Mr. Holmes

DA WAR DOCH NOCH WAS…?

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Wenn sich jemand, der Zeit seines Lebens Höchstleistungen auf dem Gebiet des Denkens und Kombinierens vollbracht hat, im Sumpf des Vergessens wiederfindet, dann ist das eine Tragödie. Was bleibt, wenn Erfolg und Selbstbestätigung einzig und allein auf Meisterleistungen des Gehirns zurückzuführen waren? Dieses Worst Case-Szenario schildert Regisseur Bill Condon in seinem nüchtern-verzweifelten Requiem auf den wohl berühmtesten und berüchtigtsten Detektiv aller Zeiten – Sherlock Holmes. Das dieser große Mann, der Professor Moriarty und dem Hund von Baskerville so effizient wie schlagfertig Paroli geboten hat, so enden muss, mag die Fangemeinde spalten. Der Abgesang dieses Mythos ist traurige Ballade und Entzauberung zugleich. Deerstalker-Mütze und Pfeife? Hat es nie gegeben. Alles nur literarische Erhöhung einer auf den Boden der Realität gebrachten Kunstfigur, die letzten Endes keine war. Das mag zwar extrem weit hergeholt sein, aber gerade eben kommt mir der Reboot des Hercules-Mythos in den Sinn. Jenes leider nur bedingt geglückte Machwerk, in welchem Dwayne „The Rock“ Johnson den griechischen Halbgott all seiner Legenden beraubt hat. Was bleibt von ihm übrig? Ein austauschbarer Sandalenkrieger mit auftrainierten Muskelpaketen. Obwohl Dwayne Johnson und Ian McKellen, meilenweit voneinander entfernt, in völlig anderer Liga spielen – sträflich entzaubert haben ihre Kultfiguren wohl beide. Dabei ist das Herunterbrechen auf die Quintessenz einer solchen Persönlichkeit zumindest von mir selbst keinesfalls erwünscht. Wozu auch? Diese Frage stellt sich bei beiden Filmen, und beide sind mehr oder weniger entbehrliche Kinostunden. Natürlich, Ian McKellen verblüfft in seinem Schauspiel als – der Maske sei Dank – steinalte Mischung aus dem österreichischen Expräsidenten Dr. Kurt Waldheim und dem Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Älter geht’s wohl kaum, jede Szene rechnet man damit, Mr. Holmes dabei zuzusehen, wie er das Zeitliche segnet. Soweit kommt es dann nun doch nicht. Schlimmer noch sind der Verlust seines Gedächtnisses und seine quälende Suche nach Erinnerungen. Diesem Unterfangen steht ein kleiner Junge zur Seite, der dem 3-Personenstück gottseidank das notwendige Quäntchen Leben einhaucht. Das aus Rückblenden und Traumsequenzen bestehende Charakterdrama mag zwar vor allem dank „Gandalf“ darstellerisch durchaus sehenswert sein, den Mythos selbst aber möchte ich, genauso wie Hercules, so nicht wieder zu Gesicht bekommen.

Mr. Holmes

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