Trumbo

SCHREIBEN BIS DER ARZT KOMMT

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trumbo

Hätten sich die Coen-Bürder doch statt des misslungenen Filmgeschichts-Exposés Hail Cäsar lieber der Lebensgeschichte von Dalton Trumbo angenommen. Es wäre womöglich ein famoser Film entstanden. Aber sei´s drum, die Geschehnisse rund um den Kommunisten und Drehbuchvirtuosen der McCarthy-Ära ist aber auch ohne den kreativen Einfluss des eingangs genannten Regieduos zu einem guten Film geworden. Und das ist natürlich in erster Linie Breaking Bad und Malcolm Mittendrin-Star Bryan Cranston zu verdanken.

Das Insiderwerk wird durch ihn zu einem sehenswerten Stück Zeit- und Kulturgeschichte, und das nicht nur für eingefleischte Cineasten, die hinter die Kulissen des diktatorischen alten Hollywood blicken wollen. Er setzt dem schnauzbärtigen Genius, aus dessen Feder Filmklassiker wie Ein Herz und eine Krone, Spartacus und Exodus stammen, ein würdiges, viel zu spätes Denkmal, wurde der begnadete Schriftsteller aufgrund seiner eher sozialphilosophischen als politischen Gesinnung doch aus der Film- und Drehbuchgemeinde ausgeschlossen. Mit welchen Mitteln, und wie exzessiv und leidenschaftlich sich dieser Mann der völlig absurden, paranoiden Ächtung entgegenwirft und diese untergräbt, ist eine unglaublich gewiefte Chronik eines individuellen künstlerischen Freiheitskampfes, trotz Selbstverleugnung der eigenen Identität. So gewinnt er sogar mithilfe eines Strohmannes und später unter einem Pseudonym zweimal den Drehbuch-Oscar und führt die amerikanische Gesellschaftspolitik ad absurdum. Die Katze wird noch zu Lebzeiten, aber erst später aus dem Sack gelassen, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, und ohne seine Wirkung zu verfehlen. Trumbo ist ein wichtiges Stück Filmgeschichte voller Stippvisiten ehemaliger Leinwandgrößen, erlesen besetzt und mit Liebe zum Detail, was den Film aber mitunter etwas in die Länge zieht. Cranston aber, in seinen besten Momenten stundenlang in der Badewanne sitzend und vor sich hin fluchend, fängt das ansatzweise schwindende Interesse des Zuschauers aber wieder gekonnt ein. Und auch John Goodman in einer Nebenrolle als cholerischer Trashfilmproduzent ist wie immer sehenswert.

Regisseur Jay Roach beschreibt in seinem biografischen Epos ein überholtes Hollywood aus alten Zeiten, in dem Schauspieler noch Mythen waren, gleichzeitig aber auch Leibeigene von Studiobossen und politischen Fraktionen. Trotz aller Absurditäten ist Trumbo in keinster Weise eine Komödie, eher eine tragische, niemals aber hoffnungslose Revolution des Willens, die anstatt Waffen Herz, Verstand und die Schreibmaschine sprechen lässt.

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