Warcraft – The Beginning

HAUER POWER

* * * * * * * * * *

warcraft

Schon im Sommer letzten Jahres gab es erste Stills von gewaltigen, bis an die Zähne bewaffneten Monstern, die, so prophezeite man, mit ordentlichem Getöse und in nie dagewesener Perfektion ein Universum auf die Leinwand wuchten sollen, welches bislang nur Online-Gamern und Computersüchtigen geläufig war. Nämlich die Welt von Azeroth, besser bekannt unter dem Sammelbegriff World of Warcraft, kurz WoW. Dieses phantastische Paralleluniversum, von Menschen, Zwergen, Elfen und besagten Orks bevölkert, ist zweifelsohne Kult, genießt aber mittlerweile einen meiner Meinung nach zweifelhaften Ruf. Denn das Spiel ist für realitätsunzufriedene und introvertierte Persönlichkeiten der ideale Ort, um als fiktiver Avatar aus sich herauszugehen und ein neues, spannenderes Leben zu beginnen. Was folgt, ist Spielsucht höchsten Grades. WoW ist dafür das beste Beispiel, was nicht heißt, dass die Geschichten, die in diesem Universum erzählt werden, nicht kreativ, spannend und erlebenswert sind. Für einen Nichtkenner der Materie wie mich ist das High Fantasy Abenteuer von David Bowie-Sohn Duncan Jones ein erster Einstieg. Der schon seit Längerem im Science Fiction-Genre beheimatete Filmemacher kann bei seinem ersten Blockbuster-Auftrag nach seinen beiden existenzialistischen Science Fiction-Dramen Moon und Source Code auf ein viel größeres Budget und auf die besten Bildervirtuosen ihres Fachs zurückgreifen. Fast schon vergessen sind die bizarren, dürren, hässlichen Orks aus Peter Jacksons Herr der Ringe– und Hobbit-Trilogie, denn die namensgleichen Kreaturen aus Azeroths Parallelwelt Dreamor sind wahre Ungetüme. Stattliche, muskelbepackte Giganten. Grün oder von der Farbe menschlicher Haut, mit spitzen Ohren und gewaltigen Hauern. Und noch viel gewaltiger sind ihre Pranken. So, wie Duncan Jones und sein Team die Welt der Orks in Szene setzt, hat man phantastisches Kino seit Mittelerde nicht mehr gesehen. Und ich wage zu behaupten, dass selbst in dieser Perfektion Peter Jackson das Zepter für Spezialeffekte und Motion Capture weitergeben muss. Seit Herr der Ringe und Hobbit ist doch wieder einige Zeit vergangen, und die Technik ist in ihrer schnelllebigen Entwicklung einfach nicht aufzuhalten. Der wuchtige Fantasy-Erstling aus dem Warcraft-Universum ist ein opulentes, magisches Bilderbuch voller atemberaubender Settings, Bildkompositionen und Ausstattungsorgien. Allein die Rüstungen der Grünhäute zeugen von einem überbordenden Naturalismus und leidenschaftlicher Detailverliebtheit. Allerdings merkt man, dass den Filmemachern mehr an den phantastischen Wesen gelegen hat als den Menschen. Hier kommt die Kreativität etwas ins Stocken. Mag sein, dass der Optik des Online-Spiels hierbei gerecht wird, doch der König von Azeroth ist in seiner glatten, klassischen Märchenprinz-Kitschigkeit eher bei Shrek zuhause als in dieser rauen, Eisenhammer schwingenden Erlebniswelt. Da ist Hauptdarsteller Travis Fimmel als Prinz Lothar noch eher ein Treffer ins Schwarze. Ohne ihn wäre die Bevölkerung Azeroths farblos geblieben, überzeugt der charismatische Schauspieler, bekannt aus der Fernsehserie Vikings, nicht nur durch seinen stechenden Blick, sondern auch durch sein faszinierendes Changieren zwischen expressiver Emotion und zurückhaltendem Ausdruck, wobei diese Eigenschaft nicht so stark zur Geltung kommt wie in seiner Wikinger-Paraderolle als Ragnar Lodbrock. Und endlich, endlich dürfen auch mal Zauberer wieder tief in die Trickkiste greifen. So leidenschaftlich und farbenfroh um sich spuken durften ja nicht mal die Hexen und Magier in Hogwarts. In der Welt von Warcraft ist alles viel bunter und üppiger, auch dieser visuelle Stil dürfte laut Meinungen von Kennern des Spiels der Vorlage entsprechen.

Will ich wissen wie es weitergeht? Auf jeden Fall. Und das ist schon mal ein gutes Zeichen. Die Geschichte ist als eigenständiger Kanon extra fürs Kino entwickelt worden, und ist tatsächlich auch mehr als nur ein Abklatsch aus Tolkiens Ringoper. Natürlich, der sprachaffine britische Schriftsteller ist Vater der gesamten High Fantasy, die sich in Spiel, Film und Buch bis heute jemals manifestiert hat. So auch für diese, neu auf die Leinwand gebrachte, schwergewichtige Traumwelt. Doch Jones und sein Team gewinnen der stimmigen Storyline vor allem gegen Ende hin einige interessante und überraschende Wendungen ab, sodass der erste Film tatsächlich wie eine Ouvertüre für etwas ganz Großes funktioniert. Wie der Filmtitel selbst schon sagt – es ist ein Beginn. Da kann man als Liebhaber des Genres nur hoffen, dass das sündteure Projekt die Kinokassen genug zum Klingeln bringt, sonst versickert das filmische Wetterleuchten so schnell, wie es gekommen war. Man denke nur an John Carter, Der goldene Kompass oder City of Bones. Gut genug ist der barocke Augenschmaus jedenfalls, um nicht dem wirtschaftlichen Fallbeil geopfert zu werden. Hoffentlich sehen das die Kinogeher, Spielenerds und Produzenten ebenso. Vor allem letzteren geht es bekannterweise weniger um Qualität und Kunstfertigkeit als darum, dass die Einnahmen stimmen. Also mal sehen, ob das Portal nach Azeroth offenbleibt.  Wünschen würde ich es mir – aus Sympathie zu den Grünhäuten.

 

Warcraft – The Beginning

2 Gedanken zu “Warcraft – The Beginning

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s