By the Sea

WER HAT ANGST VOR ANGELINA?

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Filmikone Angelina Jolie geht sehr gerne ins Theater. Das vermute ich mal, ohne hier näher nachzurecherchieren. Denn dass Angeline Jolie in ihrer neuesten Regiearbeit moderne amerikanische Bühnenklassiker zitiert, ist offensichtlich, sofern man Edward Albee kennt. Dieser Autor ist niemand geringerer als der Schöpfer des mitreißenden und zurecht berühmten Ehedramas Wer hat Angst vor Virginia Woolf. Spätestens mit der Verfilmung des Stoffes in der Besetzung von Liz Taylor und Richard Burton erlangte das Vierpersonenstück zeitlosen Kultstatus. Warum ich das Werk hier erwähne? Nun, weil Angeline Jolie Edward Albee mehr als nur zitiert. Im Grunde sind sich die Szenarien sogar sehr ähnlich. Ein Ehepaar, lange schon verheiratet. Einer von beiden mit leidenschaftlichem Hang zum Alkohol. Die Zweisamkeit steht kurz vor der totalen Vernichtung, ein Geheimnis umgibt sie beide. Spannend wird die Sache, als ein frisch verheiratetes, junges Paar mitzumischen beginnt. Wie und in welcher Form die Frischvermählten in der Gefühlswelt der Älteren für Unruhe sorgen mag in Jolies Film von der Vorlage des genannten Klassikers abweichen. Doch das ist nur eine Variation des gleichen Themas. By the sea scheut sich viel zu sehr, dem Thema neue Aspekte abzugewinnen, von der Idee mit dem Loch in der Wand mal abgesehen. Der viel zu lange Film schwelgt in anmutigen Einstellungen, die aber nicht viel zum ausgetragenen Konflikt beitragen. Die Schönheit und Damenhaftigkeit Angeline Jolies wird im Licht aller Tages- und Nachtzeiten von allen Seiten in übereifriger Selbstverliebtheit abgefilmt – was das eine oder andere Mal ja wirklich gelingt und auch Sinn macht, sich aber andererseits im Laufe der zwei Stunden irgendwann totläuft. Hollywoods wohl berühmteste Schönheit hat in Sachen Regie sicher einiges dazugelernt – inhaltlich verliert sie sich in leere, glatte Bilder, die wenig zu erzählen wissen. Ehekrise hin oder her – die Radikalität und den Wagemut von Taylor und Burton vermisst man in jeder Minute. Die schale Ehekrise rechtfertigt das dahinterstehende Trauma kaum. Doch abgesehen davon ist Angelinas Schaffenskraft, die eher der künstlerischen Liebhaberei einer steinreichen Frau gleichkommt, durchaus beachtlich. Die Schauspielerin, mittlerweile viel mehr als das, hat den ungestümen Drang, sich weiterzuentwickeln und unentwegt neue persönlichen Erfahrungen zu sammeln. Nun ist auch ihr zweiter gemeinsamer Film mit Ehemann Brad Pitt im Kasten. Ob sich die beiden in diesem opulent gefilmten, aber zahmen Identitätskino nicht nur als Schauspieler wiederfinden, mag dahingestellt sein. Geld spielt also keine Rolle mehr, und so warten wir mal ab, welches Herzensprojekt die Tochter von Jon Voight als nächstes angeht. Sie sollte jedenfalls mehr vor der Kamera stehen, ihrer Ausstrahlung zuliebe.

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