The Danish Girl

WIE IM FALSCHEN FILM

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Das Leben ist wie eine Bühne. Wie ein Film oder überhaupt wie eine Serie in mehreren Staffeln, in denen der Cast immer wieder wechselt, Nebenrollen zu Hauptrollen und Hauptrollen zu Nebenrollen werden, bevor sie ganz verschwinden. Der Hauptdarsteller bleibt immer gleich. Wie kann es denn anders sein im eigenen Leben. Doch was, wenn man das Gefühl hat, man ist im falschen Film? Spielt die falsche Rolle? Was, wenn man das Skript zu seinem eigenen Leben nicht lernen will? Oder nicht lernen kann.

So oder ähnlich muss es dem dänischen Landschaftsmaler Einar Wegener ergangen sein – wie vielen intersexuellen Menschen, die ihre undefinierte Rolle in ihrem eigenen Leben weder als Mann noch als Frau ausleben konnten. Einar Wegener führte zuerst eine heterosexuelle Beziehung und war mit Gerda Wegener liiert – ebenso eine Künstlerin. Und sogar eine, die die Sehnsucht ihres Mannes nach seiner eigenen femininen Seite anfangs selbst für eine reizvolle erotische Komponente wahrgenommen und seine Lust am Tragen von Frauenkleidern in der Öffentlichkeit als einmaliges gesellschaftliches Wagnis gesehen und unterstützt hat. Was danach kam, konnte selbst sie nicht voraussehen. Die Frau in Einar Wegener war entfesselt. Die wahre Identität und das Bewusstsein, die ganze Zeit über die falsche Rolle gespielt zu haben, brachen sich Bahn. Der dänische Maler Wegener war nicht mehr. Stattdessen trat Lili Elbe in Erscheinung, das ehrlich gefühlte Geschlecht. Leider jedoch im falschen Körper. Und damit begann das wirkliche Drama. Denn aus dem eigenen Körper kann mich nicht heraus, es sei denn, man passt die menschliche Hülle dem Innersten an. Ein Ding der Unmöglichkeit, überhaupt in den 30er Jahren. Könnte man meinen. Doch die Medizin schlief auch damals nicht. Und die Problematik der Intersexualität war vor allem in medizinisch-wissenschaftlichen Kreisen längst nicht unbekannt. So war Lili Elbe der erste Mensch, der sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hat.

Tom Hoopers aufschlussreiche Biografie und dramatische Dokumentation der damaligen Ereignisse ist ein einfühlsames, künstlerisch hochwertiges Melodram geworden. „Stephen Hawking“ Eddie Redmayne meistert seine schwierige Rolle mit Hingabe. In vielen Szenen, vor allem in der zweiten Hälfte des Filmes, hat man das Gefühl, dass Redmayne selbst seine wahre Identität hinter seiner darzustellenden Figur zu vergessen scheint. Lili Elbe ist Redmayne. Und umgekehrt. Diese Intensität des Schauspielens ist man normalerweise nur von akribischen Schauspielextremisten wie Daniel Day Lewis gewohnt. Doch der spätere Newt Scamander und frühere Astrophysiker Hawking, der für die Rolle des an Muskelschwund leidenden Superhirns den Oscar erhielt, steht nun mit dieser Rolle ganz alleine auf einem Podest über vielen anderen seiner Zunft. Das Schicksal dieses Menschen dürfte ihm sehr am Herzen gelegen haben. So scheint es zumindest. Tom Hooper, der uns die Adelsbiografie The King´s Speech bescherte, und Kameramann Danny Cohen tauchen das sensible Arthauskino in erlesene Bildmalereien, die an Caspar David Friedrich oder Vermeer erinnern. Meist im Weitwinkel, erfasst die Kamera museale, entrückte Stillleben, auf denen die Werke Gerda Wegeners, die später meist nur Portraits von Lili Elbe zeigen, wie Portale in die zerrissene Psyche des verzweifelten Künstlers Wegener wirken. Alicia Vikander übrigens, die als Gerda Wegener Lili Elbes Schicksal bis zum tragisch-bitteren Ende begleitet, steht Redmayne um nichts nach. Ihre Darstellung ist fast annähernd so intensiv und wandelt sich von der lasziv-verspielten Draufgängerin der Malerszene zur gescheiterten Ehefrau voller Pflichtschuldigkeit und freundschaftliche Treue dem Menschen gegenüber, der einmal ihre große Liebe war.

Auf alle Fälle ist The Danish Girl großes Kino für aufgeschlossene Anspruchsvolle und Liebhaber epischer Biografien. Redmayne wird wahrscheinlich niemals mehr besser spielen, aber wenn er das Niveau hält, kann man sich auf seine zukünftige Filmografie nur noch freuen.

The Danish Girl

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