Das brandneue Testament

Leviten lesen

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Damit macht sich Jaco van Dormael, Philosoph und Querdenker des europäischen Kinos, in Brüssel keine Freunde. Dass das Regierungszentrum der Europäischen Union nur aus Gottes Langeweile entstanden sein soll, ist nur eines der spielerischen Seitenhiebe aus der neuen, tragikomischen Groteske rund um Religion, Gott und Schicksal. Viele Vorgaben zur Realisierung dieses Filmes dürfte es nicht gegeben haben, was eine gewisse radikale Narrenfreiheit van Dormaels, Regisseur und Autor in einer Person, zur Folge hat. Erinnernd an Elias Canettis Theaterstück „Die Befristeten“ geht es auch hier um den Determinismus des Todes, allerdings in einer rotzfrechen, respektlosen Form, die irgendwo zwischen Monty Python und Terry Gilliam mit absurder Logik und originellen Details nur so um sich wirft. Gott ist in diesem Fall ein Saukerl, ein Menschenquäler, der letzten Endes selbst zum Menschen wird, während das brandneue Testament von Verlierern, Sinnsuchern und traurigen Gestalten geschrieben wird. Nicht alle Szenen sind gelungen, nicht jedes Detail verblüfft, die philosphische Satire will manchmal mehr als ihr gut tut. Konsequent bis zum Ende bleibt Dormael trotzdem, wie in all seinen anderen Werken – und da macht es Spaß, den pointierten, surrealen Gedankespielen bis zum – vorbestimmten – Ende zu folgen.

Das brandneue Testament

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