Suicide Squad

DC´S HATEFUL EIGHT

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suicide

Würde man Quentin Tarantino die Verfilmung eines Superhelden-Comics vorschlagen, würde die Wahl womöglich auf das nicht ganz vollständige dreckige Dutzend aus dem DC Universum fallen. Würde man den Joker und Joel Kinnaman als Rick Flag außer Acht lassen – sind die gefallenen Engel tatsächlich acht an der Zahl. Die Hateful Eight, jeder für sich ein Charakter mit speziellen Eigenschaften, destruktiven Fähigkeiten und besonderen soziopathischen Störungen. Nur flüchten sie nicht aus der schneeumtosten Hölle nordamerikanischer Wildnis in die scheinbare Behaglichkeit von Minnies Miederwarenladen.  In David Ayers Antiheldenpistole dürfen die gebrochenen Seelen den hochsicheren Gewahrsam des Belle Reves Gefängnisses verlassen und auf Ausgang gehen. Womöglich auf einen Ausgang ohne Wiederkehr. Denn ihr Himmelfahrtskommando gegen eine entfesselte, machtgierige Hexe namens Enchantress garantiert keine Rückfahrkarte. Und auch sonst ist jede Art des Aus-der-Reihe-Tanzens geradezu unmöglich, steckt doch ein Selbstzerstörungschip in den schmutzigen Hälsen jedes oder jeder einzelnen.

Dass Suicide Squad radikaler werden würde als jede andere Comicverfilmung, wäre zu erwarten gewesen. Leider jedoch gibt sich das Machwerk trotz der Ankündigung, etwas Unerwartetes auf das Publikum loszulassen, viel zu handzahm, um ein bahnbrechendes Ereignis a la Watchmen zu werden. Mag sein, dass die Produktionsstudios, welche die DC-Franchise verwalten, den ausführenden Künstlern viel zu viel ins Handwerk gepfuscht haben. Mag sein, dass Warner Bros viel zu sehr darum gebangt hat, nicht den Anschluss an Marvel zu verlieren. Die Unsicherheit hinter dem Film ist spürbar. Gut für den Film, dass sich diese Fahrigkeit nur auf die Inszenierung, nicht aber auf die Charaktere überträgt. Denn ihre Spielfreude ist ansteckend. Allen voran Margot Robbie als Jokers durchgeknallte große Liebe, gefolgt vom zurückhaltend aufspielenden Jay Hernandez als einziger X Men-ähnlicher Mutant. Sie alle hadern mehr schlecht als recht mit ihrem persönlichen Schicksal. Aber sind sie deswegen Schurken? In diesem Film sind sie es nicht. Obwohl allesamt Verbrecher, ist hier klar, das jeder hier das Herz am rechten Fleck hat und Moralvorstellungen mit sich bringt, die sich in unser aufrichtiges Weltbild einordnen lassen. So richtig böse ist hier niemand, und kontroverse Reibungsflächen bieten sie auch nicht. Folglich wird Suicide Squad längst nicht so heiß gegessen, wie es in den Ankündigungen des Filmes vorgekocht wurde. Um das Böse mit dem Bösen zu bekämpfen, oder, wie es im Volksmund heißt, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben – dafür braucht das Filmkonzept viel mehr Knackpunkte, an denen sich der Zuschauer durchaus stoßen kann. Um ein Schwinden der Besucherzahlen zu vermeiden, bricht Ayer den Film auf ein bekömmliches, gefälliges Comicfilmchen herunter, dessen Story schon hundertmal besser erzählt und der unheilverursachende Materialtornado als Weltenvernichter schon hundertmal besser ins Geschehen gesetzt wurde. Die Dialoge zwischen Will Smith, der als familienbewusster Profikiller zwar sympathisch, aber nicht glaubwürdig ist, und Ex-Robocop Joel Kinnaman haben eine langweilende Redundanz. Was anfängt wie John Carpenters Klapperschlange, verpufft in einem Hexenzirkus aus Buffy– und Ghostbusters-Referenzen. Im Mittelpunkt eine verloren wirkende Cara Delevigne, die mit dem Comic-Genre nicht so viel anzufangen weiß. Dieses Problem hat Jared Leto nicht. Seine irre Joker-Interpretation nach Alan Moore ist neben Viola Davis als perfide Geheimdienstchefin der einzige Charakter mit ansatzweise egomanisch-boshaften Zügen.

Unterm Strich ist Suicide Squad ein düsterer, durchaus unterhaltsamer Actionfilm mit Maulkorb, der trotz seines Anspruchs, schrill und schräg rüberzukommen, eher verwässert wirkt. Trotz des knappen Höschens von Harley Quinn.

 

 

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