelungenes, actionreiches Gustostück mit einem Wookie, wie wir ihn kennen. Perfekte Kostüme, großartige Ausstattung. Und viel Witz. Zeitrahmen: Ungefähr einige Jahre vor Episode IV. Hier gehts zum Film.

DAS AMULETT VON URLON

 

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In der Kürze liegt die Würze. Sage und schreibe 4 Minuten und ein paar Sekunden lang ist die düstere Episode aus den Randbereichen des Star Wars Universum. Ein Reliquiensammler unbekannter Herkunft findet auf einem unbekannten Planeten (zur Abwechslung kein Wüstenplanet und auch nicht der Wienerwald hinterm Haus) einen verlassenen Jedi-Tempel. Es könnte aber auch ein Sith-Tempel sein, so genau weiß man das nicht. Der vermummte Unbekannte ist auf der Suche nach einem Amulett, mit dem man angeblich die Raumzeit überwinden kann. In kühlen Bildern und ganz viel Finsternis weiß dieser kurze Epilog zu fesseln. Einzig ein knisterndes Lichtschwert bringt fahlgrünes Licht in einen gespenstischen, verfluchten Ort. Ein Hauch von Star Wars für Erwachsene. Chronologisch nicht einzuordnen. Ich würde sagen, ungefähr lange vor Episode I. Hier gehts zum Film.

THE SECRET OF TATOOINE

 

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Nicht nur die amerikanischen und österreichischen Fans, auch die Franzosen wissen, wie man sich als Nerd filmisch verewigt: Die stark an Eine neue Hoffnung erinnernde und auch einige Jahre nach Episode III spielende Geschichte ist der zwar handwerklich und dramaturgisch am Wenigsten ausgereifte Kandidat auf meiner Liste, aber der einzige, der John Williams’ Score verwendet und von der Erzählweise wie vom Setting her sehr viele vertraute Elemente zitiert. Darunter ein Auftritt Darth Vaders, der Raumhafen Mos Eisley im Hintergrund und bekannte Figuren wie Owen Lars, Ben Kenobi und der junge Luke Skywalker. Klar ist das Gesicht von Kenobi aus dem Kurzfilm gewöhnungsbedürftig, doch die Story, die sich an einem Comic aus der neuen Panini Star Wars Reihe orientiert und sehr wahrscheinlich dem offiziellen Kanon entspricht, weiß zu überzeugen. Und der Score, ja, der übertüncht so Einiges. Somit wäre dieser letzte Kandidat die perfekte Einstimmung für Rogue One. Nach Episode III, und vor Episode IV. Sehr zeitnah zu Jyn Ersos Einsatz. Hier gehts zum Film.

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Star Wars Anthology

EINE PETITION FÜR JOHN WILLIAMS

 

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Man stelle sich nur folgendes vor: Zu Weihnachten gibt es kein Stille Nacht mehr. Händels Hochzeitsmarsch gibt’s zu Hochzeiten auch nicht mehr. Die Bundeshymne haben wir auch schon viel zu lange gehabt, jetzt brauchen wir Neues. John Barrys James Bond-Intro? Nicht mehr notwendig.

Kennmelodien – Musikstücke, die mehr sind als nur Gehörtes. Es ist Musik, die identifiziert und Bände spricht. Ein Teil vom großen Ganzen. Was man kaum oder gar nicht wegdenken kann. So ein orchestrales Herzstück ist das Eröffnungsthema zum Star Wars Universum, komponiert vom Meister John Williams, neben Ennio Morricone einer der größten und legendärsten Filmkomponisten. Mit dieser Musik wird das Tor in ferne Universen aufgestoßen, in eine Welt voller Phantasie, voller Emotion und Dramatik. Die Fanfare, gemeinsam mit der schräg hineinlaufenden Schrift in sattem Gelb, ist wie das Amen im Gebet, wie der Erkennungsgruß einer riesengroßen, millionenfachen Fangemeinde. Ein Dank an J. J. Abrams, die Fans von Star Wars weltweit nicht enttäuscht zu haben. Die Einstiegssequenz aus Episode 7 ist genau das, worauf wir 2015 sehr sehr lange gewartet haben. Und als sie da war, war auch die Gänsehaut wieder da. Der Glücksmoment und Höhepunkt, die Erkenntnis, zuhause angekommen zu sein. Zuhause im wohlbekannten Star Wars Universum. Die Orientierung ist geglückt, genau da müssen wir hinsehen und hinhören. Dort, wo das epochale Orchester ertönt. Diese Musik irgendwann einmal aus dem Star Wars Universum wegzulassen wäre ein Sakrileg. Undenkbar. Etwas, das keiner der Millionen Fans wollen würde.

Und dann aber der Worst Case, in einem Artikel über den neuen Star Wars Film Rogue One, der zwar nicht der Hauptlinie von Krieg der Sterne folgt, allerdings aber eine wichtige Episode zur gesamten Geschichte erzählen soll. Die Fanfare von John Williams soll nicht mehr erklingen. Wie bitte? Was war das? Keine Kennmelodie mehr? Kein John Williams? Niemand anderer als er kann das vielfältige Universum musikalisch interpretieren. Einer, der Star Wars kennt, als wäre er selbst mit Luke, Leia oder Han verwandt. Ein Mitglied und Mitgestalter der ersten Stunde. Und genau er soll Rogue One nicht mehr vertonen dürfen? Ein Schachzug von Disney, dessen Notwendigkeit sich jedem Verständnis entzieht. Weder entspricht das dem Willen der Fangemeinde, noch ist diese Änderung je verlangt worden. Darüber hinaus würde sich das Weglassen der Fanfare, und das wage ich zu behaupten, erstens den Unmut des Publikums nach sich ziehen.

Will Disney das? Warum krampfhaft Neues, warum dort etwas umstoßen, wo sich seit Jahrzehnten ein Kult entwickelt hat? Disney will sich der Star Wars Gemeinde natürlich nicht unterwerfen. So ein Konzern lässt sich sicher nichts vorschreiben, noch lässt es sich irgendeinen Wunsch diktieren. Die Mächtigen haben das Zepter in der Hand, und es geschieht, was geschehen soll, allen Umfragen und Erwartungen zum Trotz.

Die Filme aus der Anthologie sollen anders sein. Anders ja, aber vertraut. Identifizierbar. Gareth Edwards hat gemeint, wir sollen das Unerwartete erwarten. Damit hat er wohl recht, Williams Ouvertüre wegzulassen, würde tatsächlich unerwartet kommen. Und nicht nur mich, sondern, und das ungefragt, alle Fans wahrlich enttäuschen. Star Wars ist nicht nur eine Filmreihe, sondern ein Phänomen. Eine Lebenseinstellung, für manche sogar eine Religion (unglaublich, aber wahr). Dieses Phänomen kann man nicht handhaben wie andere Ikonen der Popkultur oder sonstige Filmreihen. Das wussten Williams und Abrams. Sie haben den Score von Episode 7 auf kluge und geschickte Art soweit verändert und erneuert, dass die neuen Charaktere ihr unverwechselbares musikalisches Thema bekommen haben, einzelne Elemente aus den frühen Filmen aber immer mal wiedergekehrt sind. Auch wenn die Kompositionen neu waren, hatten sie immer noch alle gemeinsam eine Färbung, einen gemeinsamen Tonus, einen Nenner. Und die Eröffnung blieb erhalten, wie eh und je, wie immer. Und so sollte es bleiben. Manche Elemente tastet man nicht an. Das will niemand.

Star Wars ist ein Begriff aus unserer Jugend. Episode IV bis VI waren, sind und bleiben das Herzstück, das Maß aller Dinge, das Stilbuch im Star Wars Universum, aus welchem man liest und an dem man sich zu orientieren hat. Visuell und musikalisch hat Star Wars hier eine Corporate Identity. Wie John Barrys James Bond-Intro. Nach unzähligen Abenteuern mit unterschiedlichen Darstellern hat sich bis dato keiner an dem irren, genialen Sound vergriffen. Sondern dem Vermächtnis des Kults seine Ehre erwiesen. Alexandre Desplat soll das musikalische Zepter in die Hand nehmen. Ein völlig anderer Künstler, der den Grundtonus von Star Wars sicher nicht treffen wird, ist dieser doch eher im Twilight-Universum zuhause und erzeugt generell Scores, die austauschbarer nicht sein können. Musikalischer Einheitsbrei aus dem Filmsupermarkt. Das kann nichts werden. Schon 3 Monate vor dem heiß ersehnten neuen  Star Wars-Film erhält die Vorfreude einen satten Dämpfer.

Aber was noch nicht Tatsache ist, kann ja noch anders werden. Vielleicht besinnt sich das Studio noch eines Besseren. Vielleicht bin es nicht nur ich, der seine Enttäuschung darüber veröffentlicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber wahrscheinlich stirbt sie. So wie die Geschichten von Timothy Zahn und die Erben des Imperiums, die mittlerweile nur noch Legende sind. Und wir werden machtlos im Kino sitzen und vergebens auf die Ouvertüre warten, die nicht kommen wird. Auf den vertrauten Sound, der aber ein anderer sein wird. Und dann wird es ein befremdlicher Film, der die Erwartungen nicht erfüllt, sondern verwirrte Gefühle hervorruft. Klar halten wir das aus. Auszuhalten ist vieles. Kann aber sein, dass sich das Star Wars-Universum durch die neue Tonalität spalten wird. Und die weit weit entfernte Galaxis in ihrer Einheit zerfällt. Kurz gesagt: Wir wollen John Williams zurück, bevor es zu spät ist.

 

Star Wars Anthology