Victor Frankenstein

DIE MONSTER AG

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frankenstein

Welch ein Glück, dass die Rechte des Romans von Mary Shelley bereits abgelaufen sind und das Werk als literarisches Freiwild für jedermann zur Verfügung steht. Sonst gäbe es eine einstweilige Verfügung. Man kann es aber drehen, wenden, zitieren und interpretieren wie man will. Mal abgesehen davon, dass Mary Shelley womöglich im Grab rotiert, wenn sie per Flaschenpost ins Jenseits von Machwerken wie I, Frankenstein oder eben dem neusten Budenzauber Victor Frankenstein erfährt. Dabei wirkt der opulente Film von Sherlock-Regisseur Paul McGuigan zumindest anfangs gar nicht mal so unbeholfen.

I, Frankenstein kann sich mal generell schleunigst verstecken – auf ein solch schlampiges Niveau begibt sich dieser Film dann doch nicht hinab. Dennoch hätte man einiges besser machen können. Das Mindeste wäre gewesen, sich vom Getöse eines Van Helsing von Stephen Sommers zu verabschieden. Diese Verfilmungen zeitloser Spukklassiker haben allesamt nicht gelernt, was es heißt, die Essenz der Geschichten zu erfassen. Dabei geht es weder bei Dracula, noch bei Frankenstein, noch bei anderen Gothic Horror-Novels nur um das plakativ Monströse, sondern um die Psychologie ihrer Figuren. „Harry Potter“ Daniel Radcliffe bemüht sich sichtlich, seine Rolle des gequälten Igor bravourös zu meistern. Nun, er bemüht sich. Zwischen all dem farbintensiven, viktorianischen Ausstattungskitsch schafft er es gerade noch, seine Darstellung nicht der Lächerlichkeit preiszugeben. Ein bisschen unfreiwillig komisch ist seine Figur schon, allerdings – grotesk darf sie ja sein. Und James McAvoy kann dem Anspruch, eine zerrissene, äußerst schwierige Person wie Dr. Frankenstein darzustellen, leider nicht genügen. Auch er verkommt in seinem Versuch, den wirren Wissenschaftler zu einer salonfähigen popkulturellen Ikone umzugestalten, zu einer bemitleidenswert lächerlichen Geisterbahnfigur ohne psycho-logischer Nachvollziehbarkeit in seinem Tun. Somit geistern beide durch ein von unheilvollen Gewittern und blubbernden Gefäßen angereicherten Comic-Strip, der noch dazu die falsche Geschichte erzählt. Wie jeder Kenner des Gruselklassikers weiß, endet das eindrucksvolle literarische Drama in den eisigen Welten der Arktis. Dr. Frankenstein, gejagt von seiner eigenen Kreatur, die nichts Anderes will als geliebt zu werden. Abgesehen davon, dass die Figur des Igor in der Buchvorlage ja gar nicht mal vorkommt. Aber Igor, bereits virtuos dargestellt von Glupschauge Marty Feldmann, sind wir bereits seit Mel Brooks´ Frankenstein junior gewohnt. Doch was macht McGuigan aus dem Rest, aus dem Kern der Geschichte? Seine Chronik des Gottspielens gebiert ein böswilliges Monster, das es zu vernichten gilt. Und damit hat es sich. Dabei wird nicht mal klar, ob es sich bei dem ganzen reißerischen Szenario um ein Prequel handelt oder nicht. Was ja letzten Endes auch egal ist. Victor Frankenstein ist ein anfangs schön anzuschauendes, im Stile des Gothic-Horrors kreiertes Monstermärchen, das später in völlig überzogenem Schauspiel am wirklich griffigen, tieferliegenden Kern der Thematik vorbeiächzt, um spätestens bei der Erschaffung des Monsters jeden Reiz zu verlieren. 

Misslungenes Gruselkino, das gegen Kenneth Branaghs Mary Shelley´s Frankenstein wie eine platte Praterattraktion daherkommt. 

Victor Frankenstein

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