A Bigger Splash

HOCKNEYS TRAUM

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biggersplash

Der italienische Kunstfilmer Luca Guadagnino hat sieben Jahre nach seiner One Woman-Show I´am Love erneut für eines seiner Werke die eigenwillige Muse Tilda Swinton gewonnen. Die in jeder Hinsicht ungewöhnliche Schauspielerin, die ich – ähnlich wie David Bowie im Musikfach – als Chamäleon der Filmwelt betrachte, tritt in der Neuinterpretation des Psychothrillers Der Swimmingpool in die Fußstapfen von Romy Schneider. Dabei ist Guadagninos Film nicht nur eine perfide Dreiecksgeschichte, sondern auch – und es lohnt sich, dieses Zusatzwissen bereits vorab zu besitzen – eine Reminiszenz an einen gewissen David Hockney. Der britische Maler, Bühnenbildner und Fotograf gilt als einflussreicher Künstler des 20. Jahrhunderts und wurde durch seine Swimmingpool-Bilder erst so richtig berühmt. Eines dieser Bilder trägt den Titel A Bigger Splash – und genau darauf spielt Guadagninos Film überdeutlich an. Das Gemälde zeigt einen Pool mit Sprungbrett, im Hintergrund einen neumodischen Bungalow mit Palmen. So in etwa sieht auch das Setting des Filmes aus. Im knochentrockenen, kargen Süden Italiens, genauer gesagt auf der Insel Lampedusa, ist der kühl-sachliche Entwurf Hockneys zur dreidimensionalen Bühne geworden. Auf ihr treffen sich Mathias Schoenaerts, die eingangs erwähnte Tilda Swinton, Don Johnson-Sprössling Dakota und der unvergleichliche Ralph Fiennes zum erotisch-intriganten Stelldichein, begleitet von kunstvoll arrangierten, gemäldeähnlichen Settings und Hiobsbotschaften zur Flüchtlingskatastrophe aus dem Radio.

Ganz klar, der neue „Swimmingpool“ ist mehr visuelles Schauspielkino für Feinschmecker als spannender Psychothriller. Es braucht lange, sehr lange, bis der Spannungsbogen seinen Anfang nimmt, um aber schnell wieder zu verpuffen. Was in Erinnerung bleibt, sind die von Ralph Fiennes durchaus famos dargestellten Eskapaden eines krankhaften Hedonisten. Zweifelsohne dominiert er den Film. Sogar, wenn er nicht gerade vor der Kamera steht. So ausgelassen sieht man den Briten selten, vor allem, wenn man sich Werke wie Schindlers Liste ins Gedächtnis ruft. Er ist schon einer der Besten seiner Zunft, obwohl seine Rolle in diesem verstohlenen Gefühlskrimi unglaublich nervt. Und sie nervt deswegen, weil sich die Handlung selber kaum vom Fleck wegbewegt. Im Grunde ist der Film viel Lärm um reichlich wenig, ich will nicht sagen: Nichts. Manchmal glüht sowas wie Suspense auf und weckt Erinnerungen an Das Böse unter der Sonne oder Francois Ozons Swimmingpool, der mit Abstand mysteriöser, abgründiger und spannender ist. Doch die meiste Zeit des Filmes wird vom Buhlen um Tilda Swinton dominiert. Die undefinierbare Rolle von Dakota Johnson hätte Potenzial – das Drehbuch weigert sich allerdings, dieses auszukosten und lässt den Zuseher wie bei allen anderen Elementen und Charakteren des Filmes eher ratlos zurück.

Im Grunde ist A Bigger Splash ein ästhetisches, lebendiges Gemälde, welches von einem relativ banalen Beziehungsdrama erzählt und gegen Ende in einer eigentümlichen Tragödie gipfelt, die, ähnlich wie in einem Traum, auf eine Art erzählt wird als wären die Figuren in ihrer Wahrnehmung getrübt. Das mag vielleicht ein surreales Stilmittel sein, wer weiß. Oder ist das Ganze nur eine Vision des Malers Hockney? Jedenfalls bleibt eine schale Unzufriedenheit zurück, als wäre das Bild vom Bigger Splash ein Rohentwurf und zumindest als Film irgendwie noch nicht ganz fertig.

A Bigger Splash

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