WER ZUM SCHWERT GREIFT…
3,5/10
© 2026 Leonine Studios
LAND / JAHR: USA 2025
REGIE: BEN WHEATLEY
DREHBUCH: DEREK KOLSTAD
KAMERA: ARMANDO SALAS
CAST: BOB ODENKIRK, LENA HEADEY, HENRY WINKLER, BRENDAN FLETCHER, JESS MCLEOD, BILLY MACLELLAN, RYAN ALLEN, PETER SHINKODA U. A.
LÄNGE: 1 STD 30 MIN
Es gibt kaum eine bessere Serie seit es das Fernsehen gibt: Breaking Bad. Und es gibt kaum ein Spin Off, das dieser Qualität des Erzählens so dermaßen nahe kommt: Better Call Saul. In beiden Formaten spielt Bob Odenkirk eine tragende Rolle, er ist der Winkeladvokat, das eloquente Schlitzohr, der blitzgescheite Tausendsassa, der es sich lange Zeit so richtig richtet. Was für eine Ambivalenz Sympathie und Verbrechen unter einem Hut entfachen können, muss man tatsächlich gesehen haben.
Vom Winkeladvokaten zum Nobody
Doch jetzt, jetzt ist Odenkirk von seinen Serienverpflichtungen entbunden. Von dort ist es ein vielleicht gar nicht so weiter Weg ins Spielfilmfach. Doch Obacht: Schnell wird man in eine Genre-Schublade verfrachtet, weil vielleicht die Kassen nur dort ausreichend klingeln. Mit Nobody stellt sich Odenkirk als Otto Normalverbraucher mit Jason Statham-Vergangenheit richtig bösen Buben entgegen. In Nobody 2 macht er das schon wieder, und in beiden Fällen bleibt der von ihm dargestellte Charakter wenig plausibel.
Nicht, dass es dabei an seinem schauspielerischen Können liegt. Odenkirk ist ein sympathischer Kerl, doch eine Actiongranate würde man hinter diesem einnehmend gefälligen Blick nicht vermuten. Gut, vielleicht liegt darin ja der Witz, dass dieser Normalo alles andere als normal ist – eine unterschätzbare, wandelnde Mysterybox.
Was bewegt Ben Wheatley?
Womit wir bei Normal wären, einer etwas anderen Projektil- und Pyrotechniksause, die weniger mit Fäusten und geerdetem Martial Arts daherkommt wie eben Nobody, sondern sich fast nur auf Fernwaffen verlässt, die allesamt gezückt werden, wie im Lagerhallen-Gemetzel Free Fire mit Brie Larson und Armie Hammer. Womit wir bei Ben Wheatley wären – einem Filmemacher, dessen Projektwahl ich nach wie vor nur schwer einschätzen kann und der sowohl die Neuverfilmung von Rebecca zu verantworten hat als auch den Mega-Hai-Nonsens Meg 2: Die Tiefe mit Jason Statham. Wie jetzt? Bewusst im Edeltrash fischend, weil man mit dem Händchen eines Autorenfilmers etwas Besonderes daraus machen könnte? Wäre eine Option gewesen, zumindest klang sie originell, das Refreshing ist aber nicht passiert: Meg 2 war maximal solide und dabei völliger Durchschnitt. Hat Wheatley denn überhaupt irgendwelche besonderen Vorlieben an Themen, die er umsetzen möchte?
Vom Nobody zum Normalo?
Schwer zu sagen, doch etwas scheint ihn dann doch nicht ganz loszulassen: Der Waffenwahnsinn. Neben bereits erwähntem Free Fire, der immer noch und vergeblich nach seiner eigenen Existenzberechtigung sucht, ist die neueste Eskapade wohl ein Film, der Bob Odenkirk nun vom Nobody zum Normalo werden lässt – an sich ja schon ein Aufstieg, mit dem man zufrieden sein kann. Und Odenkirks Figur, die ist es.
Er mimt einen Interims-Sheriff in einem verschneiten Kaff im mittleren Westen, welches tatsächlich den titelgebenden Namen trägt und auch so tut, als wäre es nichts anderes als das. Auch er selbst achtet möglichst darauf, die Füße still zu halten und sich mit jedem zu arrangieren. Vorallem eines ist da ganz wichtig: Freundlichkeit und Harmoniebedürfnis.
Erst schießen, dann fragen
Das endet abrupt, als eines Tages die Alarmsirenen läuten, weil jemand die örtliche Bank überfällt. Und dann passiert das, womit wirklich keiner rechnet – am wenigsten der Normalo-Sherriff: Man versucht ihn zu töten. Doch wer ist „man“? Die gesamte Belegschaft des Ortes, denn jede und jeder einzelne hat, obwohl sicher keine Lizenz dafür, das nötige Know-how, um das Feuer zu eröffnen. Es wird darauflos geballert, was das Zeug hält. Und Odenkirk, nicht blöd, schließt sich mit den Bankräubern zusammen, um dieser Übermacht Paroli zu bieten.
Pseudoschnee und nervöse Finger
Ein simpler Plot, der sich irgendwann ad absurdum führt. Eine überschaubare Kulisse, auf der sehr viel Kunstschnee liegt, der selten so wirkt, als wäre er auch wirklich gefrorenes Wasser.
Lässt sich das mittlerweile nicht besser hinbekommen? Die Eigenschaft von Seifenschaum ist in Normal manchmal viel zu offensichtlich, um durchgängig das Gefühl zu vermitteln, hier beißt die Kälte, während alle anderen ins Gras beißen.
Wheatley gelingt eine gewisse Stimmung, die aber, sehnsüchtig nach dem Verschrobenen Ausschau haltend, bei weitem nicht an jene aus Fargo heranreicht. Das liegt mitunter an den austauschbaren Figuren, um die sich Drehbuchautor Derek Kolstad, der für John Wick und auch für Nobody verantwortlich zeichnet, überhaupt nicht bemühen will. Die Bürger der Kleinstadt Normal werden zur Lieblingsfangmeinde der US-Waffenlobby und agieren, als wären sie in einem Promotion-Werbespot für Smith & Wessons oder Remington. Da mag ja schön die Post abgehen, und Wheatley das Ganze satirisch finden.
Mit dem Elch den Ort verlassen
Die maue Story selbst kann die fehlende Intention der Schießwütigen aber nicht lange kaschieren. Die gewissenlosen Tötungsabsichten der Stadtgemeinde (warum tun sie das?) wirkt so aufgesetzt wie einfallslos, und auch Odenkirk fällt zu seiner Figur bald auch nichts mehr ein. Man hätte ja meinen können, dass Lena Headey (die Szene im Pub zählt da noch zu den differenziertesten) mehr aus ihrer Rolle macht, doch auch sie reiht sich nahtlos ein in den platt skizzierten Mob und bleibt uninteressant.
Hinzu kommt die vermaledeite Yakuza. Und ein Elch, der sich dann wieder in den Schneesturm verirrt, weil ihn hier, in Normal, sowieso nichts hält. Dem geht’s wie mir.









