The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte

HORROR MIT MORALISCHEM KOMPASS

7/10


themortuary© 2020 capelight pictures


LAND / JAHR: USA 2019

BUCH / REGIE: RYAN SPINDELL

CAST: CLANCY BROWN, CAITLIN FISHER, CHRISTINE MARIE KILMER, JACOB ELORDI, EMA HORVATH, MIKE C. NELSON U. A.

LÄNGE: 1 STD 51 MIN


Manchmal ist der Horror ungefähr das, was man anderswo als schlechtes Gewissen bezeichnen würde. Nur: das schlechte Gewissen kommt mit der Selbstreflexion und den daraus resultierenden Erkenntnissen. Ist diese Reflexion nicht da, muss das schlechte Gewissen andere Mittel und Wege in Betracht ziehen, um die unabsehbaren Konsequenzen falschen Handelns dem Handelnden selbst zu verdeutlichen – zum Beispiel als Lehrstück. Davon gibt’s in The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte gleich eine Handvoll, die uns ein aschfahler und etwas sinister auftretender Glancy Brown ans Herz legt. Dabei könnte sich Jonathan Frakes, Moderator der kurzweiligen Mystery-Sendung X-Faktor, locker zurücklehnen und Glancy Brown machen lassen. Ihm hört man gerne zu, obwohl man eben nicht weiß, ob das Gerechte, das er verkörpert, der guten Seite entspricht. Wohl eher nicht, denn sein Name ist Montgomery Dark.

Er macht uns klar, dass nicht nur das Wie eines Todesfalls, sondern auch das Weshalb für das Verstehen unserer Existenz nicht minder relevant ist. Seinen Stories liegen moralphilosophische Weisheiten zugrunde, selbst aber zeigen sie keine Gnade gegenüber jenen, die den eigenen Vorteil genießen. In vier Episoden erzählt The Mortuary von einer Taschendiebin, die wohl zu gierig überall herumschnüffelt und Opfer ihrer Neugierde wird. Von einem Frauenhelden, der zwar verantwortungsbewussten Sex predigt, sich selbst aber nicht darum schert – und die Rechnung präsentiert bekommt. Von einem treuen und aufopfernden Gatten, der nicht mehr länger mitansehen kann, wie seine kranke Frau und er selbst dahinvegetieren, das Ehegelübde dabei aber bricht, würde er auf gewisse Weise nachhelfen. Und zu guter Letzt treibt ein Babysittermörder sein Unwesen, der wiederum frappant an Michael Myers erinnert. Wo sich da die Moral versteckt, bleibt dem Zuseher selbst zu entdecken.

Als wohlig-schauriger Abschluss eines Halloween-Filmabends eignet sich Ryan Spindells selbstverfasster Bilderbuch-Grusel geradezu vorzüglich. Eben deshalb, weil diese teils märchenhaft anmutenden, prächtig im 60er-Look ausgestatteten Fabeln mehr sind als nur effektives Schreckenskino. Sie sind vor allem auffallend klug zu Ende gedacht. Erstaunlich auch, wie sich Blut und Beuschel durchaus ästhetisch in ein Setting integrieren, das an Guillermo del Toros Stil erinnert. Diese Art des Ausstattungshorrors findet sich auch in Crimson Peak oder Scary Stories to Tell in de Dark. Das ist Genrekino mit Geschmack, einer stimmigen Farbpalette und darüber hinaus mit Köpfchen.

The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte

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