In the Electric Mist

DAS IRRLICHTERN DES VERGANGENEN

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electricmist

Im Süden der vereinigten Staaten auf Mörderjagd zu gehen kommt immer einer Reise ins Herz der Finsternis gleich. Liegt es an den geheimnisvollen Sümpfen, deren aufsteigende Dämpfe des Nächtens für unerklärliche Phänomene sorgen. Liegt es an der von afrikanischem Geisterglauben beseelten Lokalkultur, die viele Begebenheiten und Personen mit Rätselhaftigkeit umgibt. Oder ist es einfach das bizarre Erscheinungsbild einer vom Hurrikan gezeichneten Gegend? Es ist, als ob Joseph Conrad in einem möglichen amerikanischen Exil, anlehnend an seine legendäre Kongo-Odyssee, seine Liebe für Kriminalgeschichten gefunden hätte.

In diesem Wirrwarr an tropischer Luft, melancholischen Gitarrensounds und längst nicht aufgearbeiteter Geschichte versucht sich ein zu plötzlichen Gewaltausbrüchen neigender Tommy Lee Jones in einem Serienmordfall zurechtzufinden, der irgendwas mit seinen eigenen Erinnerungen zu tun hat. Nur was? Erinnernd an den New Orleans-Krimi Im Sumpf des Verbrechens mit Sean Connery sowie an den Thriller Mississippi Delta mit Alec Baldwin entspinnt sich eine klassische Detektivgeschichte, in welcher Humphrey Bogart wohl selbst gern mitgespielt hätte. Der französische Regisseur Bertrand Tavernier, der seinerzeit mit Philippe Noiret schon einige Erfahrung im Krimigenre gesammelt hat, setzt Stars wie Lee Jones, John Goodman und Peter Sarsgaard allerdings recht willkürlich in Szene. Es hat den Anschein, als würden die Schauspieler in manchen Momenten selbst nicht so genau wissen, welche Absichten ihre dargestellten Figuren denn genau haben sollen. So wirkt die Inszenierung etwas fahrig und zusammengeschustert. Die investigative Suche nach einem brutalen Mädchenmörder verliert sich im Dickicht der Mangroven, stattdessen gibt es eine zweite Parallelhandlung, die einen Cold Case Fall betrifft, der nur lose mit der eigentlichen Story zusammenhängt. Nach Motiven und psychologischen Aspekten scheint Tavernier nicht zu suchen. Ihm gefällt die nachmittagsschwere, verregnete, tropische Stimmung. Und vor allem das Metaphysische, das den von Tommy Lee Jones verkörperten alkoholkranken Polizeiermittlers heimsucht. Immer wieder plaudert dieser mit dem Geist eines Yankee-Generals aus dem Sezessionskrieg. Somit haben wir aber inhaltlich ein drittes Element. Tavernier mixt einfach zu viele Ansätze, um den Zuseher fesseln zu können.

Der Krimi besitzt zwar stellenweise Atmosphäre, irrlichtert aber viel zu ziellos umher. Dann lieber noch mal Im Sumpf des Verbrechens, schon alleine weil Sean Connery als eleganter Detektiv im Vergleich zum unnahbar maulenden Tommy Lee Jones die besseren Karten hat.

 

 

 

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