Regrets of the Past

WIR SIND STAR WARS!

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regrets

Das imperiale Shuttle der Lambda-Klasse, allen Star Wars-Kennern aus Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter bekannt – setzte zur Landung an. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich das Raumschiff dann doch noch als langgestreckte, weiße Limousine. Die beiden Sturmtruppler davor waren allerdings echt. Und sie öffneten die Wagentür, um Cast und Crew des ersten österreichischen Beitrags zum Star Wars-Universum willkommen zu heißen. Ob jemand den roten Teppich vermisst hat? Der wäre niemandem aufgefallen. Die Aufmerksamkeit galt nämlich den unverwechselbaren Kultfiguren, die rund um Wiens Gartenbaukino mehr als nur einen Hauch von Los Angeles verbreiteten. Ganz so, als stünde man vor dem Chinese Theatre. Da spielte Kylo Ren höchstpersönlich mit seinem Flammenschwert, plauderte ein TIE-Fighter-Pilot mit angehenden Jedi-Schülern und warf sich ein Sith gemeinsam mit Obi Wan Kenobi für ein Selfie in Pose. Die Fangemeinde hatte an diesem zweiten Juni allen Grund zum Feiern. Denn nicht nur 2015 war ein Star Wars-Jahr, 2016 gibt es sogar doppelten Grund, einen weiteren Sonnenumlauf zu diesem Thema einzuläuten. Denn die Wartezeit auf Rogue One im Dezember wird erfolgreich verkürzt – um ein hausgemachtes, pfiffiges Gesellenstück waschechter Fans und experimentierfreudiger Nerds, die allesamt mit dem Krieg der Sterne aufgewachsen sind. Das Phänomen Star Wars lässt Millionen Fans nicht kalt, und so macht es auch nicht wirklich einen Unterschied, ob man in einer selbsterdachten Side Story mit bislang unbekannten Jedi-Rittern mitfiebert oder vom offiziellen, lupenrein inszenierten Disney-Getöse in die Kinosessel gepresst wird. Wichtig ist die Wiedererkennung, die Identifizierung mit einer vertrauten Parallelwelt. Und das gelingt Produzentin Laura Hermann, Autor Daniel Trauner und Regisseur Bernhard Weber allemal. Ohne einen studiotechnischen Finanzriesen im Hintergrund und mit einem unerschütterlichen Glauben ans Projekt begann vor vier Jahren ein aus dem Nichts heraus auf die Beine gestelltes Herzblutprojekt, das im Laufe der Zeit immer mehr Anhänger um sich scharen konnte und welches schon im Vorfeld durch eine wohlüberlegte PR-Schiene höchst ungeduldige Vorfreude bei den österreichischen Fans schüren konnte. Schon 2013 gab es auf der lokalen Fanconvention Vienna Comix einen Infostand zum Projekt, inklusive vielversprechendem Teaser. Die professionelle Machart desselben war beeindruckend – und ein kleiner Hype ins Rollen gebracht. Wieso der Willkür der großen Macher aus Übersee mit Herz und Hirn ausgeliefert sein, wenn man das Universum einfach selbst erschaffen kann? Sind die Idee und der Wille erstmal da, fehlt es nur noch an Improvisationstalent, Kreativität und fast schon astronomischer Ausdauer. All diese Eigenschaften haben Weber und sein Team bis zum Moment des kinematografischen Lift-Offs unter Beweis gestellt, bestätigt durch eine völlig aus dem Häuschen gewesene Zielgruppe. Eine Großfamilie mit derselben Liebe zu einer Leidenschaft, die schon mal bis zum Lebensmotto gehen kann. Kostümiert oder in Schale geworfen, stürmte die Fangemeinde die Sitzreihen vor der größten Kinoeinwand Wiens. Der Saal war zum Bersten voll, jeder von knapp 800 Plätzen besetzt. Und als dann, nach kauzig moderierten, warmherzigen Willkommensworten, das Licht im Saal schwand und Williams Ouvertüre mitsamt seiner obligaten Perspektivschrift über die Leinwand gleitet, wusste man – dieses Star Wars Universum ist echt und besinnt sich seines Ursprungs.

Knapp eine Stunde lang widmet sich Regrets of the Past einer Episode aus der Epoche der Jedi-Verfolgungen, irgendwo zwischen Teil 3 und 4 angesiedelt. Die Geschichte handelt von einem Holocron – einer handtellergroßen Informationsquelle der Sith, in der sämtliches Wissen über die dunkle Seite der Macht gespeichert sein soll und nur von extrem machtempfänglichen Wesen geöffnet werden kann. Glücklich der Jedi, der ein Sith-Holocron besitzt, kann er doch das ganze Wissen gegen seine Widersacher einsetzen. Bis auf die Clone Wars-Serie wird der Aspekt des Holocrons in der offiziellen Film- und Fernsehwelt von Star Wars nicht aufgegriffen. Dank des österreichischen, straff und rund erzählten Fanfilms bekommt das Universum der Jedi und Sith eine neue, begleitende Dimension.

In Sachen Tricktechnik wurde gemacht, was gemacht werden kann. Vor allem die Verfolgungsjagd im Asteroidenfeld und in der Abflugsequenz der imperialen Raumfähre sind die Computerspezialisten über sich hinausgewachsen, und selbst klassische Bilder wie Sternzerstörer in der Tiefe des Weltraumes ließen sich die Filmemacher nicht nehmen, darf doch sowas zu einem richtigen Abenteuer seiner Art nicht fehlen. Schauspielerisch wurde gottseidank noch herumgeschraubt – Joe Baumgartner gibt als desillusionieter, leicht resignierender Jedi-Meister eine ordentliche Leistung, Sophia Grabner als Padawan Kaila Dain hätte noch an ihrer Intonation feilen können. Doch irgendwo muss ein Fanfilm auch ein Fanfilm bleiben, und das meist im darstellerischen Bereich. Stars dafür zu verpflichten nimmt ja den Spaß an der Sache. Der Fanfilm Darth Maul Apprentice hat sich dieser Schwierigkeit nicht gestellt, wird doch in dem halb so langen, allerdings ebenfalls handwerklich professionellen Kurzfilm kaum gesprochen. Obwohl das fast abendfüllende Planetenabenteuer ein im Grunde offenes Ende hat, wird es – zum Leidwesen von uns Fans – wahrscheinlich mehr aufgrund von Zeit- als von Geldmangel (Crowdfunding wäre eine gemachte Sache) der Beteiligten keine Fortsetzung geben. Der Geschichte aber wäre ein TV-Erfolg als Serie jetzt schon beschieden. Und einen gelungenen Film zeichnet aus, dass man wissen will, wie es weitergeht. Vielleicht als Comic? Vielleicht als Online-Story? Wünschenswert wäre es. Um auch Jedi-Ritter aus dem Ausland zu begeistern, wäre eine englische Synchronisation zu empfehlen, denn vorenthalten sollte man den filmischen Appetithappen auch der internationalen Fangemeinde nicht. Sind wir doch alle eine riesengroße Familie. Eine Star Wars-Familie. Da habe ich ein ganz…gutes Gefühl.

Lest mehr zum Thema Fanfilm auf meinem Blog unter Darth Maul: Apprentice – Lucasfilm ist überall

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2 Gedanken zu “Regrets of the Past

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