Hail, Cäsar!

HOLLYWOODPASSION

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hailcaesar

Das Sandalenkino der späten 50er und 60er Jahre war ein denkwürdiges Genre für sich, mittlerweile runderneuert mit teilweise bemerkenswerten Neuinterpretationen. Den Blockbustern von einst und ihrer Zeit, in der sie entstanden sind, wollten Joel und Ethan Coen einen genauso denkwürdigen Film widmen – und sind kläglich gescheitert. Ein überraschender Umstand, der bei dem kongenialen Regie-Duo selten vorkommt. Unvergessliche Filme wie Oh Brother where art thou, Barton Fink, A Serious Man oder Burn after Reading, um nur einige zu nennen, stammen allesamt aus ihrer Feder und können sich skurrilem Einfallsreichtum, schrägen Storywendungen und einer unverkennbaren Handschrift rühmen. Mit der Kampfgeistromanze Ein (un)möglicher Härtefall haben die beiden ihren meiner Meinung nach ersten Blindgänger gezündet. Bei Katherine Zeta Jones und George Clooney stimmte die Chemie nicht zusammen, und die unoriginelle Story tat ihr Übriges, um die witzlose Komödie schnell vergessen zu machen. Nun, nach einigen geglückten Highlights, ist Hail Cäsar ein ähnlich konfuser und völlig uninteressanter Film geworden, der aufgrund seiner schwammigen Handlung so gar keine Coen´sche Raffinesse aufzuweisen hat. Denn worum geht es eigentlich? Was soll dieser ganze Zirkus rund um einen in Hollywoodkreisen sogenannten Fixer, der die Eskapaden und Unrühmlichkeiten diverser, unter der Fuchtel der damals enorm mächtigen Produzentenstudios stehenden Stars zu vertuschen oder auszumerzen, als wären diese nie dagewesen. Das ist ja schön und gut – doch reicht das für eine dicht erzählte Story? Mitnichten. Denn außer einer halbherzigen Entführung und anderen Nebenschauplätzen, an denen sich James Brolin als Mr. Saubermann von Warner Brothers mit Luxusproblemen herumschlagen muss, bieten die Coen-Brüder nichts, was Hand und Fuß hat. Keine Verwicklungen wie in Burn After Reading, wo letzten Endes jeder Einzelne zum allgemeinen Chaos sein Schäuflein beigetragen hat. Kein stimmiges Setting wie in Fargo, wo verschneite Ödnis den tiefschwarzen Galgenhumor missglückter Verbrechen beherbergt hat. Dieser Film aber ist einfach nur enorm langweilig, aufgrund vieler Nebenrollen völlig zerfahren und bemüht komisch. Wobei das Problem nicht bei den Darstellern liegt. Clooney, Swinton und Co sind erste Sahne. Nur anscheinend war ihnen womöglich selbst nicht ganz klar, wie dieses puzzleartige Drehbuch zusammenpassen soll. Seis drum, sie wollten ohnehin alle nur nochmal in einem Coen-Film mitspielen, das ist fast so wie bei Woody Allen, der im Grunde immer den gleichen Film inszeniert und sich dennoch alle darum reißen, die beste Rolle zu ergattern. Und sei es nur ein Cameo. Joel und Ethan Coen verlassen sich mittlerweile zu sehr auf ihren Kultstatus. Das könnte beizeiten nach hinten losgehen. Und ist es auch.

 

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