Auferstanden

QUO VADIS, RÖMER?

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risen

Das Fernsehprogramm fürs Osterwochenende hat einen neuen Programmpunkt: Das bibelfeste Sandalendrama von Waterworld-Regisseur Kevin Reynolds widmet sich der neutestamentarischen Heilsgeschichte, um genauer zu sein der frohen Botschaft, die mit der Auferstehung des Jesus von Nazareth verkündet wird. Der Ansatz ist prinzipiell hochinteressant. Erzählt wird die mehr als 2000 Jahre alte Begebenheit aus der Sicht eines Römers. Eines Menschen also, der altrömischen Göttern huldigt und im Grunde nichts übrig hat für selbsternannte Könige und sonstige zelotische Revolutionäre, die das besetzte Judäa in einen schwelenden Unruheherd verwandeln. Die Geschichte erinnert an den Roman Das Evangelium nach Pilatus von Eric Emmanuel Schmitt, in welchem der römische Statthalter höchst selbst der wundersamen Geschichte über die Überwindung des Todes nachgeht. Auch bei Schmitt beginnt das Drama wie ein mysteriöser Historienkrimi. Es wird ermittelt, es werden Zeugen verhört. Man tappt im Dunkeln.

Ziellos umher irrt auch Joseph Fiennes als brutaler Zenturio, der anfangs für den leidenden Messias am Kreuz keinerlei Mitgefühl hegt, später aber zu seiner Gefolgschaft zählen wird, die unterwegs ist, um Jesus an jenen Orten wiederzubegegnen, an welchen er nach seiner Auferstehung in Erscheinung treten wird. Allerdings – so, wie sich Fiennes vom Römer zum Apostel wandelt, ist das Wunder der Bekehrung nur schwer glaubhaft. Der Bruder von Schauspiel-As Ralph Fiennes gibt eine dermaßen hölzerne Performance ab, die gerade mal für fernsehtaugliche Bibelverfilmungen reichen würde. Als wäre sich Fiennes der Qualität des Filmes bewusst, bleibt sein innerlich zerrissener Römer zwar formal ein solcher, aber nicht emotional. Gerade gut genug dürfte sein Auftritt schon gewesen sein, und seit Shakespeare in Love begleiten historische Stoffe schon des Öfteren seine filmische Laufbahn. Dabei zählt Luther zu seiner besten Performance. Hier aber, in diesem halbherzigen Glaubenskonflikt, macht er es Nicolas Cage gleich, der nicht mehr in seine Rollen investiert als unbedingt notwendig. „Draco Malfoy“ Tom Felton, der es bislang nicht geschafft hat, aus dem Schatten von Harry Potter herauszutreten, scheitert ebenso an seinem Rollenprofil.

Dabei hätte zumindest die Geschichte selbst besser funktionieren müssen. Stellenweise tut sie das auch, doch meist ist sie zu verklärt und gefällig. Nicht ernsthaft und exegetisch genug, um eine gewisse Brisanz zu entfachen. Es bleibt auf dem biederen Niveau religiösen Schulfernsehens, dass zwar gut gemeint, seiner Zeit aber irgendwie hinten nach ist.

 

Auferstanden

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