Star Trek Beyond

FAST & FURIOUS IM OUTER SPACE

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startrek

Eines vorweg: Von allen Kinofilmen aus Gene Roddenberrys Star Trek-Universum ist das neue, in sich abgeschlossene Weltraumabenteuer wohl jene Episode mit der meisten Action. Man merkt, welchem Genre Regisseur Justin Lin zugetan war, bevor er das Zepter des zweitgrößten Science-Fiction Phänomens aus J.J.Abrams Händen übernehmen durfte. Unverkennbar ist der Einfluss aus seinen Episoden 5 und 6 der Actionfilmreihe The Fast and the Furious, und dementsprechend furios geht es in den unendlichen Weiten auch tatsächlich einher. Wenn in Star Trek Beyond die Post abgeht, bleibt kaum eine Verschnaufpause. In sagenhaft bebilderten Actionsequenzen wird hier verfolgt, geschossen, auseinandergenommen und auf fremden Planeten abgestürzt. Von Roddenberrys ursprünglich eher pazifistischem Grundtonus bleibt nichts mehr, aber auch gar nichts mehr über. Klar, Kirk und seine Crew suchen nach wie vor zuerst mal das Gespräch, bevor nur mehr zündende Ideen helfen. Doch wer die Dialoglastigkeit und den Intellekt aus den Fernsehserien sehr zu schätzen wusste, könnte irritiert, ja, wenn nicht gar vor den Kopf gestoßen sein. Mich als Liebhaber des Actionkinos und ohnehin bekennender Anhänger der Star Wars-Fraktion, stört dieser Umstand in dem neuen Weltraumreißer ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Der unglaublich auf Zug inszenierte Reißer bietet jede Menge nostalgische Reminiszenzen. Angefangen von den teilweise absichtlich künstlich wirkenden Felslandschaften auf unbekannten Planeten bis hin zu herrlich ironischen Wortgefechten zwischen Spock und „Pille“. Nach wie vor erstaunt die verblüffend verjüngte Ur-Enterprise von Kirk bis Uhura. Selten wurde ein alter Cast so dermaßen treffsicher nachbesetzt. Die charakterlichen Eigenheiten einer jeden Figur sitzen in jeder Sekunde. Und manchmal verschwimmt sogar das Gesicht William Shatners mit dem von Chris Pine.

Einer der rasantesten und stärksten Actionsequenzen ist die Verteidigung der Raumstation Yorktown, wenn unter den Klängen eines Hardrock-Sounds den Bösewichten die Stirn geboten wird. Spätestens an dieser Stelle entdecke ich Ähnlichkeiten mit Guardians of the Galaxy, dem Sternenableger aus dem Marvel-Universum. Justin Lin verpasst seiner Enterprise jene verwegene, knallbunte und humorvolle Attitüde wie es zwei Jahre zuvor der Star Lord mit seinem wild zusammengewürfelten Haufen an schrägen Aliens an den Tag gelegt hat. Selbst Skurrilitäten, die aus der Feder von Douglas Adams hätten sein können, finden sich schon in der ersten Szene des Filmes.

Kurzum: Der neue Star Trek macht ungemein viel Spaß und fetzt zwei Stunden lang wie eine Moto-Cross-Tour durch unwegsames Gelände. Blessuren, rauchender Schrott und launige Scherze lassen den Film wie eine Mischung aus erdigem Spacewestern und den alten, unbekümmerten Fernsehfolgen aus den 60ern rüberkommen. Einzig Idris Elba, der sich fast die gesamte Länge des Filmes hinter einer unkenntlich machenden Alienmaske verbirgt, wirkt letzten Endes etwas fehl am Platz. Hier wäre Vin Diesel als verwegener Schlussgag und gleichzeitig als Seitenhieb auf Justin Lins Car Crash-Epen denkbar gewesen. In jedem Fall aber ist die lausbübische Freude an dieser atemlosen Hochschaubahnfahrt unbegrenzt und bietet all jene Elemente, die wir Kinder des Nachmittagsfernsehens aus den 80ern so geliebt haben. Und wenn am Schluss das klassische, musikalische Intro in leidenschaftlichem „Huuuuhuuuuuu” und einschließlich Kirks wohlbekanntem Zitat aus dem Off von der Leinwand tönt, hat das Gänsehaut-Garantie.

Star Trek Beyond

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