The Signal

VERSUCHSKANINCHEN

* * * * * * * * * *

signal

Was würde passieren. würde man David Lynch, M. Night Shyamalan und Philipp K. Dick gemeinsam an einem Science Fiction-Film arbeiten lassen? Nun, herauskommen würde auf alle Fälle alles andere als ein Kindergeburtstag. Herauskommen würde etwas sehr Beklemmendes, Beängstigendes. Ein surrealer, aber doch – und da wäre der Einfluss von Philipp K. Dick spürbar – ein in sich logischer Alptraum. Aber Logik hin oder her – die Independetproduktion von Filmemacher William Eubank zitiert zwar offensichtliche Vorbilder, steht aber relativ selbstbewusst inmitten eines zusehends ausgelutschten Genre-Universums, welches außer postapokalyptischen Szenarien und herrschaftssüchtigen Robotern kaum mehr Neues zu bieten hat. Wohin gehst du, Science-Fiction, könnte ich da an passender Stelle fragen. Vielleicht sind es knappe Budgets oder die Einfachheit heraufbeschworener Dystopien, die technisch leicht umzusetzen sind. Weltraumviren, urbaner Kannibalismus oder Zombies aller Art – im Endeffekt opfert sich ein kreatives Genre simpler Horrorthematik, dem Mainstream sei gedankt. Um hier gegenzusteuern, braucht es Mut und eine Rücksichtslosigkeit gegenüber Verluste finanzieller Art. Querdenker sind hier gefragt, und William Eubank dürfte sich mit einer ausgesuchten Zielgruppe zufriedengeben, die im Kino gerne überrascht wird und sich vor Gedankenexperimenten nicht scheut. Genau das trifft auf das bizarre Filmrätsel zu, welches Eubank nach seiner 2001-Hommage Love hier selbst erdacht und inszeniert hat.

Vorsicht ist geboten, denn die krude Mischung aus Invasionsthriller, Superheldengenese und Mysteryhorror erzeugt ein schleichendes Unwohlsein. Wohlfühlkino ist etwas ganz Anderes, schafft doch die spannende, klaustrophobische Odyssee dreier Jungstudenten ein Gefühl subjektiver Paranoia, die den Zuseher nach dem fulminanten Schlusstwist gleichzeitig verstört wie auch staunend zurücklässt.

Wie schon eingangs erwähnt, erinnert das Machwerk, prominent besetzt mit „Morpheus“ Laurence Fishburne, in vielerlei Hinsicht an Shyamalans Signs – Zeichen. Ein Film, welcher einen ebenso bedrohlichen Sog erzeugt. Das kann man nun verlockend und reizvoll finden – sensible Gemüter kommen ins Schwitzen. Dabei schlägt die Geschichte wendungsreiche Haken und lässt sich partout nicht in die Karten schauen. Szenen wie aus Lynchs Mulholland Drive finden sich ebenso wie kryptischer Suspense. Es ist ein perfekt inszenierter Fiebertraum, der sich anfühlt, als müsste man mehrere traumatische Erlebnisse auf einmal verarbeiten, als stecke man in angstmachenden Gedankengebirgen fest und weiß, dass das Gehirn vielleicht das größere Universum als das uns umgebende, physische ist. Vieles wirkt willkürlich und intuitiv, entpuppt sich aber später, anders als bei Kubricks 2001 –  als verblüffend logisches, nachvollziehbares Science-Fiction-Gespinst, das visuell wie inhaltlich durchaus begeistert – und zumindest mich alles andere als kalt gelassen hat. Wer zwangloses, kreatives Independentkino schätzt, und den Nervenkitzel liebt, sollte sich auf das Spiel mit der Wahrnehmung einlassen.

Gerade fällt mir Dmytryks Die 27. Etage mit Gregory Peck ein – erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Ja, mit dieser Phrase könnte man den futuristischen, ausweglosen Mindfuck-Horror ziemlich gut vergleichen. Und mehr sei hier auch nicht verraten. In dieser Science-Fiction, die Angst macht und verblüfft.

 

The Signal

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s