Jane got a Gun

MY HOME IS MY CASTLE

* * * * * * * * * *

janegun

Wie oft wohl hat man den Western schon totgesagt? Doch bekanntlich leben die Totgesagten länger, und so ist das unverwüstliche, ständig in Wandlung befindliche Genre ein Filmphänomen für sich. Gerade deshalb, weil die Filmgattung so anders und gleichzeitig so gefährdet ist, dürfen sich die Macher solcher Filme so einige Annehmlichkeiten erlauben, die für andere Gattungen verpönt sind. Da wäre der astreine und unverfälschte Manierismus, die ständigen Reminiszenzen und Hommagen an klassische Vorbilder wie Ford, Leone oder Eastwood. Und die eindimensionalen Geschichten. Die meist in zwei Sätzen auserzählten Storylines sind Begleiterscheinung und Markenzeichen für die Qualität eines Westerns. Hier haben Komplexität und Vielschichtigkeit nichts verloren. Je einfacher und geradliniger eine Westernstory ist, umso besser ist der Film. Denn hier zählt Stimmung. Hier zählen die Visagen und die Bleihaltigkeit. Und wo am Besten gar nichts gesprochen wird, da lass dich auf die staubige, knochentrockene Erde nieder. Western sind animierte Comics. Meist überzeichnet, idealisiert oder in überbordender Plakativität destruktiv und nihilistisch bis ins Mark. Auch das Western-Kammerspiel mit „Black Swan“ Natalie Portman folgt der Rezeptur bewährter Pistolenfilme, rückt aber eine Frau in den Mittelpunkt des Geschehens, was seit The Quick and the Death mit Sharon Stone nur mehr selten der Fall war. Dieser Austausch gewohnter verwegener Stereotypen gegen einen ungewohnt aufsässigen weiblichen Charakter in einer Zeit, wo Frau sein zu dürfen nicht mehr war als Kinder zu bekommen und hinter dem Herd zu stehen, gibt dem Film inhaltlich eine erfrischende neue Ausgangsposition. Wenn Portman dann noch pistolenschwingend Ehemann, Haus und Hof vor marodierenden Outlaws verteidigt, kann einem spannungsgeladenen Thriller aus Staub und berstenden Holzlatten ja nichts mehr im Wege stehen.

Doch es kommt wie so oft – das vorhandene Potenzial wird nur zaghaft genutzt. Wie nervenaufreibend man das Eindringen einer externen Bedrohung ins Familienidyll inszenieren kann, hat uns schon Michael Haneke in Funny Games oder der Sozialhorror The Purge gezeigt. Auch mit Assault on Precint 18 hat der filmische Belagerungszustand eines seiner Paradebeispiele gefunden. All das nutzt Regisiseur Gavin O´Connor nur ansatzweise. Die psychologische Spannung oder etwa die beklemmende Ruhe vor dem ersten Schuss verliert sich in dem mit Ewan McGregor und Joel Edgerton prominent besetzten Abwehrkampf gegen das Böse aus der Prärie im mangelnden Gespür für das richtige dramaturgische Timing. Was bleibt, ist ein durchaus kurzweiliges, straightes Duell zwischen Gut und Böse, das einige Klischees umwirft, sich anderer aber ungeniert bedient. Und McGregor als schwarzhaariger Bösewicht ist leider eine Fehlbesetzung.

 

Jane got a Gun

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s