Whistle (2025)

PFEIF MIR DAS LIED VOM TOD

2/10


Dafne Keen beschwört in Whistle den eigenen Tod herbei
© 2026 Constantin Filmverleih


LAND / JAHR: KANADA, IRLAND 2025

REGIE: CORIN HARDY

DREHBUCH: OWEN EGERTON

KAMERA: BJÖRN CHARPENTIER

CAST: DAFNE KEEN, SOPHIE NÉLISSE, SKY YANG, JHALEIL SWABY, ALI SKOVBYE, PERCY HYNES WHITE, MICHELLE FAIRLEY, NICK FROST, STEPHEN KALYN U. A.

LÄNGE: 1 STD 40 MIN



Es gibt sie wirklich: Aztekische Totenkopfpfeifen – womöglich eingesetzt zur psychologischen Kriegsführung. Wie das funktioniert hat? Diese kleinen, handlichen Blasinstrumente, die tatsächlich genau so aussehen wie im Film (nur in weniger akkuratem Zustand)  geben einen markerschütternden Ton ab, der so klingt wie der Schrei eines von Todesangst geplagten Menschen. Man kann sich den Klang mit Sicherheit auf Youtube zu Gemüte führen, doch mit Sicherheit ist es etwas anderes, den so kuriosen wie beängstigenden Sound direkt, ohne Zwischenmedium, ans Ohr zu lassen, und nicht in mauer Qualität ums Eck nochmal abzuhören. Dann weiß man, wie es ist, wenn dieser Klang nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

Artefakte-Horror mit realem Bezug? Bingo!

Mit diesem archäologischen Artefakt aus Mittelamerika lässt sich doch sicher ein schmissiger Horrorfilm machen? Magische Gegenstände aus frühen Zeiten geben schon was her – so zum Beispiel die tätowierte Mumienhand aus dem Geisterhorror Talk To Me der Gebrüder Philippou. Nimmt man diese wie zum Gruß und rezitiert dabei dem genauen Ritus folgend Phrasen, steht die Verbindung ins Jenseits, wo die Toten begierig aufs Diesseits schielen, weil es dort viel besser war.

In Whistle schürzt man die Lippen und trötet in das antike, pummelige Gefäß, um Gevatter Tod ein paar frühzeitige Tode zu bescheren, auf die er nur sehnlichst wartet, denn wie das Schicksal es so will, herrscht für jedes lebende Wesen ein gewisser Determinismus, der sich prinzipiell nicht umgehen lässt, es sei denn…

Als Tote(r) ist man immer klüger

Klar spielen Teenager mit der Gefahr. Egal, wie viele Schulklassen sie schon absolviert und wie sehr sie auch schon auf den ernsten Rest ihres Lebens vorbereitet wurden. In eine antike Pfeife bläst man gerne, auch auf die Gefahr hin, dies bald aus dem letzten Loch zu tun.

Whistle hält also einen filmgewordenen Abzählreim parat, und lässt all die entbehrlichen Freundinnen oder Freunde, die Dafne Keen umgeben, über die Klinge springen. Wenn Klingen ins Fleisch schneiden, bedeutet das Blut, Blut und nochmals Blut.

Einer wird so zugerichtet, als hätte er sich mit seinem Boliden mehrmals um einen Baum gewickelt, ein anderer macht dem schwarzen Ritter aus Monty Pythons Die Ritter der Kokosnuss alle Ehre. Nick Frost zum Beispiel hätte früher mit dem Rauchen aufhören sollen, aber wie auch immer. Wie Regisseur Corin Hardy, der uns mit The Nun ein Standalone für den Dämonen namens Valak geschenkt hat, geht in seinem neuen Film davon aus, dass es vollkommen reicht, Todesfälle nur zu variieren anstatt sie in ein Skript einzubetten, dass mehr über Tod, Schicksal und daraus entstehende, sich bedingende Umstände zu erzählen weiß. Als wäre diese Pfeife nicht eines respektvollen Nachpfeifens würdig, wenn sich Whistle nur ein bisschen mehr für sich selbst und seinen Plot interessiert hätte.

So uninteressant ist das Thema Tod doch gar nicht?

Dafne Keen, einst Wolverine-Girl in Logan und in der Star Wars Serie The Acolyte als Jedi vertreten, gibt hier ein Goth-Girl ohne nennenswerte Mimik. Um sie herum völlig austauschbare Charaktere, die, wie schon erwähnt, sich selbst begegnen, und zwar in der Stunde ihres Todes. Eine coole Idee, doch selbst die verschenkt Hardy insofern, da er zu glauben scheint, Dämon Valak würde auf jede nur erdenkliche Weise mit dem immer gleichen spukhaften Verhalten noch irgendwen hinter dem Ofen hervorlocken.

Einen Pfeifton für den Film, bitte!

Whistle fehlt zur Gänze, und das ist aus meiner Sicht nicht übertrieben, das Gespür für Atmosphäre und schleichendem Grusel. Seine Wahl der Mittel ist zu offensichtlich, um man fühlt schon Minuten, bevor Whistle irgendein Horror-Element aus dem Hut zaubert, was es ist, wie es kommen wird und wohin es letztlich führt. Für einen Horrorfilm ist das der schlimmste Tod. Dabei wünscht man sich vergeblich, dass irgendwer durchs Pfeifen in den knuffigen Totenschädel diesem ein vorzeitiges Ende beschert. Früh genug kann es nicht kommen.

Whistle (2025)

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