Ghostbusters (2016)

FRAUEN, DIE AUF GEISTER STARREN

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ghostbusters

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich Ghostbusters 2 im Kino gesehen habe. Der karpatische, teuflische Oberfürst aus dem Gemälde hat tatsächlich sowas wie Gänsehaut verursacht. Und was mir jetzt gerade Gänsehaut verursacht, ist die Tatsache, dass ich wirklich alt geworden bin. Denn zwischen 1989, als Ghostbusters 2 im Kino lief, und heute liegen satte 27 Jahre. Nun gut, man muss es positiv sehen, ich kann zumindest auf eine lange Laufbahn als leidenschaftlicher Kinogeher zurückblicken. Umso mehr eine Art Pflicht, auch das Remake des Geisterjäger-Klamauks auf der Kino-Agenda wahrzunehmen.

Nach fast drei Jahrzehnten und einiger gesellschaftlicher Vorwärtsentwicklungen sollte man meinen, dass der Gender-Wechsel im Film für bejahende Verblüffung, nicht aber für Unmut sorgen würde. Erschreckenderweise muss ich feststellen, dass das Schockierende an der parapsychologischen Gruselaction eigentlich die Tatsache ist, dass sich eine unüberschaubare Menge an Leuten im Vorfeld darüber echauffiert hat, dass vier Frauen die Rollen von Bill Murray, Dan Aykroyd und Harold Ramis übernommen haben. Und da kann man auch nicht mit einer treuen Ghostbusters-Fangemeinde gegenargumentieren, die ihre vier alten Haudegen aus den Achtzigern wiedersehen wollen – bei nur zwei Filmen und einer Zeichentrick-Kinderserie wage ich einen Fan-Kult a la Star Wars oder Star Trek vehement zu bezweifeln. Um welche Leute handelt es sich dann? Um Bill Murray-Fans? Immerhin, Bill Murray hat hier einen Gastauftritt, Näheres sei an dieser Stelle nicht verraten. Vielleicht um Kinogeher meines Alters? Kann ich mir auch nicht vorstellen, es sei denn, es sind Verfechter einer patriarchalisch geführten, reaktionären Gesellschaft mit chauvinistischem Gedankengut, die das weibliche Geschlecht immer noch für das schwächere halten. Denn Ghostbusters mit Frauen zu besetzen ist ein kluger und mutiger Schachzug, der dem aktuellen Remake des 80er Jahre Blockbusters erst die eigentliche Legitimität verleiht, sieht man von der sehr austauschbaren, braven Variation des Originalinhalts ab. Anscheinend hat sich Regisseur und Ehemann von Melissa McCarthy so sehr auf seine weibliche Besetzung konzentriert, dass er vergessen hat, seiner Story mehr Beachtung zu schenken. Alles beginnt zwar klassisch schön mit dem Auftauchen des ersten Geistes in einem alten Gemäuer, aber damit hat die Spannungskurve leider schon ihren Höhepunkt erreicht. Alles andere sind nur mehr klamaukige Banalitäten, die einem unaufregenden, aber zumindest ganz unterhaltsamen Fantasyabenteuer folgen. Da hatten die ersten beiden Teile, obwohl als brachiale Komödien ähnlich gelagert wie der Neuaufguss, in ihrer gruseligen Ausgangssituatuon mehr Suspense zu bieten. Die vier Mädels aber, die auf Geister starren und dann noch ihre Plasmakanonen abschießen, retten den Film tatsächlich über den Durchschnitt. Ulknudel McCarthy und ihre Jagdgesellschaft bieten eine angenehme und sympathische Abwechslung vom männerdominierten Actiongenre. Alle vier Damen sind schräge Charaktere, die wie die heillos überzeichnete Version der Physiker aus der Big Bang Theory daherkommen. Kate McKinnon als völlig überdrehte Technikerin, Kristen Wiig als skurrile-unbeholfene Universitätsdozentin und Patty Tolan als die weibliche Antwort auf Dwayne „The Rock“ Johnson. Allen vieren ist ihre Pioniertätigkeit im Auflösen der Rollenklischees bewusst. Sie legen sich ins Zeug, um gute Miene zu gewagtem Spiel zu machen. Ihr Teamgeist ist ansteckend, und obendrein setzt „Thor“ Chris Hemsworth als männlicher Blondinenwitz dem Ensemble noch das Sahnehäubchen auf.

Der sonst maue Fantasytrash sorgt durch seine engagierte Besetzung für wortwitziges Geplänkel und wohlwollendes Schmunzeln, allerdings nicht für Spannung und mitreißenden Drive. Inhaltlich ist der Film in den 80ern steckengeblieben, der Cast und sein gesellschaftlicher Auftrag machen den Film aber tatsächlich anschaubar. Man könnte sich also eine Fortsetzung des Filmes vorstellen, wenn nicht gar eine Serie, denn die Vier haben Potenzial für publikumswirksame Abenteuer. So kann man Ghostbusters auch einen gewissen Pilotfilm-Charakter nicht absprechen, geht’s doch die meiste Zeit darum, wie die nerdige Special Force sich etabliert.

Zum Abschluss noch ein Tipp: Sitzenbleiben bis nach dem Abspann…

 

 

Ghostbusters (2016)

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