American Sniper

DER DURCH DIE HÖLLE GEHT

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sniper

Von Anfang an wollte ich diesen Film eigentlich gar nicht sehen. Ein kriegsverherrlichender Hurra-Propagandafilm, USA-Loblied und Weltpolizeidrama über einen Waffennarren, der als Army-Scharfschütze mit den meisten Abschüssen in die unrühmliche Geschichte des amerikanischen Militärs eingegangen ist? Sowas steht natürlich nicht auf meiner To Do Liste. Doch irgend etwas an diesem von den Filmkritikern und Medien kolportierten Vorab-Feedbacks hat mich stutzig werden lassen. Ist American Sniper nun eine unreflektierte Verfilmung der Autobiografie des manischen Scharfschützen Chris Kyle – oder eine kritisch hinterfragende Betrachtung seiner Erlebnisse? Letztendlich hat die Neugierde gesiegt, und einige Zeit nach der Kinopremiere im Jahr 2015 war es an der Zeit, sich hier ein eigenes Bild der Zustände zu machen – und klarzustellen, ob Clint Eastwood tatsächlich das militärische Gehabe Amerikas in Schutz nimmt oder das Wesen der Kriegsführung an sich an den Pranger stellt.

Nun, überraschenderweise liegt die Tendenz der Erzählweise des Filmes zumindest stellenweise eindeutig im Bereich des Antikriegsfilmes. Eastwood lässt seinen Chris Kyle zwar nicht als krankhaften Psychopathen daherkommen, allerdings aber als eine vom Krieg besessene, arme Seele, die verlernt hat, in der Eintracht eines glücklichen Familienlebens seine Ruhe zu finden und stattdessen seiner Todessehnsucht nachgibt und immer wieder in den Krieg zieht. Immer wieder, bis zur inneren Zerrüttung. Seine Figur erinnert an jene Christopher Walkens in Die durch die Hölle gehen – einem erschütternden Plädoyer wider den Krieg, meisterhaft umgesetzt von Altmeister Michael Cimino. Walken war in seiner Rolle als Vietnamkriegssoldat den Foltermethoden der Vietcong ausgesetzt und konnte, obwohl ein Überlebender, niemals mehr in die Geborgenheit eines normalen Lebens zurückkehren. Stattdessen war der Zustand permanenter Angst und Todesnähe die einzige Möglichkeit geblieben, sich selbst wahrnehmen zu können. Ein Trauma, das niemals geheilt werden kann. Tatsächlich findet sich auch in American Sniper anfangs eine Szene bei der Hirschjagd wieder, die an The Deer Hunter (dt. Die durch die Hölle gehen) erinnert. Ähnlich wie den Leidensgenossen aus dem Klassiker der frühen 80er erging es Jeremy Renner in dem Oscar gekrönten Irakkriegsdrama The Hurt Locker. Als Bombenentschärfer, tagtäglich für sein eigenes Überleben und für das der anderen verantwortlich, war es auch ihm unmöglich, der Spirale aus abstumpfender Angst, Gefahr und Nervenkitzel zu entkommen. Alle drei Filme schildern auf unterschiedliche Weise, was die Allgegenwärtigkeit des Krieges mit der Psyche eines Menschen anstellen kann. Ein Zurück in die Normalität dürfte es anscheinend nicht geben. Diese Entrücktheit schafft Hangover-Buddy Bradley Cooper auf intensive Weise zu interpretieren. Seine Leistungen sind in diesem biografischen Psychodrama famos. Hier zeigt er mehr oder weniger im Alleingang, was er wirklich kann. Vor allem in seinen durchdringenden, verstörten Blicken liegt die ganze Tragödie seines dargestellten Charakters.

Clint Eastwood ist nichts vorzuwerfen, und man ist fast bis zum Schluss geneigt, ihm hundertprozentig zuzustimmen. Wäre da nicht seine gegen Ende immer deutlichere Apotheose Chris Kyles als Märtyrer in einer scheinbar von oben legitimierten Kriegsmaschinerie der Vereinigten Staaten. Dass der Krieg böse ist, dürfte auch dem mittlerweile alt gewordenen Westernhelden klar sein. Dass er eine Notwendigkeit ist, welche die Supermacht USA als Bürde auferlegt bekommen hat, dürfte aus seiner Sicht seine absolute Richtigkeit haben. Doch allerdings nur aus seiner Sicht.
Und so will der ganze Film letzten Endes – trotz seiner sensiblen Darstellung des zermürbenden Grauens und der schauspielerischen Stimmigkeit – nicht so wirklich überzeugen. Und das liegt zweifelsohne an der ambivalenten patriotischen Ideologie, die dahintersteckt. Ein pathetischer Kriegsfilm also, der ein Antikriegsfilm sein will.

American Sniper

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