Pan

NUR FLIEGEN IST SCHÖNER

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pan

Da fliegt er wieder, der Junge mit dem grünen Hut, der ein bisschen so aussieht wie Robin Hood, nur kindlicher. Dieses Bild des Peter Pan, von James Matthew Barrie erdacht und niedergeschrieben, hat sich auf ewig in unser aller Gedächtnis gebrannt. Eigentlich ist dieser Umstand Walt Disney zu verdanken. Damals der einzige Spezialist für alles Animierte, hat das Studio 1953 einen entzückenden, handgearbeiteten Zeichentrickfilm vom Stapel gelassen. Voller Piraten, Krokodile, knuffigen wie altklugen Kindern und einem kecken unkaputtbaren Peter. Anfang der 90er Jahre war es Steven Spielberg, der Robin Williams und Dustin Hoffman ins Rennen um Nimmerland geschickt hat. Knallbunt, bis zum Bersten voll mit Ausstattung und opulenten, handgemachten Effekten. Eine explodierende Konfettitüte voll kindlichem Charme und launig aufspielenden Charakterdarstellern. Mittlerweile gibt es sogar eine animierte Kinderserie im deutschsprachigen Fernsehen. Sehr schablonenhaft und nur schwer von anderen Animationsserien zu unterscheiden, aber den Kindern macht’s Spaß.

Was jetzt noch fehlen würde, wäre ein Sequel. Aber brauchen wir das? Vorgeschichten zu erfolgreichen und beliebten Figuren der Märchen- Sagen- und Comicwelt bescheren sichere Einnahmen und sind daher auch im letzten Jahrzehnt vermehrt Gang und Gäbe. Dieser popkulturellen Erscheinung kann sich auch Peter Pan nicht entziehen – und bekommt prompt einen filmischen Lebenslauf verpasst. Wie aus einem Waisenjungen der Befreier Nimmerlands wird, das erzählt Abbitte-Regisseur Joe Wright in verkitschten, gesättigten Bildern, die anders sind als die von Steven Spielberg – nämlich nicht kindlich naiv, sondern aufgemotzt wie in einem wuchtigen Fantasyepos. Da dieser Stil nicht zu einer solch verspielten und dynamischen Kindergeschichte passt, tut dieser auch dem Film nicht gut. Wrights Peter Pan-Exegese wirkt ungemein gekünstelt und aufgesetzt. Weit davon entfernt, eine bewegte Geschichte zu erzählen oder überhaupt all die klassischen Peter Pan-Charaktere in ihren Eigenheiten zu beschreiben. Was aber wirklich weh tut, ist die völlig deplatzierte Rooney Mara, die unter ihrer zum fremdschämen übertriebenen Patchwork-Perücke weniger Tiger Lilly als vielmehr ein Mitglied des Cirque de Soleil verkörpert. Und Käpt’n Hook als attraktiver Jüngling? Den Erzbösewicht anders dargestellt zu wissen als in der Art, in der Dustin Hoffman den Kindern schon das Fürchten gelehrt hat, will, so glaube ich, keiner wissen.

Pan ist ein bis zum Erstarren verkleisterter Effektfilm mit glatten, schönen Bildern, aber wenig Seele. Und die Kinderseelen, die sind das Wichtigste an dieser Geschichte.

Pan

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