Superwelt

HADERN MIT GOTT

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War das Absicht oder hat sich Ulknudel und Was gibt es Neues?-Dauergast Ulrike Beimpold in Karl Markovics zweite Regiearbeit rein zufällig hineinverirrt? Letzteres wohl kaum, da österreichische Regisseure schon des Öfteren genretypische Schauspieler gegen ihr Image besetzen – und damit mehr gewonnen als verloren haben. Auch bei der sympathischen, stets humorvollen Blödelblondine Beimpold offenbart sich bei ihrer Rollenauswahl ein durchaus bemerkenswertes Talent, denn der evolutionäre Aufstieg von einer Birne (siehe den Buchtitel ihrer Memoiren) bis hin zur von Gott besessenen Psychotin ist nämlich enorm. Markovics selbst, der auch das Drehbuch geschrieben hat, lässt sein Publikum die ganze Zeit über im Unklaren. Als Antithese zu Bruce Allmächtig ist der Status eines von Gott auserwählten Menschen in diesem Psychogramm eine Bürde, ein paranoides Zweifeln, ein abstraktes Hirngespinst. Und man rätselt hin, man rätselt her, und man kommt der Wahrheit nicht näher. Ist es die Geschichte einer Schizophrenen, oder ist das, was passiert, ein übernatürliches Phänomen? Viel passiert nicht, und das muss es auch nicht, aber der Film tritt dramaturgisch manchmal zu sehr auf der Stelle. Wir beobachten Ulrike Beimpold, wie sie sich immer weiter von der Realität entfernt, von ihrem Alltag und ihrer Umwelt. So gesehen beobachtet Karl Markovics genau seine Chronik eines bodenlosen Fallens, eines Haltverlierens, obwohl Gott selbst ja Halt und Stütze sein soll für all die Gläubigen und Sinnsuchenden. Insofern wird das Drama zu einem Kreuzweg des Zweifelns und Glaubens, zu einem Schlagabtausch zwischen religiöser Ablehnung und Anrufung des Allerhöchsten. Eine Art moderner Hiob, der sich einer Prüfung unterziehen muss, um seine spirituelle Treue zu festigen. Dabei stellt sich vielleicht gar nicht mehr die Frage, ob die Psyche verrückt spielt oder die äußere Welt aus den Fugen gerät. Gott ist ja bekanntlich inhärent, also schließt das eine das andere nicht aus. Hochkomplex geht der Film der Sache nach, in symbolischen Bildern, Stimmungen und stillen Szenen. Lösungen sucht man anderswo, nicht in Karl Markovics Filmwelt. Schon mit seinem äußerst sehenswerten Erstling Atmen scheut er nicht vor heiklen, schwierigen Themen wie Tod, Vergebung und Glauben zurück. Erinnernd an die Filme eines Krysztof Kieslowski sind seine beiden Filme Metaphern über existenzielle Themen, mit denen man etwas anfangen kann oder auch nicht. Mal sehen, was als nächstes kommt. Interessant wird es auf jeden Fall.

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