The Mechanic: Resurrection

DER AUSTAUSCHBARE

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mechanic

Wie funktioniert eigentlich das Drehbuchschreiben bei einem Actionfilm? Hat man da erstmal alle Actionszenen im Kopf, die man gerne machen will? Alle Stunts, die man ausführen, alle Sets, die man explodieren lassen möchte? Könnte sein. Und dann? Ja, dann ordnet man diese unter dramaturgischen Gesichtspunkten entsprechend an und flickt dazwischen eine Geschichte ein. Das macht dann nichts, wenn die Handlungsstränge so sehr verbogen werden, dass sie eine Actionszene mit der anderen verbinden. Das klingt irgendwie nach Pfusch. Und ist es auch.

Nach ähnlichem Tutorial dürfte der zweite Teil der Auftragskiller-Action mit der lakonischen Halbglatze Jason Statham entstanden sein. Dabei hat sich der deutsche Regisseur Dennis Gansel für dieses Abenteuer verpflichtet. Jemand, der bereits durchaus handwerkliches Geschick bewiesen hat, wie zum Beispiel in der Neuverfilmung von Morton Rhues Die Welle. Doch wie so oft hängen Drehbuch und Regie sehr eng zusammen. Und für den Inhalt kann man Gansel nicht wirklich belangen.  The Mechanic: Resurrection nimmt zwar gleich von Anbeginn an ziemlich Fahrt auf, verheddert sich aber wie eingangs erwähnt in einem kruden Setzkasten billigster Versatzstücke, die auf Biegen und Brechen versuchen, das Geschehen von einer Keilerei zur nächsten voranzutreiben. Nicht nur einmal stellt sich die Frage des Warums, und im Kopf des Betrachters rattern bereits Handlungsalternativen dahin, die für das Szenario viel plausibler gewesen wären. Abgesehen davon ist der Expendable Statham ein für ausgedehnte Langeweile sorgender, weil unkaputtbarer Elitekämpfer, dem man außer Fesselspielen nichts wirklich anhaben kann. Sich die Kampfmaschine zum Feind zu machen, allein das entbehrt nicht einer gewissen Dummheit, die der Bösewicht an den Tag legt, übrigens wieder mal in feinster Stereotypie dargestellt und vorhersehbar wie das Wetter zu Weihnachten. Ob einen afrikanischen Diktator im Knast oder einen Waffenhändler im eigenen Swimming Pool – Statham schafft sie alle. Und das ist kein Spoiler, weil ohnehin klar. Langsam wird es an der Zeit, auch für den Chuck Norris des neuen Jahrtausends witzige Zweizeiler zu kreieren. Und nebenbei ziert Jessica Alba in absolut talent- und schulterfreier Aufmachung die bessere Seite des Haudegens, da ja nicht nur martialische Schauwerte, sondern auch weibliche Reize den routiniert-belanglosen Actioneintopf erst so richtig komplettieren sollen.

Bei aller Liebe zu Jason Statham und seinem ersten Auftritt als Arthur Bishop – hier haben die Macher von The Mechanic: Resurrection viel zu sehr mit den affektierten Largo Winch-Eskapaden aus dem Frankenreich geliebäugelt. Diese aalglatten Actionfilme hat man ob ihrer relativ ungriffigen, vorhersehbaren Nachahmerei unerreichbarer Vorbilder schnell wieder vergessen. Und dasselbe Schicksal wird auch der zweite Aufguss von The Mechanic ereilen. Ein schlecht durchdachter Actionfilm im Stile der 80er, aber ohne dem augenzwinkernden Retro-Charme von Sylvester Stallones Altherrenbande. An dem vieles gefällig wirkt, aber nichts wirklich Sinn macht. Was da vielleicht noch überbleibt, ist Tommy Lee Jones in einem gegen sein Image gebürsteten Cameo-Auftritt eines schwulen Waffenschmugglers, der ebenfalls auf der unfreiwillig auszuführenden Todesliste Stathams steht. Ihn vergisst man vielleicht nicht so schnell.

The Mechanic: Resurrection

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