Der Blunzenkönig

REQUIEM FÜR DEN BOCKERER

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blunzenkoenig

Als Altwiener Fleischselcher Karl Bockerer hat Publikumsliebling Karl Merkatz sich selbst und dem grantelnden, aber aufrichtigen und ehrlichen Ur-Wiener ein Denkmal gesetzt. Nach einem Theaterstück von Ulrich Becher und Peter Preses hat Österreichs Kultregisseur Franz Antel insgesamt 4 Episoden verfilmt, wobei das Original nach wie vor unerreichte Qualitäten hat. Einige Jahrzehnte und Altersrollen später besinnt sich Merkatz wieder seiner bewährten Rollenprofile – nämlich jene des schimpfenden, cholerischen, aber herzensguten Proletariers. Manche Schauspieler können ihr Alter Ego einfach nicht ablegen, das ist Karl Merkatz bewusst geworden. Sein Edmund Sackbauer oder Karl Bockerer sind aus der österreichischen Filmlandschaft nicht mehr wegzudenken.

Der Blunzenkönig allerdings – die Geschichte um einen alten Metzger und Gastwirt, dem die Behörde auf die Pelle rückt und der seinen Sohn einfach nicht dazu bringt, das bereits daniederliegende Geschäft zu übernehmen, ist schwerfällig inszeniert. Man merkt, dass die literarische Vorlage für die Bühne konzipiert wurde. Ein Volksstück zwischen Ödon von Horvath und dem Dramatiker-Gespann Preses und Becher. Bisweilen etwas düster, irgendwie hoffnungslos und selten unterhaltend. Dazu kommt das stete Gejammer von Karl Merkatz´ Figur. Seine Mundl-erprobten Attitüden haben mit dieser Provinzposse endgültig ihren Zenit erreicht. Man hat sie zu Genüge genossen und sich auch ausgiebigst darüber mokiert. Zwischen Edmund Sackbauer aus den letzten beiden Kinofilmen und dem Blunzenkönig besteht darstellerisch auch nicht sehr viel Unterschied. Hat man die eine Rolle gesehen, kennt man die andere. Ganz klar ist Regisseur Leo Bauer von Antels Filmen beeinflusst, doch die Leichtigkeit des legendären Regie-Workaholics scheint ihm völlig abzugehen. Manchmal hat man das Gefühl, Szenen wiederholen sich, weil sie in Merkatz´ Art, zu spielen, so ähnlich sind. Noch dazu wirken Andreas Lust und Jaschka Lämmert etwas müde, was auch nicht dazu beiträgt, aus der ursprünglich gedachten Komödie eine solche zustande zu bringen. Lange tritt der Film auf der Stelle, irgendwann gibt es ein Antauchen nach vorne, wenn die vegane Esskultur auf traditionelle Hausmannskost trifft. Aber das wäre im Grunde wieder ein eigener Film gewesen – denn die Verbrüderung von beiden erfolgt in einer gutbürgerlichen, biederen Naivität, die schlichte Gemüter vielleicht so gerne hätten, im Endeffekt aber schwieriger zu vereinen ist, als es den Anschein hat.

Der großartige Karl Merkatz sollte vielleicht noch mal auf seine exorbitanten Theaterrollen zurückblicken, denn anders als im Film war dort das Spektrum seines Könnens deutlich breiter gefächert. Klar, wir werden die Alter Egos des schlohweißen Australophilen immer lieben, Da Capos von Bewährtem hin oder her. Ein aufgewärmtes Gulasch ist ja bekanntlich nicht minder wohlschmeckend wie frisch aufgekocht.

 

Der Blunzenkönig

2 Gedanken zu “Der Blunzenkönig

  1. Hi, bin heute erst auf diese Seite gestossen. Ja, Danke schön für die Kritik. Vieles weiß ich eh selber. Erstling. Macht man zu viel und zu wenig. I know. Und ich will auch nicht meckern. Nur. Eines wollte ich korrigieren, bin nicht beeinflusst durch die Filme von Franz Antel. Und beim Blunzenkönig schon gar nicht. Dafür kennen Sie mich zu wenig und zu wenig die Entstehungsgeschichte des Films. Alles Liebe, daLeo Bauer.

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    1. Hallo, lieber Leo Bauer,
      das Feedback eines Regisseurs zu seinem besprochenen Film auf meiner Blogseite hatte ich noch nie. Das freut und ehrt mich mal grundsätzlich. 🙂 Und Danke auch für Ihr Feedback und die Klarstellung möglicher Umstände. Klar kenn ich Sie und die Entstehungsgeschichte des Films zu wenig. Was ich kenne ist der Film, das fertige Werk. Und dementsprechend kann ich auch nur eigene Eindrücke und Empfindungen beschreiben. Finde die ergänzende Stellungnahme daher sehr willkommen und würde mir wünschen, mehr solcher Kommentare von den Filmemachern selbst zu bekommen. Liebe Grüße, Michael

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