Wie Brüder im Wind

KLEIN ADLERAUGE

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bruederwind

Das Red Bull-Imperium des österreichischen Geldvirtuosen Dietrich Mateschitz umfasst nicht nur den Fernsehsender Servus mit allerlei Bildungsprogramm und mitunter auch einem wohlsortierten Filmangebot. Es umfasst auch einen Zeitschriftenverlag und zu guter Letzt eine Filmproduktionsfirma, dessen Name ident ist mit der populärwissenschaftlichen Liebhaberzeitschrift Terra Mater. Ein wunderschönes Druckwerk allerdings. mit wunderbaren Bildern und jede Menge Platz, um sich gestalterisch auszutoben. Inhaltlich aber muss sich das Magazin in Anbetracht souveräner Konkurrenz aus dem europäischen Norden geschlagen geben. GEO, herausgegeben von Gruner & Jahr, ist in seinen Reportagen unschlagbar und findet einen ausgewogenen Mittelweg zwischen photographischem Anspruch und mitreißend geschriebener, aufschlussreicher Stories. Aber wieso schreibe ich in einem Filmblog über die Qualität deutschsprachiger Perdiodikas? Ganz einfach – weil sich die etwas unausgewogene Beschaffenheit des österreichischen GEO-Konkurrenten Terra Mater ziemlich genau auf die filmischen Qualitäten des von Ex-Universum-Redakteur Walter Köhler geleiteten Filmstudios übertragen lässt.

Wie Brüder im Wind ist zweifellos ein atemberaubend gefilmter Dokumentarfilm. Ganz so, wie wir es schon seit jeher dienstagabends auf ORF gewohnt sind, mit erstklassig gefilmten, spektakulären Bildern aus aller Herren Länder verwöhnt zu werden. So verwöhnt uns auch diese heimische Produktion vor allem auf der großen Leinwand mit gestochen scharfen, haut- bzw. federnahen Bildkompositionen, die Gänsehaut erzeugen. Überhaupt entfalten solche Tier- und Naturfilme ihr gesamtes Potenzial im Kino, wenn man schon nicht live dabei sein kann, um das Abenteuer Leben mit allen Sinnen zu genießen. Terra Mater weiß, was dem naturinteressierten Zuschauer die Kinnlade herunterklappen lässt.

Allerdings wissen die Macher des Greifvogeldramas nicht, wie man Geschichten erzählt. Und das ist meistens die Krux an Fernseh- und Kinodokumentationen. Sachkundige Filme, die nicht nur durch ihre Bilder, sondern auch durch ihre Geschichte zu fesseln wissen, haben Seltenheitswert. Meist liegt ihre Stärke darin, die Schönheit der Natur einzufangen. Dann wäre Wie Brüder im Wind im Konzerthaus mit Live-Musik-Untermalung besser aufgehoben. Die karge Erzählung von einem alleinerziehenden, mürrischen Bergbauern und seinem Sohn, der ein aus dem Nest gefallenes Steinadlerküken aufzieht, ist zwar gut gemeint und hat auch jede Menge edukativen Wert. Doch die sperrige Dramaturgie und die lose wirkenden, etwas orientierungslos aneinandergesetzten Szenen entbehren jeglichen mitreißenden Erzählfluss. Wie in einem engagierten Laienkino für eine gute Sache stapfen „Leon“ Jean Reno und Tobias Moretti wenig überzeugend über Geröll und durch Schnee, zwischen den beiden Filmstars strengt sich der italienische Jung- und Hauptdarsteller Manuel Camacho vergebens an, so etwas wie Emotion zu erzeugen. Da ist der Mowgli-Darsteller im kürzlich erschienenen Dschungelbuch ja noch die bessere Wahl gewesen.

Schulfernsehen trifft also auf professionelle Naturfilmer. Mehr ist aus dem Jahreszeiten-, Familien- und Tierdrama rund um Verantwortung, Leben und Tod letzten Endes nicht herauszuholen. Vielleicht, weil das Genre des Dokumentarfilmes so ganz anders funktioniert als die des erzählerischen Abenteuerkinos.

Wie Brüder im Wind

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