Der Sommer mit Mama

KLASSEN-LOTTERIE

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Es gibt jene, die in der Gesellschaft ganz oben angekommen sind – neureiche, von Medien und Publicity abhängige Gruppen, denen der Reichtum über Nacht mehr oder weniger in den Schoß gefallen zu sein scheint. Und dann gibt es jene, die einerseits für diese Oberschicht arbeiten und diese bedienen, andererseits aber auch für eine gewisse gegenseitige Abhängigkeit sorgen. Soweit ein globales Phänomen, wäre da nicht dieses daraus resultierende, in vielen Ländern wie Brasilien praktizierte menschenverachtende Klassensystem, welches in dieser leichtfüßigen Sozialkomödie gründlich ad absurdum geführt wird. Der Film lässt sich viel Zeit, die gesellschaftlichen Diskrepanzen herauszuarbeiten, wobei er sich bemüht, ein realistisches Bild der Verhältnisse zwischen Meister und Diener darzustellen. In diesem Fall sind die „Diener“ nicht mehr als bezahlte Sklaven, die aus einer gewissen unbegründeten Selbstverständlichkeit heraus der Herrschaftsklasse dienen dürfen. Das Ganze ist weit weg von plakativen Darstellungen, ganz im Gegenteil – das in diesem Kammerspiel gehörig was im Argen ist, wird sehr subtil umschrieben, mit chabrolschem Fingerspitzengefühl und leisem, aber garstigen Humor. Mit dem Auftauchen der Tochter der Haushälterin wird das Ungleichgewicht deutlich klarer, und es fällt nicht nur der Dienerschaft wie Schuppen von den Augen, dass die Klassengesellschaft im größten südamerikanischen Land auf Sand gebaut ist. Starre Normen zu hinterfragen, die Gleichheit der Bevölkerung ins Licht zur rücken – das gelingt dem Film ganz gut. Kein einziges Mal lässt er sich auf laute Satire herab – eine gewisse tropisch-schwüle, lakonische Belanglosigkeit täuscht zögerliche Bequemlichkeit vor, auf den zweiten Blick aber stellt man fest, dass sich lange Zeit heranbahnende Missstände die Krux am „Es-war-schon-immer-so“-Alltag sind – und wie Kokosnüsse aufgebrochen werden müssen. Ein leiser, kleiner, augenzwinkender Seitenhieb von Film.

 

 

 

Der Sommer mit Mama

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