Drei Eier im Glas

MÄNNERKOMMUNE

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Was ist mit Toni Sackbauer passiert? Ihr wisst schon, die ewig gutmütige Hausfrau und verständnisvolle Mutter, die sich in den späten Siebzigern durch den misslich-beglückenden Alltag einer Arbeiterfamilie stets siegreich durchgekämpft hat, mit Hausfrauenschürze und gutbürgerlichem Charme. Schauspielerin Ingrid Burkhardt ist in der Verliererkomödie von Dirk Sterman und Christoph Grissemann vollkommen gegen ihr Image besetzt – und bricht als neureiche, psychopathische Vierfachmörderin mit der Erwartungshaltung des Zuschauers. Ihr verstörend gruseliger Auftritt ist das Highlight der zweiten von Antonin Svoboda inszenierten Komödie mit dem Willkommen Österreich-Duo und dem Kabarettisten und Buchautor Heinz Strunk nach der Bizarren Groteske Immer nie am Meer (die viele Kritiker fälschlicherweise für missglückt halten). Der schräge Film über das Schicksal des Lebens, Saxophonspiel und eine Männerfreundschaft ist weniger radikal ausgefallen als der Vorgänger, trägt aber von Anfang bis Ende die Kalauerhandschrift der Satirekomiker. Und deren derb-garstigen Humor eineinhalb Stunden lang auf Wuchtelniveau zu halten ist ein unmögliches Unterfangen, haben Sterman und Grissemann doch überhaupt keine Lust dazu, den Witz, den sie selbst lustig finden, ans Publikum anzupassen. Dieses Dilemma zieht sich auch durch ihre Unterhaltungsshow jeden Dienstagabend. Und somit hangelt sich die bitterkomische Geschichte von fragwürdigen Tiefpunkten über entbehrliche, völlig unnötige Szenen zu skurrilen Höhepunkten, es ist ein Auf und ab von Scherz und Publikumsschmerz. Wirklich störend an dem Film sind vorwiegend die abrupten dramaturgischen Übergänge, die sich allesamt selbst erklären sollen, dem stringenten Handlungsverlauf der rückblickend recht sympathischen Außenseitergeschichte dadurch aber keinesfalls entgegenkommen. Dennoch – am Ende der Geschichte wartet eine unerwartete, den Anfang des Filmes erklärende Schlusspointe auf jene, die durchgehalten haben. Wenn schon vier Leute an einem Drehbuch arbeiten, sollte das Ganze auch rund wirken. Und das tut es wieder Erwarten dann doch, mehr recht als schlecht. Ach ja, und nochmals danke an Ingrid Burkhardt, Horvaths neuer Oma.

Drei Eier im Glas

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