Rock the Kasbah

VOLKSSTIMME

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kasbah

Was zur Hölle bewegt einen Musikmanager, in Afghanistan eine Tournee zu organisieren? So absurd und abwegig diese Vorstellung auch sein mag, die Grundidee dieser Ethno- und Gesellschaftskomödie ist gar nicht mal so unoriginell. Zwar unbeschreiblich naiv, aber gut gemeint. Mir fällt gerade die britische Musical-Verfilmung Little Voice ein, mit Michael Caine und Brenda Blethyn in den Hauptrollen. Eine wundersame Geschichte über ein Mädchen und dessen Stimme. Sowohl hier als auch in Barry Levinsons Spätwerk erzählt sie von der unmöglichen Möglichkeit, über sich selbst hinauszuwachsen und soziale Zwänge hinter sich zu lassen. Noch dazu ist in Rock the Kasbah das Mädchen eine Muslimin, und ihr gesellschaftliches Umfeld sowieso momentan Schlagzeilenthema Nummer Eins. Aus diesem Stoff hätte eigentlich ein ganz anderer Film entstehen müssen. Nämlich einer, der die Rolle des paschtunischen Mädchens viel mehr in den Fokus stellen hätte sollen, statt den alten Komiker Bill Murray ins Rampenlicht zu rücken. Dann wäre die Ambition der eigentlich kraftvollen, märchenhaften Geschichte viel deutlicher, aufrichtiger und ehrlicher geworden. Übrigens, Bill Murray überanstrengt sich in diesem Film bei Gott nicht. Seine vorwiegend ausdruckslose Mimik hat zwar nach wie vor komödiantisches Potenzial, aber irgendwann ist auch dieses erschöpft. Gelegentlich wird diese Mimik abgelöst von gernervten Blicken oder oft erprobten, leicht hysterischen Was ist mit Bob-Attitüden. Im Grunde ist es aber das, was man von Bill Murray sehen will, also kann man ihm dann doch nichts vorwerfen. Viel schlimmer noch ist die seltsame Endfassung des Filmes, die mit ziemlicher Sicherheit ursprünglich ganz anders ausgesehen haben muss. Wie sonst erklärt man sich vor allem gegen Ende die groben Schnitte und abrupt endenden Szenen. Da bleibt vom dramatischen Finale in der afghanischen Wüste nicht mehr viel übrig. Da darf keine Emotion zu Ende empfunden und kein Konflikt zu Ende ausgetragen werden. Völlig verblüfft vom unters Schneidemesser geratenen Szenenwechsel, darf man sich die meisten Bilder nun selbst ausmalen. Es ist, als ob dem Filmteam Geld und Drehzeit ausgegangen wäre. Übrige Szenen wurden aus dem Drehbuch einfach gestrichen. Trotz einer Filmlänge von rund 100 Minuten fehlt es hinten und vorne an Substanz und an einer sich entwickelnden, empfundenen Geschichte. Ein Film mit Potenzial, der aber die Mittel und Wege nicht findet, dieses umzusetzen.

Illustre Darsteller alleine – von Zooey Deschanel über Bruce Willis bis zu Kate Hudson – sind hierbei vergeudete Energie.

 

 

Rock the Kasbah

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