Willkommen bei den Rileys

TOCHTER AUF ZEIT

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rileys

Um James Gandolfini ist es ewig schade. Der charismatische Brummbär, der 2013 überraschend an einem Herzinfarkt verstorben ist, war eine Bereicherung für das amerikanische Filmschaffen. Seine Auftritte vergisst man nicht, obwohl einige von ihnen hierzulande kaum im Kino zu sehen waren. Dazu zählt auch das Bewältigungsdrama Willkommen bei den Rileys. Dabei glänzt der Film gerade durch das zurückhaltende, natürliche Spiel Gandolfinis und der überraschend eindringlichen, großartigen Performance von Twilight-Mädchen Kristen Stewart. Dass sie mehr kann als nur seufzend und schmachtend einem funkelnden, zahnlosen Vampir zu folgen, hat sie des Öfteren versucht, zu beweisen. Doch nirgendwo gelang ihr das so gut wie hier, in diesem Ensemblefilm.

Für Hollywood-Verhältnisse spart Regisseur Jake Scott, Ridley Scotts Sohn, unerwartet konsequent an Rührseligkeiten und dick aufgetragenen Details, was bei so einem Stoff natürlich sehr leicht passieren kann. Melissa Leo und Gandolfini verlassen sich ganz auf ihr aussagekräftiges Minenspiel und auf die inszenatorische Hand ihres Regisseurs. Diese fungiert sehr behutsam und durchdacht, der Erzählrhythmus ist straff, die Takes dauern nie länger als nötig. Das lebens- und sozialphilosophische Alltagsdrama erinnert an Nanni Morettis Trauersymphonie Das Zimmer meines Sohnes – ein Film, der auch die härtesten Gemüter zum Weinen bringt. Dabei ist auch Morettis Film kein pseudoemotionaler Kitsch, sondern aufrichtiges, schonungsloses Aufarbeitungskino. Die Frage, ob eine durch einen Todesfall zerrissene Familie wieder neu anfangen kann, beantworten beide Filme ähnlich. Zuflucht und Trost sucht man in einem Ersatz, in einem Bindeglied zwischen lebendiger Gegenwart und verblassender Erinnerung. Dass Showgirl Kristen Stewart, selbst am Rande einer scheinbar verpfuschten Existenz, nicht auf Dauer ein Tochterersatz für die trauernden Eltern sein kann, ist von vornherein klar. Doch es sind die wenigen Momente, die so tun als ob – und die das Hineinfinden in ein zweites Leben leichter machen. In Nanni Morettis Film war es die Freundin des verstorbenen Sohnes. Ein tröstender Halt, eine dargebotene Hand, an der man sich hochziehen kann.

„Wir sind noch nicht tot“, sagt Gandolfini in einer Schlüsselszene des Filmes. So ist Scotts zweiter Spielfilm ein anspruchsvolles, pointiertes Konfliktdrama geworden, dass das Leben liebt und auf Neuanfang setzt, trotz aller Widrigkeiten.

 

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