London has fallen

IMPOSSIBLE CASE SZENARIO

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Jetzt ist aber langsam genug. Kein politisches Staatsoberhaupt durfte sich im Kino jemals so wichtig nehmen wie der amerikanische Präsident. Keiner durfte jemals so hemmungslos Chef spielen, mit Maschinenpistolen um sich ballern und trotzigen Terroristen ins Gesicht schlagen. Um keine Person ist jemals so gefochten worden wie um den amerikanischen Präsidenten. Nicht zu vergessen – das allmächtige Oberhaupt durfte sogar Aliens abschießen. Gegen diese Figur wirkt sogar Captain America wie eine Aushilfskraft im Weißen Haus. Und jetzt – jetzt wird dieser Mann sogar außerhalb Amerikas gejagt. Ich weiß, das musste er sogar schon im finnischen und weitaus gewitzteren Reißer Big Game an der Hand eines halbwüchsigen Pfadfinders. Diese Story war an sich schon so dermaßen abstrus, und Samuel L. Jackson als zynischer, sich selbst parodierender Präsident so dermaßen überzeichnet, dass der Film irgendwie launig war. Und Spaß gemacht hat, ihn anzuschauen. Was man aber leider von Gerard Butlers zweitem Einsatz zur Weltenrettung nicht wirklich sagen kann. War Olympus has fallen noch ein spannungsgeladenes, dichtes Highlight des neueren Actionkinos unter der Regie von Denzel Washington-Spezi Antoine Fuqua, ist London has fallen ein durchwegs völlig unglaubwürdiger und dramaturgisch enorm plumper Abklatsch des sowieso schon obermiesen, zeitgleichen Leinwandkonkurrenten White House Down von Roland Emmerich. Wieso Roland Emmerich? Wieso orientiert man sich nicht an Vorbildern wie John McTiernans Stirb langsam, so wie es Fuqua getan hat? Die Kunst liegt darin, auf isoliertem, relativ kleinem Raum ein klaustrophobisches, bleischweres Spannungsszenario zu erzeugen, durchsetzt von hakenschlagenden kreativen Ideen zur Lösung eines wie auch immer gearteten Problems namens Bösewicht samt seiner wilden Horde. Der London-Kracher allerdings macht einen großen Bogen um ein funktionierendes, halbwegs nachvollziehbares Konzept gelungenen Kinogetöses. Was bleibt, ist schon mal die fehlende Plausibilität des langweiligen Drehbuch-Plagiats. Darin geht es um den eingangs erwähnten amerikanischen Präsidenten, der zu einem britischen Staatsbegräbnis anreist und dort von arabischen Terroristen eliminiert werden soll. Das britische Sicherheitssystem mit all seiner Exekutive ist aber in diesem Film schon so weit von terroristischen Einheiten infiltriert, dass ein einziger, gezielter Schuss, ausgegangen von einem der vielen falschen Sicherheitsorgane, genügt hätte, um dieses Ziel zu erfüllen. Spätestens hier schon hört das Verständnis des actionliebenden Kinopublikums auf, welches logische Fehler und übermenschliche Ausdauer gerne in Kauf nimmt, um einer klarerweise überspitzten, aber in sich schlüssigen und nachvollziehbaren Kinorealität zu folgen. Diese Schlüssigkeit fehlt London has fallen total. Warum sprengt man die Wahrzeichen Londons, wenn man doch ein anderes Ziel hat? Wie kann eine Terrorzelle so dermaßen anwachsen, dass sie eine Millionenmetropole erobern kann, ohne dass der MI6 etwas merkt? Ganz zu schweigen von der rätselhaften Panzerung des Gerald Butlers, der dem feindlichen Kugelhagel entgegenrennt und den Präsidenten im abgestürzten Helikopter noch warnt, schnell das Wrack zu verlassen, um dann seelenruhig mit seinem Schützling davor noch Scherze zu treiben. Blöd verkaufen kann man sein Publikum nur dann, wenn es das nicht merkt. Wenn aber die Filmcrew selbst in seine eigenen dramaturgischen Fallen tappt, ist es mit der Qualität eines Filmes nicht weit her. Das entbehrliche B-Movie von der Sorte Videokeller wäre mit Chuck Norris oder Steven Seagal in der Titelrolle zumindest genretypisch besetzt und die Enttäuschung nicht so groß gewesen. Welche Stadt nun als nächstes fällt, davor mag man sich jetzt schon fürchten.

London has fallen

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