Er ist wieder da

Wir sind Hitler!

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Das unbequeme Grauen setzt bereits dann ein, wenn Touristen gemeinsam mit dem Führer für ein Selfie die Hand zum Hitlergruß erheben. Die bestürzende, gallige Satire über die Wiederkehr des Bösen im Diktatoren-Faschingsoutfit ist ein Vorzeigebeispiel seines Genres. Mehr Satire geht nicht, und mehr Wahrheit kann der Zuseher auch nicht mehr schlucken, ohne in Panik zu verfallen. Was wie ein aktionistischer Gag beginnt, wird zum faszinierend-abstoßenden Ernst. Und das liegt daran, dass die Darstellung des Braunauer Paradepolitikers zu keiner Sekunde in die Selbstparodie verfällt. Hitler präsentiert sich als Hitler. Ein gefährlicher Redner, der er immer war und immer sein wird. Kein Charlie Chaplin, kein Louis de Funes, sondern einer, der die wiederkehrende Unzufriedenheit des Volkes ausnutzt, um eine Welt erneut ins Chaos zu stürzen. Lachen tun die anderen, das Volk, die Unzufriedenen und Bürgerlichen, Mediensüchtigen und Nationalisten, aber nicht Hilter selber. So entsteht ein neues Bild der Verantwortung für erlebte und erlittene Geschichte. Wie der Teufel, der dem schwachen Menschengeschlecht vorgaukelt, es gäbe ihn gar nicht, schleicht der biedere Aufhetzer ins soziale Netzwerk und in die Profit- und Identitätsgier der Wählerschaft, da sich diese in der Gewissenheit wiegt, längst aus dem Holocaust gelernt haben zu müssen. Den Warnsignalen zum Trotz zelebriert der Fremdenhass fröhliche Urständ und macht jene mundtot, die die Gefahr erkannt haben. Der Film erklärt auf feinsinnige Art und Weise, wie Menschen manipuliert und gehirngewaschen werden können, wie die Medienlandschaft des 21. jahrhunderts dazu beiträgt, Unruhe zu stiften und das Denken des Einzelnen aufzuweichen. Wie schnell sich Geschichte wiederholen und nicht verhindert werden kann, wenn man Signale nicht richtig deutet. Bis in die Nebenrollen großartig besetzt, trifft die ernüchternde Satire tief ins Schwarze. Doch das erschreckendste an ihr ist, dass die politische Vision der Realität um nichts nachsteht. Nur Hitler fehlt. Doch der ist, wie wir nach dem Film wissen, ohnehin in vielen von uns nach wie vor irgendwie lebendig.

Er ist wieder da

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