Central Intelligence

KLASSENCLOWNS

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Mit den hautengen, babyfarbenen Einhorn-T-Shirts könnte Riesenbaby Dwayne Johnson vielleicht sogar einen Hype auslösen. Denn seine Affinität zum Mädchenkitsch ist das Witzigste an dieser Buddy-Komödie bewährten Stils. Und ja, der Genuss dieses Filmes führt unweigerlich zur Suche nach zwei Stunden verlorener Zeit, die man aufgrund guten Glaubens an eine halbwegs gelungene, amerikanische Actionkomödie letztlich in einen einfallslosen Klamauk investiert hat. Gut, einige werden sagen: Selber schuld. Aber warum dem Revival der guten alten Polizei- und Actionkomödien aus den 80ern nicht eine Chance geben? Es könnte ja tatsächlich unterhaltend sein. Man erinnere sich nur an Nick Nolte und Eddie Murphy in Nur 48 Stunden, oder überhaupt an die famose selbstironische Thrillerkomödie Auf die harte Tour mit Michael J Fox. Nicht zu vergessen Red Heat mit James Belushi und Arnold Schwarzenegger. Wobei die Antwort des neuen Jahrtausends auf die steirische Eiche zweifellos „The Rock“ verkörpert. Das zwei Meter große Muskelpaket war tatsächlich der Grund, mich an diesen Spaßfilm heranzuwagen. So sympathisch ist selten ein Actionheld – und der hier kann auch gut mit Komödien was anfangen.

Doch leider versumpft Central Intelligence wie befürchtet, aber nicht erhofft, in einer zwar rasanten, aber enorm unoriginellen Story und pubertären, hysterischen Slapstick-Kalauern und gelegentlichem Fäkalhumor. Das anspruchsvolle Publikum verlässt dabei schon in der Eingangssequenz fluchtartig das Kino, wenn Dwayne Johnson als übergewichtiger Nackedei von bösartigen Mitschülern gemobbt wird. Das erinnert sogleich an die unsäglichen Dickwanst-Komödien mit Eddie Murphy, die nicht auszuhalten sind. Der Film wäre schon in den ersten zehn Minuten gescheitert, aber ich dachte mir: riskant, aber vielleicht fängt sich der Film. Aushalten, zuwarten. Ganz so tief sinkt er folglich nicht mehr, doch das Niveau bleibt überschaubar. Kevin Hart quengelt sich auf nervtötende Art durch den Film, der Plot ist so uninteressant, dass jeder Handtaschenraub spannender ist. Irgendwie hat man alles schon mal gesehen, und zwar um Klassen besser. Damals, in den 80ern und frühen 90ern, waren Actionkomödien für das breite Publikum einfach rauer, mitunter ernster und kerniger. Hier aber befinden wir uns auf dem Niveau der infantilen Highway-Komödien mit Burt Reynolds aus früheren Zeiten, die rauschbegleitend das frühmorgendliche Fernsehprogramm nach der Jahreswende ausfüllen. In angetrunkenem Zustand lacht man womöglich über jede Szene, doch sowas hinzukriegen ist keine Kunst, geschweige denn eine Auszeichnung für den Film.

Das Genre der Buddy-Action schafft kein Revival mehr, die Filme sind zu dämlich, um guten Gewissens zu unterhalten. Da kann auch der Ex-Wrestler oder Breaking Bad-Star Aaron Paul nichts ändern, der aus welchem Grund auch immer für diese entbehrliche Nebenrolle unterschrieben hat. In Zukunft werde ich wieder einen großen Bogen um filmgewordene Peinlichkeiten wie diesen machen. Aber das hätte ich seit Cop Out schon wissen müssen. Naja, selber schuld.

 

Central Intelligence

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