Ice Age 5 – Kollision voraus!

JEDE MENGE FAMILIE

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Begonnen hat alles mit einer wild zusammengewürfelten Gruppe an prähistorischen Tieren, die sich alle selbst nicht riechen konnten und aus der Not heraus zu Freunden wurden. Ein Mammut, ein Säbelzahntiger und ein Faultier. Die Übersichtlichkeit der Charaktere ließ genug Spielraum für eine berührende Geschichte rund um ein menschliches Findelkind, das in die Obhut seines Stammes zurückgebracht werden musste. Die Anmutung des Erstlings war jene klassischer Disney-Geschichten. Liebevoll, witzig und erzählerisch hochwertig. Im Laufe der Sequelreihe jedoch wurde die Liste der Charaktere immer größer. Und unübersichtlicher. Die Wichtigkeit des Familienzuwachses für die neuen Eiszeitabenteuer sei dahingestellt – auch ohne eine familiäre Mammutherde, drei Faultieren inklusive Oma und mehrerer marderartiger Klassenclowns hätten die durchaus spannenden Reisen über eine menschenleere Erde bestens funktioniert. Was nicht heißt, dass sie trotz der Vielzahl an Figuren nicht auch funktioniert haben. Nur nicht mehr so gut wie zu Beginn. Um das Merchandising für Ice Age auszuweiten und das junge Publikum noch besser zu unterhalten bzw. auf allerlei Spielzeug rund um die längst ausgestorbenen Freunde der Eiszeit aufmerksam zu machen, bleibt kaum mehr Platz für ein ausgewogenes Storytelling. Nebenhandlungen und allerlei Klamaukeinlagen am laufenden Band sind nun der Renner. Das bevorstehende Ende der Welt wird zur surreal anmutenden, völlig bizarren Zirkusvorführung. Schrägheit und Skurrilität ist ja schön und gut, soll ja auch sehr willkommen sein. Doch mittlerweile sind Manny, Sid und Co – und vor allem der einäugige Marder aus der unterirdischen Dinowelt – schon dermaßen vermenschlicht, dass die tierischen Eigenheiten der jeweiligen Spezies kaum mehr karikiert werden können. Und ambivalenten Charakteren wie dem Säbelzahntiger Diego kaum mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. In beiderlei Hinsicht gäbe es hier längst Nachholbedarf. Und es sei wiedermal bewiesen, dass Twentieth Century Fox trotz aller Anstrengungen dem größten Geschichtenerzähler der Filmwelt, nämlich Disney, immer noch nicht das Wasser reichen kann.

Doch genug der Kritik – der fünfte Teil der Tertiär-Komödien ist zumindest besser gelungen als der vorhergehende mit dem Titel Ice Age – Voll verschoben. Die Figuren schieben immer mal wieder treffsichere Kalauer, und die Idee mit der Gefahr aus dem All sorgt durchaus auch für spannende Momente. Vor allem das Rattenhörnchen der Nation, Scrat, darf die besten Szenen, nämlich jene im Weltraum, für sich beanspruchen. So dürfen Parodien auf Kubricks 2001 natürlich nicht fehlen. Scrat ist nach wie vor der Größte – in seinem nonverbalen Slapstick ist das skurrile Wesen der Einzige, der in seiner Gier nach der Haselnuss unverändert egozentrisch geblieben ist.

Mit Sicherheit wird es einen sechsten Teil geben – auf die Gefahr hin, noch mehr tierische Alleinunterhalter einzuschleusen. Die Tendenz geht leider abwärts, die Luft ist fast schon draußen. Doch vielleicht reisst Fox die Ruder herum und lässt wieder mehr Platz für ein magisches Land vor unserer Zeit.

 

Ice Age 5 – Kollision voraus!

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