Black Mass

WOZU HAT MAN FREUNDE?

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blackmass

Der ewige Harlekin und Langzeitpirat hat endlich wieder einen Film, auf den er stolz sein kann. In dem düsteren True Story-Thriller ist Johnny Depp zwar auch bis zur Unkenntlichkeit maskiert – da diese Maskerade ihn zwar verändert, aber nicht zukleistert, bleibt dem Kultmimen genug Spielraum zur darstellerischen Entfaltung. Und die wahre Geschichte eines der berüchtigtsten Verbrecher aus dem Amerika der 70er Jahre trägt er mühelos im Alleingang.

Selten zuvor durfte Johnny Depp in seinem filmischen Oeuvre einen derart finsteren, abgrundtiefen Charakter verkörpern wie in Black Mass, einem akribisch erzählten, nüchternen Thriller. Er spielt John Bulger, einen rücksichts- und skrupellosen Gangster im Stile eines Mafiapaten, der mit dem FBI paktiert, für den aber Familienwerte alles sind. Weit weg sind die Eskapaden eines Jack Sparrow oder die verdrehte Clownerie des Uhrmachers, auch trägt er gottseidank diesmal keinen toten Vogel auf dem Kopf. Das vielbewunderte Schauspieltalent hat sich lange genug leidenschaftslos dem Mainstream verkauft, jetzt setzt er neue Maßstäbe für eine filmische Bösartigkeit, die so perfide, unterschwellig und bedrohlich daherkommt, dass sich einem die Nackenhaare sträuben. Wo Johnny Depps Bulger auftaucht, bleibt niemand gemütlich sitzen. Die Gefahr wird allgegenwärtig, vor allem dann, wenn Joel Edgertons Rolle als Freund aus Kindertagen und FBI-Mittelsmann dem Verbrecher für seine Machenschaften Tür und Tor öffnet, um mit seinen Informationen der italienischen Unterwelt das Handwerk zu legen. So soll der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben werden, nur ganz so einfach ist die Sache nicht. Spätestens dann, wenn der vermeintlich Gute die ersten Todesopfer verantworten muss, verschwimmen die Grenzen zwischen Gesetz und Faustrecht, Moral und pragmatischer Notwendigkeit, die über Leichen geht. In seiner schleichenden, sehr auf Atmosphäre setzenden Erzählweise erinnert der Film an David Finchers Krimiepos Zodiac, andererseits aber auch an Martin Scorseses genialem Klassiker Good Fellas oder The Departed, obwohl ich letzteren, vor allem die US-Version, für misslungen halte. Doch sowohl hier als auch dort taucht man in eine dunkle, gewaltbereite Finsternis, die völlig anderen Gesetzmäßigkeiten folgt, wobei in Black Mass die Identifikationsfigur des großartig aufspielenden Joel Edgerton relativ früh abhandenkommt. Seine ambivalente Figur scheint gefangen zu sein in einem kruden Geflecht aus Pflichtschuldigkeit, Verantwortung und Obsession. Sein Leben und seine Taten werden zur Lebenslüge an sich selbst. Ebenso ergeht es Johnny Depp alias Bulger, der, seinem einzigen moralischen Halt namens Familie beraubt, endgültig in den Sog von Aggression und Bösartigkeit gezogen wird.

Die beiden Charakterdarsteller machen den Film sehenswert, die bedrohliche Atmosphäre ist jede Sekunde zu spüren. Das Subgenre des amerikanischen Film Noir, die stets packenden Geschichten vom Zwielicht zwischen heiler Welt und haltlosen Abgründen, bekommt durch Scott Coopers epischer Kriminalgeschichte frischen Wind in die Segel, der seit F. Gary Gray oder Martin Scorsese lang nicht mehr so geweht hat.

 

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