Casablanca

GOOD OLD HOLLYWOOD

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casablanca

Mission completed. Endlich ist es geschafft! Den Klassiker unter den Klassikern, den Kultfilm unter den Kultfilmen im Heimkinoformat vom Stapel zu lassen. Ein Film, in welchem so gut wie jede Szene in die Geschichte der bewegten Bilder eingegangen ist. Die Neugierde war groß, der Zeitpunkt, sich einem weltbekannten Werk zu stellen, gekommen.

Doch kann man einen ikonographischen Film wie Casablanca von Michael Curtiz überhaupt vorbehaltlos rezensieren? Kann man ihn so betrachten, als gäbe es den Kult um Humphrey Bogart, Trenchcoat, „Schau mir in die Augen, Kleines“ und „Spiels nochmal, Sam“ überhaupt nicht? Nun, man kann. Es führt aber zu nichts. Denn hat man die Geheimdienstromanze einmal ordentlich seiner vielzitierten Klischees beraubt, bleibt im Grunde nicht mehr viel übrig. Außer vielleicht Humphrey Bogarts legendäres „Resting Asshole Face“. Kaum jemand sonst kann derart dreinblicken. Das konnten bislang nur noch Clint Eastwood und meinetwegen Charles Bronson. Aber so ein Gesicht zu machen wie Trenchcoat-Träger Humphrey (wieso trägt er einen Trenchcoat im nordafrikanischen Marokko? Ist es dort tatsächlich so kalt?) – das muss man auch mal können. Schlafzimmerblick, keine einzige freudige Erregung umspielt seine Mine. Alles dürfte ihm gehörig auf den Wecker fallen. Da ist Peter Lorre in einem kurzen Gastauftritt als mutmaßlicher Mörder und Verhökerer von Ausreisevisa, der dem Besitzer von Ricks Café (ebenfalls legendär) seine Zeit stielt. Und Charles Laughton, der seltsamerweise wienerisch – oder bayrisch? – spricht. Und um der alltäglichen Misere auch noch das Krönchen aufzusetzen, schneit Ingrid Bergmann ins subtropische Etablissement. Wenigstens sie lächelt das eine oder andere Mal, und das ist wirklich bezaubernd. Aber was Papa Humphrey angestellt hat, um das Herz der schönen Schwedin zu gewinnen, bleibt ein Rätsel. Vielleicht ist es gerade diese Art, dieses undurchdringlich lethargische und Emotionslose, das eine Frau wie Ingrid Bergmann anziehend findet. Jedenfalls verbindet die beiden eine unglückliche Liebesbeziehung vor dem Hintergrund invasorischer Ereignisse im Paris der 40er Jahre. Im Grunde genommen ist Casablanca eine Liebesgeschichte, die dicht verwoben ist mit den Geheimdienstaktivitäten des dritten Reiches. Ein dialoglastiger, theatralischer Film, fast schon ein Kammerspiel. Das Setting beschränkt sich auf Ricks Café, den Flughafen von Casablanca und szenenweise das Etablissement der Liebenden in Paris. Für eine Bühnenversion funktioniert der Film allemal. Epische Bilder wie in Lawrence von Arabien sucht man vergebens. Das Marokko des zweiten Weltkriegs, Umschlagplatz und Schmelztiegel für aller Herren Länder, quasi das „Mos Eisley“ Afrikas, reduziert sich auf ein paar Palmen im Wind. Diese räumlich begrenzten Schauplätze geben dem Widerstandsdrama eine gewisse Dichte und dienen auf gelungene Weise, den Mikrokosmos aus Liebe, Verrat und Verschwörung auf einen Nenner zu bringen. Tatsächlich wirkt Casablanca schon ein bisschen nach, auch wenn der Film bereits mehr als siebzig Jahre auf dem Buckel hat. Ob dies nun den zu Kult gewordenen Szenen bzw. dem Mediennachhall zu verdanken ist oder der Story an sich, lässt sich wirklich nur mehr schwer unterscheiden. Die Szenen, die auszugsweise jeder kennt, zaubern mir ein wissendes Schmunzeln aufs Gesicht, entbehren sie nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik. Vor allem, weil man sie endlich in ihrem geordneten Kontext genießt und die Summe aller Teile beieinanderhat. Vor allem auch deswegen, weil mittlerweile jeder die Trivia vom eher kleineren Mr. Bogart kennt, der, um den richtigen Blickwinkel auf seine Filmpartnerin zu haben, auf einer Kiste stehen hat müssen.

Casablanca war damals sicher seiner Zeit voraus, heute ist er vielzitiertes Vorbild für Dialogdramaturgie und dem Genre des romantischen Spannungskinos. Und Humphrey Bogart wurde als geknickter, desillusionierter, aber unberührbar coolen Anti-Held zur zeitlosen Ikone des Film Noir. Und wenn Sam As Time goes by am Klavier zu klimpern beginnt, muss man feststellen, dass dieses Stückchen altes Hollywood wahrscheinlich niemals sterben wird, mit all seinen idealisierten Stärken und verzeihbaren Schwächen.

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