FUCHS, DU HAST DIE BRAUT GESTOHLEN …
8/10

© 2025 Protagonist Pictures
LAND / JAHR: AUSTRALIEN 2025
REGIE / DREHBUCH: DARIO RUSSO
KAMERA: MATTHEW CHUANG
CAST: JAI COURTNEY, EMILY BROWNING, DAMON HERRIMAN, CLAUDIA DOUMIT, OLIVIA COLMAN, SAM NEILL, ZLATKO BURIĆ, MIRANDA OTTO, PETER O’BRIEN, HEATHER MITCHELL U. A.
LÄNGE: 1 STD 30 MIN
Oberstes Gebot: Folge niemals den Ratschlägen eines Fuchses! Reineke ist in den literarischen Fabeln dieser Welt seit jeher zwar clever, aber niederträchtig und moralisch wenig versiert. Einer, der dem Bauern die Hühner stiehlt. Und der letztlich draufzahlt, wie der Coyote im ewigen Clinch mit dem Roadrunner.
Hier, in den Außenbezirken Wiens, sieht man den rotpelzigen Gesellen immer wieder mal über die Straße laufen. Innegehalten und mir so manchen Tipp auf den Weg gegeben hat er dabei noch nicht. Wenn es doch mal so weit kommen sollte, wäre Vorsicht geboten. Es könnte da vielleicht eine Klausel geben, die man gerne übersieht. Die man verdrängt oder unbewusst in Kauf nimmt. Wird man dann aber konfrontiert mit einem Kompromiss, der beide Parteien auf gewisse Weise schadlos hält – denn schließlich geht es in diesem Film um Beziehungen –, will diesen keine akzeptieren.
Eheberatung findet im Wald statt
Nachdem sich der passionierte, doch recht konservative Jäger Nick (Jai Courtney) zum Jawort hat hinreißen lassen und eine wie Kori (Emily Browning) geehelicht hat, mag in dieser Beziehung relativ schnell die Luft entwichen sein. Vielleicht, weil Kori niemand ist, der sich gerne unterwirft und eine Beziehung leben will, die den Erwartungen des Mannes entspricht. Sie wirft sich ihrem Arbeitskollegen Derek (Damon Herriman) an den Hals, der wiederum seine Frau betrügt, und das noch im eigenen Schlafgemach.
Nick kann diese Schmach nur schwer ertragen, bei der nächtlichen Fuchsjagd gerät er wie durch Zufall und kaum verwunderlich für ihn selbst (womit wir in der Logikwelt einer Fabel wären) an eine sprechende Füchsin, die über Nicks Liebesleben überraschenderweise Bescheid weiß und die auch, um obendrein ihren felligen Hintern zu retten, nicht mit Ratschlägen spart, wie er sich die Treue seiner Frau zurückholen kann.
Ein geheimnisvolles Loch im Wald soll alle Probleme lösen. Einmal da hineingefallen, mag Tage später die Angetraute 2.0 wieder erscheinen, ohne jeden Makel, als hätte Pygmalion seine Pretty Woman erschaffen. Einzige Ausnahme: der hauseigene Hund soll nur nicht zu nahe kommen.
Gute Zeiten für Satire
Kluge Komödien haben anscheinend wieder Hochkonjunktur. Und zwar solche, die nicht nur für Kurzweil sorgen und Spaß vermitteln wie so mancher Klamauk aus den letzten Dekaden, sondern unter ihrer verspielten Oberfläche soziale und gesellschaftliche Belange auf eine Weise durchspielen, die draufgängerischen Experimenten gleicht. So zum Beispiel gelingt es Iñárritus genialem Kassenflop Digger, seinem Publikum auf satirische Weise die Wahrheit ins Gesicht zu knallen.
The Fox indessen macht die Probe aufs Exempel und entdeckt dabei so manche Scheinheiligkeit in partnerschaftlichen Beziehungen, die Egoismus, Eigennutz und Bequemlichkeit übertüncht. Die Natur deckt schließlich alles auf, Autorenfilmer Dario Russo steuert dabei in Richtung einer verschwörerischen Mysterygroteske, die mit Schadenfreude und märchenhaften Elementen einen aufgeweckt erwachsenen Geschlechterkampf einläutet. Dabei ist The Fox nicht zwingend feministisch, sondern universell anwendbar. Im Hinblick auf die natürliche Ordnung und verschworen mit dem Leitsatz „It is, what it is“ zeigt die pointierte Komödie jedem die Zunge, der glaubt, nicht aus seiner Haut hinauszukönnen oder den Sprung über den eigenen Schatten zu wagen.
Die Suche nach den Quellen der Manipulation
Der Entschluss dabei, die Tierwelt in dieser absonderlichen Mystery statt digital mit analoger Mechatronik lebendig werden zu lassen, mag die Kirsche auf dem Sahnehäubchen sein – der Retro-Faktor sorgt für Extravaganz, erinnert an die guten alten DEFA-Filme und weckt damit deutlich mehr Faszination als jedes pixelgenerierte Tierchen. Genüsslicher Bonus ist dabei vor allem im Original Olivia Colmans unverwechselbare Stimme, die sie der geheimnisvollen Füchsin leiht, und einmal noch, weil’s so schön war, Sam Neill als schnippische Elster. Beide manipulieren die Menschen, diese manipulieren sich untereinander, und unterm Strich folgt alles seiner Natur.









