Deadpool

LIEBER ARM DRAN ALS ARM AB

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deadpool

Dass Ryan Reynolds sein persönliches filmisches Waterloo namens Green Lantern nur schwer verarbeiten kann, macht er in seiner neuen Paraderolle als Deadpool mehr als einmal deutlich. Dabei war der CGI-lastige Film über den grünen Laternenträger zwar längst keine Offenbarung, so schlecht war er allerdings auch wieder nicht. Und außerdem hat Reynolds Blake Lively kennengelernt. Also insofern wird der adrette Schauspieler diesen Film immer mit sich herumtragen müssen, in liebevoller Erinnerung. Die Reinwaschung und Grunderneuerung seines Images soll nun mit einer anderen Figur, allerdings aus dem Marvel Kosmos, besser funktionieren. Denn Marvel hat generell die besseren Karten in der Hand. Die Figuren von Stan Lee und Co sind witziger, lausbübischer, facettenreicher. Den Vergleich hatte ich schon mal gezogen, als es um Superman und Batman ging.

Die Geschichte des krebskranken Special Force Söldners, der sich zwecks Heilung zuerst freiwillig, dann unfreiwillig fragwürdigen wissenschaftlichen Experimenten unterziehen lässt, ist von allen Marvel-Storys die zynischste, wenngleich auch die am wenigsten jugendfreie. Zu einem Freddy Krüger-ähnlichen Zombie mutiert, ist die Figur Wade Wilson zwar vom Krebs befreit – einen Schönheitswettbewerb wird er wohl aber nicht mehr gewinnen. Also versteckt er sich wie Spider Man hinter einen roten Ganzkörperanzug und zieht Samurai-Schwerter schwingend durch die Gegend, immer wortspielende, todesverachtende Scherze auf den Lippen. Wie bereits im Vorfeld angekündigt, rollen bei Deadpool die Köpfe, ganz im Stile von Kick Ass, nur nicht ganz so drastisch. Der Untote unter den Superhelden ist nicht mehr totzukriegen. Was abgeschnitten wird, wächst wieder nach. Was durchbohrt wird, wächst wieder zu. Somit ist er ganz schön mächtig und fällt den Bösewichten demnach gehörig auf den Wecker. Wer diese allerdings sind und was diese platt gezeichneten, mysteriösen Schurken eigentlich wollen, bleibt ein Rätsel. Firefly-Freudenmädchen Morena Baccarin darf erstmals auch außerhalb der Fernsehwelt als Deadpools große Liebe eine tragende Kinorolle verkörpern und bietet ähnlich wie Gal Gadot als Wonder Woman einen erfrischend neuen Anblick. Der maskierte, rächende Kumpel, der keine Gefangenen macht, zieht durchaus eine fetzige Show ab. Vor allem das Intro des Comicabenteuers als Frozen Still zu inszenieren, ist sensationell. Die Kamera schlängelt sich durch eine sozusagen eingefrorene, dreidimensionale Actionszene. Überhaupt hat der Anfang des Filmes die meiste Power und kreativsten Einfälle. Dramaturgischen Kinkerlitzchen wie das Durchbrechen der Kinodimension und das Verschachteln der Zeitebenen überraschen.

Die lang erwartete und bislang aufgrund seiner potenziellen unverfilmbaren Brutalität lange hinausgezögerte Comicverfilmung bleibt aber meines Erachtens nach hinter den Erwartungen zurück. Filmpromotions lange vor Kinostart können ja schon viel Einspiel für sich entscheiden – schraubt man die Erwartungshaltung aber zu hoch, gibt es garantiert einen Abstieg. Deadpool wird unerwartet brutal, für die Freigabe gibt es ein X-Rating. So dreckig wird Deadpool! Diese Kino Show gab es noch nie! Aufgrund des üppigen Feedbacks lässt man das Kinoevent sicher nicht unbeachtet vorbeiziehen. In Wahrheit erfüllt der Film aber nur die Hälfte von dem, was er angekündigt hat. Denn ganz so außergewöhnlich ist er nämlich nicht.

Die Geschichte folgt gängigen Mustern und bewegt sich zwischen Darkman, Kick Ass und dem Gequassle von Eddie Murphy hin und her. Und letztendlich wirken Deadpools Sidekicks, zwei Mutanten aus der X Men-Schule, ziemlich deplatziert und lustlos. Dass die beiden bislang bei keinem X Men-Abenteuer aufgetaucht sind, war kein großer Fehler.

Trotzdem – so ganz allgemein genießt der rote Rächer mittlerweile den Status eines One Hit Wonders aus dem Marvel-Universum außerhalb des Infinity-Canons. Und eine willkommene Abwechslung zu den Avengers. Seine innovativen filmischen Mätzchen sind der Star der ausgewogenen Actionkomödie, seine rotzfreche Attitüde lässt Deadpool zu einem Spiderman für Erwachsene werden, nur, dass keine Spinnenfäden, sondern Blut an seinen Händen klebt. Inhaltlich Schema F, sonst aber ein schnoddriger Comicstrip auf Zickzack-Kurs mit Stinkefinger-Statement.

 

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