Nachtzug nach Lissabon

BUCH-HANDLUNG

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lissabon

Was bewegt einen alternden Schweizer Gymnasiallehrer, sein Leben und seine Verpflichtungen hinter sich zu lassen, um nach Lissabon zu reisen? In diesem Falle ist es ein Buch. Ein Buch in der Manteltasche einer jungen, unbekannten Dame, die dieser besagte eremitische Professor für alte Sprachen vor dem Freitod gerettet hat. Was muss das wohl für ein Buch sein? Jedenfalls ist dieser intellektuelle Schweizer, wieder einmal souverän dargestellt vom Charaktermimen Jeremy Irons (Stirb langsam III und Dungeons & Dragons seien ihm verziehen), mehr als nur angetan vom philosophischen Inhalt des portugiesischen Schriftstückes. Als er noch ein Zugticket nach Lissabon zwischen den Buchseiten findet, macht er sich auf den Weg. Auf den Weg tief in die Geschichte Portugals, genauer gesagt in die Salazar-Diktatur der 30er Jahre. Er trifft Verwandte und Weggefährten des verstorbenen Freigeistes, Philosophen und Revolutionär und erhält so ein facettenreiches, vergangenes  Bild der damaligen intellektuellen Gesellschaft.

Der Däne Bille August, Regisseur der meisterhaften Literaturverfilmung Das Geisterhaus von Isabelle Allende, widmet sich auch in dieser Verfilmung eines Romans von Pascal Mercier einer vergangenen politischen Epoche, über die man selbst nicht allzu viel gelernt hat. Erlesen besetzt und gediegen inszeniert, bietet Allende Kino für Feinschmecker und Anspruchsvolle. Eine geheimnisvolle Spurensuche, ein bibliophiler Krimi, der die Entstehung eines besonderen, in Wahrheit aber fiktiven Buches, beschreibt und erklärt. Die filmische Städtereise durch Lissabon ist aber auch das Portrait eines Aussteigers und Liebhabers der Worte.

Zwar etwas langsam und betulich im Erzählfluss, ist Nachtzug nach Lissabon ein Beispiel für prosaisches Erzählkino zwischen klassisch amerikanischem und europäischem Stil. Mit gefälligem Tiefgang, pathetischer Dramatik und leicht fassbarer Weisheiten. Eigentlich nur nebenbei politisches Aufarbeitungskino, viel mehr handelt es von Herz, Schmerz und der Sinnsuche eines Einzelnen. Sehenswert, aber nicht weltbewegend.

 

 

Nachtzug nach Lissabon

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