Ein Mann namens Ove

ANLEITUNG ZUM (UN)GLÜCKLICHSEIN

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Das Leben kann einem ganz schön übel mitspielen. Davon kann der zynische alte Witwer namens Ove ein Liedchen brummen. Im Kino sind alte, einsame Männer, die im Herbst ihres Lebens zu später Erkenntnis kommen, durchaus beliebte Geschichten, erzählen sie doch auch immer wieder etwas über das eigene Leben und dessen Schwierigkeiten, über soziale Integration und über das Suchen und Finden von Zufriedenheit und Glück. Ich erinnere mich noch gut an Jack Nicholson in About Schmidt, Clint Eastwood in Gran Torino oder Bill Murray in St. Vincent – alles ähnliche Geschichten, aber aufgrund ihrer unverwechselbaren Hauptdarsteller jeder Film eine Klasse für sich. Und das gelingt auch Ex-Wallander Rolf Lassgard, dem fast 2 Meter großen schwedischen Hünen, ausgesprochen gut. Seine Trauer, sein Grant und sein Zynismus sind in jeder Minute nachvollziehbar und auch spürbar, genauso wie sein in Wahrheit viel zu großes Herz, dessen Anomalie sinnbildlich ist für das Leben eines liebenden, prinzipientreuen Humanisten, der im Grunde nicht lange fackelt, um zu helfen, andererseits sich selbst aber nicht helfen lässt. Dieses Dilemma ist der erzählerische Kern dieser Genese aus dem Selbstmitleid heraus in eine Gemeinschaft des Helfens und Helfenlassens. Da der Film aus der vergangenen und gegenwärtigen Biografie des alten Mannes besteht und diese geschickt ineinander verwoben sind, bleiben Mitgefühl und Plausibilität stets an der Seite des Zusehers, gehen Wehmut und Komik geschickt Hand in Hand, ohne rührselig oder plump zu wirken. Denn das ist die wahre Meisterleistung des Filmes: nämlich eine derartige Komik in der Tragik zu erzeugen, gelingt äußerst selten. Dazu braucht man Fingerspitzengefühl und ein unglaubliches Talent für das richtige Timing, in der Schwere des Schicksals den richtigen Moment für Lachen und Weinen zu finden. Die fiktive Biografie des Ove und seine Läuterung ist ein lebensbejahendes Stück Kino aus dem echten Leben, erbaulich und trostspendend. Alter Schwede, was willst du mehr.

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