Hope (2026)

ALIENS MIT WUT IM BAUCH

5/10


Jung Ho-yeon als wehrhafte Polizistin in Hope
© 2026 Polyfilm


LAND / JAHR: SÜDKOREA 2026

REGIE / DREHBUCH: NA HONG-JIN

KAMERA: HONG KYUNG-PYO

CAST: HWANG JUNG-MIN, ZO IN-SUNG, JUNG HO-YEON, UM MUN-SUK, ALICIA VIKANDER, MICHAEL FASSBENDER, TAYLOR RUSSELL, CAMERON BRITTON U. A.

LÄNGE: 2 STD 40 MIN



Ein bisschen brennen die Zwiebeln. Letzten Sonntag ging das renommierte Slash Filmfestival nämlich zu Ende. Andererseits: Endlich wieder mehr Zeit, um sich anderem zu widmen, wie zum Beispiel dem Schreiben von Reviews. Ich gehe das Ganze chronologisch durch und bin eben bei Hope gelandet, dem wohl meist erwarteten Film des ganzen Festivals. Ein wuchtiges Action-Brett der Science-Fiction, uraufgeführt in Cannes und sehr bald auch regulär im Kino zu sehen.

Diese Erwartungshaltungen, die mit so manchen Werken einhergehen, ohne ihnen von der Seite zu weichen, legen auch ohne inszenierten Hype die Latte hoch – und oft passiert es, dass die Vorfreude einem gewissen Wohlwollen weicht, das mit einer Ernüchterung klarkommen muss, die man nicht wegreden kann.

Es muss nicht immer Metropolen treffen

Hope ist ein zweischneidiges Schwert, die eine Seite scharf geschliffen, die andere stumpf, und zwar so, als hätte man ausgiebig auf irgendetwas eingedroschen. Vom Eindreschen verstehen die fremdartigen Wesen in diesem Spektakel übrigens ziemlich viel. Und alles beginnt, als hätte Matt Reeves Cloverfield Sehnsucht nach dem fernen Osten.

Aller Anfang ist eine tote Kuh, die auf der Landstraße liegt. Wodurch dieses arme Nutztier das Zeitliche gesegnet hat, darauf kann sich keiner einen Reim machen. Nächstliegende Annahme: Ein Tiger treibt in den Wäldern sein Unwesen, doch das stellt sich als müder Versuch heraus, all das Unnatürliche zu erklären, das sich in niederschmetternden Ereignissen immer weiter und weiter hochschraubt.

Alle sind wir gleich schlau

Es gibt diese drei Ausgangslagen im Geschichtenerzählen – je nachdem, wovon sie handelt, kann das Publikum genauso viel wissen wie der Protagonist, weniger als dieser und deutlich mehr. Zu Beginn sind wir genauso schlau wie der um sein Leben rennende und keuchende und in totalem Extremzustand befindliche Polizeibeamte Bu-Seok, der seiner Pflichterfüllung auch unter widrigsten Umständen folgt.

Na Hong-Jin (The Yellow Sea, The Wailing – Die Besessenen) spielt – und das macht Monsterfilme wie diese so interessant – die Suspense-Karte aus. Er enthält uns den Aggressor lange Zeit vor – bis die Katze aus dem Sack hüpft und der atemlos inszenierte Wahnsinn mehrere Zähne zulegt. Was dem Filmemacher dabei gelingt, gerät zum Besten, was das asiatische Actionkino derzeit zu bieten hat.

Extraterrestrische Tobsucht

Diese geballten knapp 60 Minuten sind ein Schulbeispiel dafür, wie man Bewegung, Zerstörung und psychologisches Drama ineinander verzahnt, um eine Katastrophe nicht nur zu behaupten, sondern sie auch fühlbar werden zu lassen. Mit diesem Wow in Gedanken und auf den Lippen gelangt man aber nicht bis ganz an das Ende dieses energiegeladenen Reißers, der auf Kosten des Pacings gerade dann eine Pause einlegt, wenn sich viele dafür entscheiden, abzuspringen oder dranzubleiben. Sitzt man im Kino, bleibt man natürlich dran. Denn nicht nur Hope ist Schauplatz des Geschehens, sondern auch der Wald. Auf diese Weise zerfällt Hope in zwei Teile, die dann am Ende wieder zueinanderfinden, zwischendurch aber seltsam unverbunden wirken.

Gleich ein ganzes Universum

Na Hong-Jin hat sich sichtlich inspirieren lassen von anderen, international renommierten Filmemachern wie James Cameron, der mit seinem Avatar-Universum nun schon in die dritte Runde ging, und abgesehen von wieder mal grandiosen Schauwerten auf der Stelle trat. Na Hong-Jin, der seit 10 Jahren keinen Film mehr gemacht hat, dürfte diese Möglichkeit, ein ganzes Universum loszutreten, so sehr gereizt haben, dass nun das passiert ist: Ein vollkommen unfertiger erster Film, der ganz bewusst alles, was die Story zu erzählen hat, offen lässt. Wie das Fragment einer abgestürzten fliegenden Untertasse hängt dieser Science-Fiction-Himmelskörper zwischen den Ästen. Mit ihm all diese mächtigen, riesigen extraterrestrischen Gestalten, die ihr Äußeres verändern können und die in humanoider Gestalt von Alicia Vikander und Michael Fassbender gespielt werden, per Motion-Capture, wie Zoë Saldana und Sam Worthington auf dem Planeten Pandora. Selbst diese Kreaturen wirken teilweise unfertig, nicht ganz durchdacht. In tierischem Zustand gelingt das besser.

Die Ernüchterung kommt zum Schluss

Mit dieser Entscheidung und einer angerissenen Lore, die völlig sinnlos Minuten vor dem Ende tiefer in die Welt der Aliens eintauchen will, nimmt sich Hope die Chance, ein einmaliges und in sich rundes Kino-Phänomen zu werden. Wie eine Geode, die entzweibricht, erhalten wir nur eine Hälfte, bei der anderen ist nicht mal fix, ob sie sich noch finden lässt. Zweieinhalb Stunden wären Zeit genug gewesen, sich als Parabel auf menschliche Xenophobie zu konzentrieren. Stattdessen vergeudet Na-Hong-Jin immer wieder Zeit damit, das Actionfass zum Überlaufen zu bringen und sich mit den Verdauungsproblemen eines Augenzeugen aufzuhalten, nur um komisch zu sein. Fragt sich nur, wofür. Wofür dieses Timing?

Hope verpasst nicht den Absprung, sondern springt zu früh ab. Wohin die Reise ohne uns geht, bleibt unbekannt. Wie unbefriedigend, Dinge wie diese nicht zu Ende zu bringen.

Hope (2026)

Mayday (2026)

AUFWÄRMEN IM KALTEN KRIEG

7/10

 

Maria Bakalova, Kenneth Branagh und Ryan Reynols auf der Flucht in Mayday
© 2026 Apple

 

LAND / JAHR: USA 2026

REGIE / DREHBUCH: JOHN FRANCIS DALEY, JONATHAN GOLDSTEIN

KAMERA: BARRY PETERSON
CAST: RYAN REYNOLDS, KENNETH BRANAGH, MARCIN DOROCIŃSKI, MARIJA BAKALOWA, DAVID MORSE, CLARK JOHNSON, WENDY CREWSON, LOUIS CANCELMI, JOSH HAMILTON U. A. 

LÄNGE: 1 STD 50 MIN



Russland ist ein schönes Land, ho ho ho ho ho… Wie ging noch gleich dieser alte Hadern aus den Siebzigern von Dschingis Khan? Das Lied nennt sich Moskau und irgendwie hört man beim Betrachten des Films Mayday ganz fern im Oberstübchen diese Melodie mitsamt der kitschigen Lyrics.

Die politische Buddy-Komödie im Wandel der Zeit

Was einem noch dazu einfällt? Arnold Schwarzenegger. Der hat in den Achtzigern in Walter Hills Red Heat einen Haudegen namens Ivan Danko gegeben. Na klar, der Ivan! Auf ein Packerl, wie man auf gut österreichisch sagt, muss er sich im Laufe der verzwickten Handlung mit James Belushi hauen, der natürlich, mental völlig anders geartet als der Russe aus dem Kalten Krieg, das ganze krasse, liberale und sündige Amerika verkörpert. Das Feindbild Nummer eins also, und dennoch müssen beide Mächte, symbolisiert durch bekannte Gesichter, an einem Strang ziehen.

Das war vor 38 Jahren! Hat sich also irgendetwas zwischen Russland und Amerika verändert? Nicht, wenn man die Zeit zurückdreht. In diesem Fall machen das John Francis Daley und Jonathan Goldstein (Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben), die auch noch gleich das Drehbuch dazu geschrieben haben – aus einem Guss ist immer besser. Wir schreiben das Jahr 1987, ein Jahr später wird Schwarzeneggers Ivan-Figur die Leinwand stürmen, und der Dekaden-Blockbuster schlechthin, nämlich Top Gun, ist auch ein Jahr nach seiner Kinopremiere immer noch in aller Munde.

Hilf dir selbst, sonst hilft dir der Russe

So viel Eier wie Tom Cruise hat auch Ryan Reynolds. Er ist Troy „Assassin“ Kelly, ein Fliegerass natürlich, und einer, der weiß, wie man Risiken eingeht. Bei einer Spionagemission wird dieser jedoch vom Himmel geholt und landet mehr oder weniger kopfüber im russischen Forst.

Welch ein Glück, dass Brite Kenneth Branagh gleich in der Nähe weilt. Der gibt diesmal, sichtbar weniger Muki-Bude und knallharte Mine, das Abziehbild eines rustikalen Waldschrats weitab vom Schuss, der als ehemaliger russischer Geheimagent der Einsamkeit frönt. Irgendwie muss Kelly wieder freundliches Terrain erreichen, und so wie in Red Heat muss der ami-begeisterte Ex-KGB-Profi mit dem „Feind“ gemeinsame Sache machen, wenn er seine Haut retten will.

Der Shakespeare-Afficionado mal ganz anders

Wer hätte gedacht, dass Kenneth Branagh so viel Spaß an dieser Rolle hat? Und wer hätte gedacht, dass dieser Rauschebart den ganzen Film lang hält? Ich jedenfalls nicht. Umso mehr macht es Laune, den unscheinbaren Gutmenschen aus der Tundra dabei zuzusehen, wie er seine Fäuste schwingt und zwischendurch auch mal über die Lage der Nationen nachdenkt.

Branagh kann also Actionkomödie und nicht nur Shakespeare (oder Harry Potter). Über Ryan Reynolds situationskomisches Talent braucht man aus meiner Sicht kaum streiten. Die Ulknudel kann er wie John Cena, und dennoch bleibt auch er zwischendurch aufgeräumt ernsthaft bei der Sache, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen.

Fast schon sowas wie Lachgarantie

Diesen Mix, den Walter Hill damals so gut konnte – eben zwischen kerniger Action und Bromance – den hat man lange vermisst. Mit Mayday kehrt das Retro-Kino, auch wenn sich der Film stilistisch nicht Retro anfühlt, zumindest aus konzeptioneller Sicht zurück.

Lachen ist in Mayday also nicht nur für unsereins als zusehende Partei in Zeiten wie diesen richtig gesund, und auch die versöhnliche Tonalität unterstreicht die cartoonhafte Annäherung zwischen West und Ost. So einfach kann es gehen, und das Streaming-Kino zelebriert die unbekümmerte Naivität handwerklich solider Hemdsärmeligkeit aus einem medienreduzierten Damals, als man noch die Wählscheibe drehen musste.

Mayday (2026)

Kraken – Erwachen der Tiefe (2026)

SALZIGE UMARMUNGEN

5/10


Sara Khorami duckt sich vor dem Kraken
© 2026 Splendid Film


LAND / JAHR: NORWEGEN 2026

REGIE: PÅL ØIE, SJUR AARTHUN

DREHBUCH: VILDE EIDE, NATASHA ARTHUR, KJERSTI HELEN RASMUSSEN

KAMERA / SCHNITT: SJUR AARTHUN

CAST: SARA KHORAMI, MIKKEL BRATT SILSET, INGVILD HOLTHE BYGDNES, ØYVIND BRANDTZÆG, JENNY EVENSEN, HANS MORTEN HANSEN, SILJE BREIVIK U. A.

LÄNGE: 1 STD 34 MIN



Zeig dich doch!

Monster nur peripher oder gar nicht vor die Kamera zu holen – nun, da hat Ridley Scott bewiesen, dass so etwas geht. Seine Alien-Kreatur sieht man im Original gerade mal ein paar Minuten, wenn überhaupt. Und dennoch ist dieses Wesen omnipräsent, obwohl man gar nicht mal so genau weiß, wie es aussieht. Hinter jeder Ecke hätte es lauern können, und ja, genau so wars dann auch. Übrig blieb nur Sigourney Weaver als legendäre Ripley, und erst im Showdown wird klar, womit man es eigentlich zu tun hat.

Ridley Scott ist das deswegen gelungen, weil er die Idee eines unberechenbaren Monsters im Kopf der Zuseher aufbauen konnte. In der Fantasie ist schließlich alles umso schrecklicher, je weniger man weiß. Auch Gareth Edwards konnte in seinem fulminanten Extraterrestric-Wildlife-Drama Monsters zeigen, wie sehr es gelingen kann, eine potenzielle Gefahr in der Geschichte alles, den ganzen Schauplatz, einfach nur durch die Möglichkeit, dass es sie gibt, durchdringen zu lassen.

Keine Ruh‘ hat man als Weichtier!

In Kraken von Pål Øie und Sjur Aarthun geschieht das nicht. Und das, obwohl man weiß, wie Kraken aussehen. Dieser Koloss von einem Weichtier schlummert inkognito im Sognefjord vor sich hin, keiner weiß wie lange schon, doch vermutlich ist diese Kreatur wahnsinnig alt, was die Vintage-Nachrichten zu  Beginn des Filmes belegen sollen. Da hat ein Bursche namens Olav Kryptozoologisches zu berichten – von seltsamem Nebel und einem monströsen Schatten.

Jahrzehnte später wird dieses Tier gestört – von einer Erfindung, die sich Sonic Lice nennt und als Schallwaffe die Lachse einer Zuchtfarm von Läusen freihalten soll. Schlecht justiert, lässt dieses Geräusch alle mögliche Meereslebewesen durchdrehen, auch den Koloss in der Tiefe, der die Dauerbeschallung satt hat und die acht Ärmel hochkrempelt, um Tabula Rasa zu machen. Die Belegschaft der Farm versucht, dem Kollateralschaden zu vertuschen, während Meeresbiologin Johanne der Gefahr relativ nahe kommt.

So fummeln Kraken

So richtig Schwung kommt nicht in die Sache, Lachsläuse hin oder her. Der Krake mag im Wasser lauern, fühlt sich aber nicht präsent an. An diesem Fjord spielt sich so einiges ab, auch Umweltschützer sind drauf und dran, diese Geräuschbojen zu sabotieren. Doch der Krake kann nicht so recht zwischen Gut und Böse unterscheiden. Seine Arme können das noch weniger, auch wenn sie jeweils eigene kleine Gehirne haben. Irgendwann, und das erst sehr spät, stochern jede Menge schleimige Extremitäten die schiffsähnlichen Gänge der Fabrik entlang, Saugnäpfe hier, Saugnäpfe da, doch das große Ganze war den Filmemachern dann doch zu viel Aufwand.

Szenenweise können durchaus Assoziationen zu The Abyss oder Underwater – Es ist erwacht erweckt werden, der Monsterhorror zieht dann auch – auf die möglichst generische Art und Weise. Und ist mal kein dicker Fangarm im Weg, tun‘s gigantomanische Läuse dann auch. Sie muten an wie Pfeilschwanzkrebse, haben aber einen anderen Sinn von Humor als diese.

Die Natur und ihre Moral

Kraken – nicht zu verwechseln mit einem anderen Film gleichen Titels, und zwar einem russischen, in dem ein U-Boot gegen ein anderes dieser Kreatürchens kämpft, der aber noch weniger kann als die norwegische Ausgabe – bietet klassisches „Wir schaden der Natur – die Natur schlägt zurück“-Kino, wo immer einer oder eine im Ensemble längst alles besser weiß. Den Profitgeiern steht das Wasser höher als bis zum Hals, Mutter Erde ist eben moralisch. Und so ergötzt man sich zumindest ein paar Sekunden lang an einem Monster im Licht der Leuchtraketen. H. P. Lovecraft würde sagen: „Ein dicker, fetter Cthulhu“. Vielleicht ist er das ja auch, vielleicht aber ist es nur ein Prozent von den vielen, die zu den unbekannten Regionen dieser Weltmeere zählen.

Kraken – Erwachen der Tiefe (2026)

Worldbreaker (2025)

WARTEN AUF MILLA JOVOVICH

1/10

 

Luke Evans und Filmtochter Billie Boullet waten in Worldbreaker auf Milla Jovovich
© 2026 Alive AG

 

LAND / JAHR: USA, VEREINIGTES KÖNIGREICH 2025

REGIE: BRAD ANDERSON

DREHBUCH: JOSHUA ROLLINS

KAMERA: DANIEL ARANYÓ

CAST: BILLIE BOULLET, LUKE EVANS, MILLA JOVOVICH, MILA HARRIS, KEVIN GLYNN, CHARIS AGBONLAHOR U. A.

LÄNGE: 1 STD 35 MIN



Die Guten ins Töpfchen…

Ja stimmt, es gibt zuhauf schlechte Filme, die muss man gar nicht erst sehen, um zu wissen, dass die Synopsis des einen oder anderen Machwerks schamlos von Genreperlen abkupfert oder einfach nur marktschreierisch und um Effekte haschend das schnelle Geld machen will. Ein Durchforsten der Streamingplattformen macht schwummrig, vielleicht auch ein bisschen gesättigt von all dem gleichen Schmus – es ist wie Doomscrolling mit der Fähigkeit, die Apokalypse im Hirn und in der Raumzeit des Sinnhaften nochmal abzuwenden.

Milla und ihre Apokalypsen

Was Apokalypsen betrifft, so könnte auf den ersten Blick ein Film wie Worldbreaker ganz interessant sein. Wenn man auf Milla Jovovich abfährt – und auch, wenn man das nicht tut –, zumindest aber auf Resident Evil oder In the Lost Lands mit Dave Bautista, könnte man mit dem neuen Film von Brad Anderson, der ja durchaus schon mal die eine oder andere bemerkenswerte Arbeit vom Stapel hat lassen, zwei Stunden Monster-Endzeit genießen, oder?

Seltsam nur, dass ein Titel wie Worldbreaker nur dann greifbar wird, wenn man länger auf Film-Plattformen herumstöbert, und da vorzugsweise in der Kategorie Home Cinema. Aha, denke ich mir, Milla Jovovich macht, was sie immer schon gut konnte, nämlich die Waffen erheben gegen vielbeinige Riesenspinnen oder arachnoide Zentauren.

Die Gute schwingt noch dazu ein Schwert, was das Fantasy-Herz höher schlagen lässt. Schließlich ist auch Luke Evans dabei – der hat doch vor einiger Zeit den Ober-Vampir verkörpert? Stimmt, Vlad Dracul, und zwar in Dracula Untold. Auch nicht schlecht, probieren kann man’s ja, obwohl Worldbreaker auf Wikipedia fast totgeschwiegen wird.

Leere Versprechungen

Und dann? Ja, dann passiert das: Und zwar alles, nur das nicht, was man erwartet hätte. Ein innovatives Abenteuer, zum Bersten voll mit Monster-Action, gefälligem Pathos, auf das man aufspringt und eine sich windende Spannung? Mitnichten.

Das satte Grün irischer Plateaus, die in eine spektakuläre Küstenlandschaft übergeht – a hat sich jemand als Location-Scout bewiesen, das nenne ich mal Schauplatz für mächtig Drama und mächtig Thrill. TV-Darstellerin Billie Boullet, zu sehen in der Serienversion von Man on Fire, rückt auch hier ins Bild.

Die junge Dame scheint schon viel erlebt zu haben, traumatische Veränderungen, den Reiz der Selbstverantwortung, unterdrückte Furcht. Da steht sie, zähneknirschend und mit entschlossenem Blick, während auch sie ihr Schwert zieht. Aus dem Off hören wir Luke Evans bedeutungsschwere Stimme. Der Mut dieses Mädchens wird in die ungeschrieben Annalen der Postapokalypse eingehen.

Warten hat so was Vorherhsehbares

Dann aber springt die Zeit zurück, schließlich weiß man noch nicht, wovon diese Geschichte eigentlich handelt. Doch das macht nichts. Nach ungefähr zehn Minuten ist klar, wie und wohin sich das ganze Szenario entwickeln wird. Worldbreaker hält das Zepter der Vorhersehbarkeit so hoch, als wäre es ein Leuchtturm für alle, die als Skriptautoren und Autorinnen die noch nicht verfasste eigene Story weniger trivial gestalten wollen.

Milla Jovovich, so erfahren wir bald, ist nur des Marketings wegen mit an Bord, eine Randfigur wie einst Bruce Willis in so manchem B-Movie-Thriller seiner späteren Karriere. Die meiste Zeit leben Billie Boullet und ihr Rauschebart-Daddy auf einer einsamen kleinen Insel und harren der Dinge, während Mama Jovovich auf Irland gegen Ungetüme aus dem Erdinneren kämpft. Was wir leider nicht sehen.

Der ganze Film eine Nebenhandlung

Ja, wo sind sie denn, diese Viecher? Die kommen schon noch. Oder auch nicht. Oder eben unscharf und nur ganz kurz im Hintergrund, weil Brad Andersons Film einfach kein Budget hat oder das Budget gekürzt wurde, weil Weltwirtschaftskrise und so.

Stattdessen bleibt uns eine parkourerprobende Heidi und ihr alter Herr, beide schenken sich, was seifige Dialoge angeht, wirklich nichts. Die Hoffnung und die Liebe und all die gedroschenen Phrasen lassen sich leider nicht zu Mehl verarbeiten, um etwas zu beißen zu haben. Denn bissfest ist in diesem Streifen wirklich nichts. Langeweile macht sich breit, Billie Boullets Figur schreckt vor ihrer eigenen Vorahnung zurück.

Mitunter verhübschen gefährliche Mutanten das dröge Geschehen und verpuffen so schnell wie Sternschnuppen. Brad Anderson kann keinerlei Spannung halten, lässt keinen Ehrgeiz erkennen und beschränkt sich die meiste Zeit auf belanglose Jugend-Fantasy ohne Reibung und Raffinesse, die völlig durchhängt.

Das Warten auf Milla Jovovich hat irgendwann ein Ende

Die Lore dieses Films ist so hanebüchen und unausgegoren, der finale Auftritt Jovovichs so lachhaft, die Erwartung so dermaßen unerfüllt und das Ganze so holprig performt, dass selbst das bisschen feministische Grundidee keine nennenswerte Verbesserung bringt. Worldbreaker ist tatsächlich der Tiefpunkt eines Regisseurs, der uns seinerzeit einen kafkaesken Albtraum wie Der Maschinist beschert hat. Nun aber ist der Albtraum eher ungewollt, und die zwei Stunden Lebenszeit unwiederbringlich.

Worldbreaker (2025)

In the Grey (2026)

IST PLANUNG WIRKLICH ALLES?

5/10


Eiza Gonzáles, Henry Cavill und Jake Gyllenhaal in Guy Ritchies Film In the Grey
© 2026 LEONINE Studios / Constantin Film Österreich


LAND / JAHR: VEREINIGTES KÖNIGREICH, USA 2026

REGIE / DREHBUCH: GUY RITCHIE

KAMERA: ED WILD

CAST: EIZA GONZÁLES, HENRY CAVILL, JAKE GYLLENHAAL, ROSAMUNDE PIKE, FISHER STEVENS, CARLOS BARDEM, EMMETT J. SCANLAN, KRISTOFER HIVJU, CHRISTIAN OCHOA, KOJO ATTAH U. A.

LÄNGE: 1 STD 38 MIN



In die Höhle des Löwen steigt man nicht einfach so. Jedenfalls nicht, wenn man sich Profi nennen und nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen will. Lebensmüden Abenteurern ist das vermutlich egal, Touristengruppen auch, die verlassen sich auf den Baedeker. Geldeintreiber ziehen die Sache etwas anders auf. Eiza Gonzáles ist so jemand. Eine, die von den ganz bösen Buben die Knete will, die sie anderen schulden – und keinen Grund sehen, ihren Kredit zu begleichen.

Männer bei Fuß

So eine Höhle des Löwen ist nichts, wo die adrette Mexikanerin alleine hingeht. Als Entourage links und rechts von ihr fungieren zwei Mannsbilder, mit denen man sich nicht anlegen will, so böse man auch sein mag. Und nein, es sind nicht Bud Spencer und Terence Hill, auch nicht Tony Curtis und Jack Lemmon, sondern der Prinz von Persien und niemand geringerer als Superman: Jake Gyllenhaal und Henry Cavill, beide sauber mit Dreitagebart, unauffälligem Peek & Cloppenburg-Outfit und darunter Nerven wie Drahtseile. Hier tragen sie die Hundenamen Sid und Bronco. Und ja, mit so jemanden kann Frau auch in Verhandlungen treten, denn die Pläne B, C und D sind geschmiedet.

Bereiten wir uns mal vor

Wir befinden uns In the Grey nicht nur in besagter Grauzone, denn so, wie Gonzáles Figur der Rachel Wild, die von ihren „Bluthunden“ auch des öfteren Ma‘am genannt wird, ans Geld der anderen kommen will, hätte das Gesetz wohl noch einiges zu beanstanden. Wir befinden uns auch auf einer Insel vor Spanien, auf Salazars Insel, auf der Javier Bardems Bruder Carlos als milliardenschwerer Unterweltboss die Übersicht hat – zumindest glaubt er das. Diesem Mann soweit die Hähne abzudrehen, dass er willig wird, das diplomatische Geschäftsgespräch zu suchen – dazu braucht es viel, wirklich viel Vorbereitungszeit und viele kleine Missionen. Viele Tests, viel Training, viel, ganz viel Planung.

Die Zeit drängt. Also beeilt euch.

Wie viel Zeit hat Guy Ritchie? Wir schauen auf die Stoppuhr: genau 98 Minuten. Also schnell, schnell – und am besten alles gleichzeitig. Also beginnt Eiza Gonzáles, aus dem Off zu erzählen, wie die Welt, also die ihre und die ihrer Branche – funktioniert. Nebenher dürfen Gyllenhaal und Cavill inkognito irgendwo auf der Welt die ersten Strippen ziehen und den großen Gangsterboss zum Weinen bringen. Zack, zack, zack, und Gonzáles spricht immer noch. Mitschreiben kann man dabei getrost vergessen, irgendwas wird schon hängenbleiben, denn in Wahrheit ist Ritchies Inkasso-Action sowieso nur halb so komplex wie sie den Anschein hat.

Planung ist das halbe Leben – oder der halbe Film

Wie muss Ritchie sein Drehbuch gnadenlos gestrafft haben, um diese Spielfilmlänge hinzubekommen! Andere benötigen für diese Sache vielleicht eine ganze Serienstaffel, der Vielfilmer, der sich irgendwann von seinen stilsicheren Qualitäten verabschiedet hat (kaum zu glauben, dass zu seinen Arbeiten Aladdin und Fountain of Youth zählen – der erste ist zumindest kurzweilig, der zweite eine Katastrophe), schafft das im Rekordtempo.

Und bevor das ganze Spektakel rund um diesen Salazar überhaupt erst beginnen kann, hat In the Grey so viel Erklärbedarf, das man versucht ist, das ganze Projekt überhaupt zu hinterfragen. Es braucht schon eine gewisse Dreistigkeit, zumindest ein Drittel des Filmes darauf zu verschwenden, zu demonstrieren, wie all die Fluchtrouten aussehen, die Rachel Wilde von der Insel bringen sollen.

Wann geht es denn endlich los?

Kann sein, dass man den Moment beim Zusehen verpasst. Irgendwann ist man mit unterwegs im von Henry Cavill gesteuerten Buggy, während links und rechts Projektile explodieren. Langweilig wird einem dabei zwar nicht, die ganzen Planungsdetails will man sich aber auch nicht merken. Und so ist es völlig egal, was passiert und was andere schwafeln – es ist wie bei so manchem Meeting, wo nach zwei Stunden wohl nur die letzten zehn Minuten relevant genug sind, um weitere Schritte darauf aufzubauen. Doch das ist ein anderer Film – der erst erklärt werden muss.

In the Grey (2026)

Normal (2025)

WER ZUM SCHWERT GREIFT…

3,5/10

 

Bob Odenkirk als Sheriff im Actionfilm Normal von Ben Wheatley© 2026 Leonine Studios

 

LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: BEN WHEATLEY

DREHBUCH: DEREK KOLSTAD

KAMERA: ARMANDO SALAS

CAST: BOB ODENKIRK, LENA HEADEY, HENRY WINKLER, BRENDAN FLETCHER, JESS MCLEOD, BILLY MACLELLAN, RYAN ALLEN, PETER SHINKODA U. A.

LÄNGE: 1 STD 30 MIN



Es gibt kaum eine bessere Serie seit es das Fernsehen gibt: Breaking Bad. Und es gibt kaum ein Spin Off, das dieser Qualität des Erzählens so dermaßen nahe kommt: Better Call Saul. In beiden Formaten spielt Bob Odenkirk eine tragende Rolle, er ist der Winkeladvokat, das eloquente Schlitzohr, der blitzgescheite Tausendsassa, der es sich lange Zeit so richtig richtet. Was für eine Ambivalenz Sympathie und Verbrechen unter einem Hut entfachen können,  muss man tatsächlich gesehen haben.

Vom Winkeladvokaten zum Nobody

Doch jetzt, jetzt ist Odenkirk von seinen Serienverpflichtungen entbunden. Von dort ist es ein vielleicht gar nicht so weiter Weg ins Spielfilmfach. Doch Obacht: Schnell wird man in eine Genre-Schublade verfrachtet, weil vielleicht die Kassen nur dort ausreichend klingeln. Mit Nobody stellt sich Odenkirk als Otto Normalverbraucher mit Jason Statham-Vergangenheit richtig bösen Buben entgegen. In Nobody 2 macht er das schon wieder, und in beiden Fällen bleibt der von ihm dargestellte Charakter wenig plausibel.

Nicht, dass es dabei an seinem schauspielerischen Können liegt. Odenkirk ist ein sympathischer Kerl, doch eine Actiongranate würde man hinter diesem einnehmend gefälligen Blick nicht vermuten. Gut, vielleicht liegt darin ja der Witz, dass dieser Normalo alles andere als normal ist – eine unterschätzbare, wandelnde Mysterybox.

Was bewegt Ben Wheatley?

Womit wir bei Normal wären, einer etwas anderen Projektil- und Pyrotechniksause, die weniger mit Fäusten und geerdetem Martial Arts daherkommt wie eben Nobody, sondern sich fast nur auf Fernwaffen verlässt, die allesamt gezückt werden, wie im Lagerhallen-Gemetzel Free Fire mit Brie Larson und Armie Hammer. Womit wir bei Ben Wheatley wären – einem Filmemacher, dessen Projektwahl ich nach wie vor nur schwer einschätzen kann und der sowohl die Neuverfilmung von Rebecca zu verantworten hat als auch den Mega-Hai-Nonsens Meg 2: Die Tiefe mit Jason Statham. Wie jetzt? Bewusst im Edeltrash fischend, weil man mit dem Händchen eines Autorenfilmers etwas Besonderes daraus machen könnte? Wäre eine Option gewesen, zumindest klang sie originell, das Refreshing ist aber nicht passiert: Meg 2 war maximal solide und dabei völliger Durchschnitt. Hat Wheatley denn überhaupt irgendwelche besonderen Vorlieben an Themen, die er umsetzen möchte?

Vom Nobody zum Normalo?

Schwer zu sagen, doch etwas scheint ihn dann doch nicht ganz loszulassen: Der Waffenwahnsinn. Neben bereits erwähntem Free Fire, der immer noch und vergeblich nach seiner eigenen Existenzberechtigung sucht, ist die neueste Eskapade wohl ein Film, der Bob Odenkirk nun vom Nobody zum Normalo werden lässt – an sich ja schon ein Aufstieg, mit dem man zufrieden sein kann. Und Odenkirks Figur, die ist es.

Er mimt einen Interims-Sheriff in einem verschneiten Kaff im mittleren Westen, welches tatsächlich den titelgebenden Namen trägt und auch so tut, als wäre es nichts anderes als das. Auch er selbst achtet möglichst darauf, die Füße still zu halten und sich mit jedem zu arrangieren. Vorallem eines ist da ganz wichtig: Freundlichkeit und Harmoniebedürfnis.

Erst schießen, dann fragen

Das endet abrupt, als eines Tages die Alarmsirenen läuten, weil jemand die örtliche Bank überfällt. Und dann passiert das, womit wirklich keiner rechnet – am wenigsten der Normalo-Sherriff: Man versucht ihn zu töten. Doch wer ist „man“? Die gesamte Belegschaft des Ortes, denn jede und jeder einzelne hat, obwohl sicher keine Lizenz dafür, das nötige Know-how, um das Feuer zu eröffnen. Es wird darauflos geballert, was das Zeug hält. Und Odenkirk, nicht blöd, schließt sich mit den Bankräubern zusammen, um dieser Übermacht Paroli zu bieten.

Pseudoschnee und nervöse Finger

Ein simpler Plot, der sich irgendwann ad absurdum führt. Eine überschaubare Kulisse, auf der sehr viel Kunstschnee liegt, der selten so wirkt, als wäre er auch wirklich gefrorenes Wasser.
Lässt sich das mittlerweile nicht besser hinbekommen? Die Eigenschaft von Seifenschaum ist in Normal manchmal viel zu offensichtlich, um durchgängig das Gefühl zu vermitteln, hier beißt die Kälte, während alle anderen ins Gras beißen.

Wheatley gelingt eine gewisse Stimmung, die aber, sehnsüchtig nach dem Verschrobenen Ausschau haltend, bei weitem nicht an jene aus Fargo heranreicht. Das liegt mitunter an den austauschbaren Figuren, um die sich Drehbuchautor Derek Kolstad, der für John Wick und auch für Nobody verantwortlich zeichnet, überhaupt nicht bemühen will. Die Bürger der Kleinstadt Normal werden zur Lieblingsfangmeinde der US-Waffenlobby und agieren, als wären sie in einem Promotion-Werbespot für Smith & Wessons oder Remington. Da mag ja schön die Post abgehen, und Wheatley das Ganze satirisch finden.

Mit dem Elch den Ort verlassen

Die maue Story selbst kann die fehlende Intention der Schießwütigen aber nicht lange kaschieren. Die gewissenlosen Tötungsabsichten der Stadtgemeinde (warum tun sie das?) wirkt so aufgesetzt wie einfallslos, und auch Odenkirk fällt zu seiner Figur bald auch nichts mehr ein. Man hätte ja meinen können, dass Lena Headey (die Szene im Pub zählt da noch zu den differenziertesten) mehr aus ihrer Rolle macht, doch auch sie reiht sich nahtlos ein in den platt skizzierten Mob und bleibt uninteressant.

Hinzu kommt die vermaledeite Yakuza. Und ein Elch, der sich dann wieder in den Schneesturm verirrt, weil ihn hier, in Normal, sowieso nichts hält. Dem geht’s wie mir.

Normal (2025)

M3GAN 2.0 (2025)

ROBO-LOLITA GIBT SICH DIE HANDKANTE

6,5/10


© 2025 Universal Pictures

LAND / JAHR: USA 2025

REGIE / DREHBUCH: GERARD JOHNSTONE

KAMERA: TOBY OLIVER

CAST: ALLISON WILLIAMS, VIOLET MCGRAW, AMIE DONALD, IVANNA SAKHNO, ARISTOTLE ATHARI, JEN VAN EPPS, BRIAN JORDAN ALVAREZ, TIMM SHARP, JEMAINE CLEMENT U. A. 

LÄNGE: 2 STD


Wenn die KI der Zukunft keine Terminatoren mehr hat, um sie in die Vergangenheit zu schicken, plündert sie womöglich den einen oder anderen Spielzeugladen, um einer Puppe habhaft zu werden, die genauso austeilen kann wie Alita, the Battle Angel. Die Rede ist von M3GAN, mit herzerweichend großen Augen und Knutschmund, weißen Strümpfen und Lolita-Mini, ein Hingucker für ältere Geilspechte, aber auch für junge Mädels, die in der falschen Welt von Social Media Idealmaßen und sonstigen kruden Stereotypen nacheifern. Da wärs doch gut, in Zeiten juveniler Egomanie eine toughe Freundin an der Seite zu haben, die so aussieht, als wäre sie von einer TikTok-KI zusammengeschustert. M3GAN 1.0 hat diese Aufgabe im erfolgreichen Einstand von Blumhouse noch viel zu ernst genommen. Um die neunjährige Cady, die ihre Eltern verloren hat und nun bei ihrer technikaffinen Tante wohnt, zu beschützen, tut Megan alles, und zwar wirklich alles. Auch anderen Lebewesen tut sie einiges an.

Vom Science-Fiction-Horror ist drei Jahre später nichts mehr zu sehen. Was bleibt, ist Science-Fiction, und eine relativ brandaktuelle obendrein. Da uns alle die Geißel der KI global zum Fortschritt drängt, um unser Leben einfacher zu machen als möglich und gesund wäre, kann der Paradigmenwechsel natürlich nicht spurlos am Filmbiz vorbeiziehen. Hier gibt es bereits einiges, das noch weit vor dem KI-Zeitalter pessimistische Vorausbetrachtungen auf Schiene setzen konnte. Das beginnt schon bei Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum, wenn ein menschenmordender Computer doch nur seine Pflicht erfüllen muss und dabei über Leichen geht. M3GAN 2.0 verbindet mit Bord-Intelligenz HAL 2000 zumindest die Denkweise. Genau das kann uns vielleicht irgendwann gefährlich werden. M3GAN allerdings, anfangs als körperlose KI im Elektronikhaushalt von Gemma (Allison Williams, Get Out) herumgeisternd, dürfte aus ihren Fehlern gelernt haben und auf die gute Seite wechseln, ganz so wie Arnold Schwarzenegger in Terminator 2: Tag der Abrechnung, der allerdings nicht sein eigenes Tun reflektierte, um ein besserer Roboter zu werden, sondern mit gänzlich anderen befehlen im Oberstübchen Mr. Flüssigmetall die Hölle heiß macht. Megan muss in filmischen zeiten wie diesen gegen eine metallene Antagonistin antreten, die noch mehr so aussieht wie ein Mensch und so kämpft wie Kristanna Loken in Terminator 3: Rebellion der Maschinen. Ist das Ganze also eine Parodie auf Filmreihen wie diese?

Jein. Gelegentlich wühlt M3GAN 2.0 im Schrottplatz für wiederverwertbare Robotik-Versatzstücke, jedes Mal mit einem „Wow! – Was hab ich da gefunden!“ unterlegt. Nicht hörbar zwar, aber von entsprechender Tonalität. MEGAN rauscht bald wieder, diesmal etwas größer, durch geheime Laboratorien, gelenkig wie immer und scheinbar kurz davor, die Seiten zu wechseln, denn was weiß man: auch KIs sind launisch. Der augenzwinkernde Humor kommt diesmal nicht zu kurz, und ja, es ist eine Komödie, knallbunt, chromglänzend und vor allem eines: äußerst entspannt. Diese launige Lust am Triezen von allem, was glaubt, am Ende der Fortschrittskette zu stehen und es besser zu wissen, wird auf triviale Weise zum Guilty Pleasure – ohne aber wie die Netflix-Serie Black Mirror tief im verstörenden Horror einer möglichen Zukunft zu wühlen. Gerard Johnstones Film, stark eingefärbt mit dem Kolorit der digitalen Zerstreuung, fühlt sich an wie ein Smalltalk zu brisantem Thema, der in anspruchsloser Spiellaune diverse Worts-Case-Szenarien karikiert. Das passiert völlig unangetrengt und entwischt dabei einem Genre, in dem es thematisch nichts mehr zu holen gibt. M3GAN 2.0 steht dazu – und zuckt nur mit den künstlichen Schultern.

M3GAN 2.0 (2025)

Deep Cover (2025)

NUR NICHT AUS DER ROLLE FALLEN

7/10


© 2025 Amazon Prime Video


LAND / JAHR: VEREINIGTES KÖNIGREICH 2025

REGIE: TOM KINGSLEY

DREHBUCH: BEN ASHENDEN, ALEXANDER OWEN, DEREK CONNOLLY, COLIN TREVORROW

CAST: BRYCE DALLAS HOWARD, ORLANDO BLOOM, NICK MOHAMMED, PADDY CONSIDINE, SEAN BEAN, IAN MCSHANE, SONOYA MIZUNO, OMID DJALILI U. A.

LÄNGE: 1 STD 49 MIN


Vom Elben Legolas ist nicht mehr viel übrig: Orlando Bloom hat sich längst von seiner ikonischen Rolle aus Der Herr der Ringe entfernt und in Filmen mitgemischt, die meist blutig, todernst und kriminell zur Sache gehen. Nach einigen Auftritten im Fluch der Karibik-Franchise als William Turner (nicht der Maler) findet der Brite nun prompt in einem situationskomischen Frontalangriff seine neue jüngste Paraderolle. Denn Komödie, die kann er. Erstaunlich gut sogar. Das aber gelingt ihm vorallem deswegen, weil er sich selbst parodiert, auf die Schaufel nimmt, sein Image des distinguierten Beau mit der selbstironischen Handkantenqualität eines Bad Guy kreuzt und durch eine übertriebene Ernsthaftigkeit so viel Sinn für Humor entwickelt, dass sich selbst Bryce Dallas Howard, die längst schon Erfahrungen im Komödienfach gesammelt hat (darunter Argylle), schwertut, um mitzuhalten. Doch es gelingt ihr, auch dem dritten im Bunde – es ist Nick Mohammed, den einige vielleicht noch nie am Schirm hatten, den Fans der Serie Ted Lasso aber wiedererkennen werden. Alle drei sind in Deep Cover ausgesuchte Außenseiter, verkannte Loser und vom Leben delogiert.

Blooms Figur des Marlon ist ein von allen unterschätzter Schauspieler, der sich gerne mit De Niro und Pacino vergleicht und das Method Acting liebt, will heißen: Niemals aus der Rolle zu fallen. Doch keiner hat auf einen wie ihn gewartet, außer vielleicht Impro-Künstlerin Kat, die schon seit Jahrzehnten im stillen Kämmerlein ihr Kabarettprogramm schreibt und ansonsten bühnenaffines Freizeitvolk im Improvisieren unterrichtet. In diesen Theaterkeller verirrt sich auch der gemobbte It-Experte Hugh, einer mit Null Ahnung, was Pointen überhaupt sind und stets zur richtigen Zeit das Falsche sagt oder umgekehrt. Die drei finden sich bald in einem verdeckten Polizeieinsatz wieder, angeführt von mit Sterberollen gesegneten Sean Bean, der auf unorthodoxe Weise illegalen Zigarettenhandel aufdecken will. Die drei sehen also ihre Chance gekommen, endlich mal zu zeigen, was in ihnen steckt. Und da am wenigsten Orlando Bloom seine andere Identität aufgeben will und die anderen beiden mitziehen, stecken sie bald bis über beide Ohren in den Machenschaften einer Unterwelt, die mit Drogen handelt und unliebsames Gesocks gerne über die Klinge springen lässt.

Den Text studieren oder improvisieren?

Es sei dabei noch einmal erwähnt, wie selbstironisch sich Orlando Bloom durch den Kakao zieht – kaum zieht er seine Show ab, lässt sich das Lachen kaum verkneifen. Im Grunde hätte er den Film auch im Alleingang gerockt, doch vielleicht wäre dann sein üppig präsentiertes Ego gar zu viel des Guten gewesen. Angenehm nüchtern und erst nach mehrmaligem Hinsehen in seiner Darstellung versiert ist Nick Mohammeds introvertierter Komplexler, den alle nur „den Knappen“ nennen. Deep Cover feiert die kreative Spontaneität, ohne aber sein Ensemble selbst improvisieren zu lassen. Wäre es nicht interessant gewesen, Tom Kingsley hätte ein Drehbuch verfilmt, das völlig offen gelassen hätte, wohin die Improvisation die Handlung geführt hätte? Zu viel Experiment, zu unsicher, aber zumindest ansatzweise avantgardistisch. Man hätte unterschiedliche Versionen filmen und interaktiv aussuchen können, wie die drei reagieren. Doch egal, das sind nur Überlegungen.

Das Skript war zwar strikt vorgegeben, wirkt aber dennoch nicht so, als hätten Bloom, Howard und Mohammed alles penibel auswendig gelernt. Die Pointen sind gut gesetzt, die Lust an der traditionellen Kriminalkomödie, die in den Achtzigern ihre Hochzeit feierte, spürbar. Selbstredend darf man sich keine großen inhaltlichen Sprünge erwarten, auch keine Metaebene oder irgendeinen Tiefgang. Deep Cover ist Unterhaltung für Schenkelklopfer und Hirnauslüfter, zeigt Komödie der Komödie wegen und schenkt Bloom den goldenen Clown für den draufgängerischen Mut und einen unerschütterlichen Glauben, mit falschen Identitäten vor den Gefahren dieser Welt gewappnet zu sein.

Deep Cover (2025)

Fountain of Youth (2025)

SCHÄTZE DER WELT UND WIE MAN NICHT NACH IHNEN SUCHEN SOLLTE

3/10


© 2025 Apple TV+

LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: GUY RITCHIE

DREHBUCH: JAMES VANDERBILT

CAST: JOHN KRASINSKI, NATALIE PORTMAN, DOMNHALL GLEESON, EIZA GONZÁLES, CARMEN EJOGO, ARIAN MOAYED, LAZ ALONSO, STANLEY TUCCI U. A.

LÄNGE: 2 STD 5 MIN


Es gibt ein enorm qualitatives Gefälle zwischen Produktionen, die direkt im Stream erscheinen, und jenen, die eine Auswertung in den Lichtspielhäusern ergattern. Hier muss man aber unterscheiden, dass Filme, die anderswo ins Kino kommen, hier in Österreich aber nur digital released werden, nicht zu jenen zählen, die reine Streamingfilme sind. Zu letzterem zählen wiederum Filme, die so tun, als würden sie auf großer Leinwand ausgewertet werden, in Wahrheit aber maximal ein Wöchlein Luxus wie diesen genießen. Vielleicht haben sie ja dadurch die Chance, so manchen Preis abzuräumen, doch sieht man sich die letzte, sündteure Produktion an, für die Apple TV+ ganz schön was springen ließ, ist der Preisverdacht wohl der letzte, der dabei aufkommt.

Fountain of Youth, ein Abenteuerspektakel und Trittbrettfahrerfilm, der sich an etablierten Genrejuwelen wie Indiana Jones, der National Treasure-Reihe und den von mir geschätzten Uncharted-Film dranhängt, wird dabei sogar von allen bisher erschienenen Tomb Raider-Versuchsanordnungen abgehängt, die aber durchaus ihre Eigendynamik hatten. Dieser hier hat davon nichts. Und das, obwohl sich Guy Ritchie dafür verantwortlich zeichnet, der sich als unverkennbarer Stil-Filmer längst etabliert hat. Der mit Klassikern wie Snatch – Schweine und Diamanten, The Gentlemen oder der wohl geglücktesten Disney-Realverfilmung Aladdin ein Unterhaltungskino schuf, das den Spaß an der Freude vermittelt und obendrein noch bewiesen hat, dass er in unterschiedlichen Genres unterwegs sein kann. Das gediegene Abenteuerkino quer über den Erdball ist dann wohl doch nicht so seins, vielleicht auch, weil das Skript von James Vanderbilt (dessen Qualität genauso schwankt wie jene des Regisseurs – siehe White House Down) eine Hetzjagd in zwei Stunden Spielfilmzeit zwängt, die durch das Weglassen sämtlicher narrativer Details so geschmeidig wirkt wie nervöses Channel-Surfen daheim auf der Couch nach zu viel Süßem. Doch was genau ist passiert, warum kann Fountain of Youth einfach nicht abholen?

Wie man die Quelle der Inspiration nicht findet

Ein Abenteuerfilm steht und fehlt weniger durch seine exotischen Schauplätze oder Actionsequenzen, sondern hauptsächlich durch die Synergien innerhalb des Teams. Das muss natürlich nicht immer eine eingespielte Truppe sein, es kann auch Differenzen geben, denn was sich zankt, schafft noch eine weitere sozialpsychologische Ebene. Bei Fountain of Youth haben wir John Krasinski, als Agent Jack Ryan aufgeräumter Tausendsassa, den nur schwerlich etwas aus der Ruhe bringen kann – und Natalie Portman, der es nicht und nicht gelingt, aus ihrer Arthouse-Blase auszubrechen. Ihr steifes Spiel fiel bereits in Thor: Love and Thunder ins Gewicht, diesmal bemüht sie sich als rechtschaffene Filmschwester des auf Speed agierenden Abenteurers Krasinski um jenen Witz, den seinerzeit Catherine Hepburn als Sparring Partnerin von Humphrey Bogart oder Spencer Tracy auf denkwürdige Weise episch werden ließ. Portman scheitert hier, vielleicht auch, weil Krasinski jeden Versuch, hier einen auf Screwball zu machen, durch seine fahrige Oberflächlichkeit im Keim erstickt. Und da ist dann noch Domnhall Gleeson, phlegmatisch, gelangweilt und seit seiner Rolle als General Hux in den Star Wars-Sequels nie wieder in Höchstform. Allein auf weiter Flur bleibt Eiza Gonzáles, sie wünscht sich womöglich, lieber im Uncharted-Universum festzusitzen, als hier den mit der Kirche ums Kreuz hechelnden Schatzsuchern hinterherzujagen.

Dass in einem Genrefilm wie diesem das visionäre Herzblut eines Steven Spielberg schlagen muss, wäre zu viel verlangt. Den Metabolismus hatten das National Treasure-Franchise mit Nicolas Cage oder Uncharted auch nicht, dennoch waren sie durch die Bank mitreißende Eskapismus-Werke, die Lust auf eine Terra incognita machten. Dass man in den schnelllebigen Zeiten wie diesen, wo Millionen gerne auf fragwürdige Weise verpulvert werden, keinen Cent davon ausgibt, um vielleicht die Quelle der Inspiration anstatt jene des ewigen Lebens zu suchen, mag an der Effizienschraube liegen, an der nicht nur Streaming-Giganten drehen. Überall muss alles weniger Zeit kosten, Qualität ist aber ein Umstand, der sich genauso wenig komprimieren lässt wie Wasser. Und so bleibt, wenn wir schon beim flüssigen Element angekommen sind, Fountain of Youth ein gehetztes Zerstreuungsfilmchen ohne Persönlichkeit, dafür aber mit betörenden Momenten fantasievoller Einfallslosigkeit.

Fountain of Youth (2025)

A Working Man (2025)

SELFMAN MIT VORSCHLAGHAMMER

4/10


© 2025 Amazon Content Services LLC.


LAND / JAHR: USA, VEREINIGTES KÖNIGREICH 2025

REGIE: DAVID AYER

DREHBUCH: DAVID AYER, SYLVESTER STALLONE

CAST: JASON STATHAM, ARIANNA RIVAS, JASON FLEMYNG, DAVID HARBOUR, MICHAEL PEÑA, NOEMI GONZALES, EMMETT J. SCANLAN, EVE MAURO, MERAB NINIDZE U. A.

LÄNGE: 1 STD 57 MIN


Was tun bei scheiternden Gewerkschaftsverhandlungen? Der ÖGB schickt jemanden wie Jason Statham an die Front, denn der wird reinen Tisch machen. Schließlich ist Statham einer von denen, die am Bau die Drecksarbeit machen, die hart mit anpacken, die sich auf Augenhöhe motivierend zunicken und dann schwitzend, verdreckt und müde von einem langen Tag vor langsam sinkendem Gestirn die 0,5l-Flasche Bier köpfen, sich dabei zuprosten und das pathetische Ideal eines Hoch- und Tiefbau-Commercials leben. Sieht man aber genauer hin, ist diese gnadenlos austauschbare Figur des Levon Cade ganz und gar nicht einer, der sich für eine Arbeit wie diese qualifiziert sieht. Er weiß, dass er mehr kann als alle anderen. Er weiß, dass er über dem einfachen Volk steht, weil er jeden, der ihm auch nur ansatzweise blöd kommt, zu Kleinholz verarbeiten könnte. Levon Cade weiß, dass er ein Held ist. Ein starker Mann, frei von störenden Emotionen, frei von Selbstzweifel: straight, hart und gerecht.

Wenn einer wie Statham sein Können nicht dafür nutzt, um Macht auszuüben und andere zu unterdrücken, liegt diese wohl in den richtigen Händen. Wie bei Superman, Batman oder Daredevil auch. Doch Stathams Figuren – oder sagen wir: die eine Universal-Figur, die er in jedem seiner Filme anwendet – verankert seine Skills in einer realen Alternativwelt, in der jene, die sich für das Gute einsetzen, immer gewinnen. Das ist es, was die Zielgruppe sehen will. Steht Statham drauf, ist Statham drin. Hat einer wie Sylvester Stallone am Drehbuch mitgeschrieben, ist die Idee eines Rambo nicht weit, die als Blaupause für alles steht, was Statham je verkörpert hat. Er ist der über Leichen gehende Berserker in einer einfachen, schwarzweiß gestrickten Welt, wo die Bösen wirklich Böse sind und die Guten so schwach, dass sie die Hilfe eines einzelnen erbeten, der niemals auch nur in die Nähe eines Krankenhauses gerät, weil er niemals auch nur mehr als einen Kratzer davonträgt, den man mit Hansaplast überkleben könnte.

So behelfen sich Jason Statham-Filme oft des gleichen Grundmusters, das in leichten Farbvariationen immer die gleiche Geschichte erzählt. Der nach außen hin scheinende einfache Mann trägt das Geheimnis mit sich herum, in Wahrheit eine Kampfmaschine zu sein, die diesem alten Leben den Rücken kehrt. Stets wird der, der die Gewalt ausübt, dazu genötigt, dies zu tun. Es ist schließlich für das Allgemeinwohl, für das Leben der anderen, nie für den Selbstzweck. So einfach macht es sich das amerikanische Actionkino, und wie die Besucherzahlen zeigen, ist diese Mechanik, obwohl bis zur Geschmacksneutralität ausgelutscht, immer wieder eine sichere Bank, die mit unangenehmen Überraschungen im Handlungsablauf hinter dem Berg hält.

David Ayer lässt sich immer wieder für Projekte wie diese gewinnen. So auch für A Working Man, wobei es wesentlich interessanter gewesen wäre, wenn dieser kolportierte Steuerzahler aus der Arbeiterklasse auch wirklich nur das gewesen wäre: einer, der Ziegel schleppen, Zement anmischen und Baugerüste verschweißen kann, und nicht einer, der obendrein noch Martial Arts beherrscht und im Alleingang ganze Heerscharen an bösen Stümpern tötet. Als Ex-Royal-Marine, der ein neues Leben angefangen hat, muss er hier die Tochter seines Baumeisters aus den Händen von Menschenhändlern befreien. Dass ihm dies gelingt, ist kein Spoiler, sondern bereits in den ersten Minuten eine zweifelsfrei klar eingeschlagene Richtung. Mehr braucht man über den Plot gar nicht zu berichten, denn wirklich mehr gibt es auch nicht. Dass Levon Cade mit dem Attribut eines alleinerziehenden Witwers auch noch Familiengefühle weckt, ist zuviel der Ambitionen.

Hat Statham unter der Regie eines Guy Ritchie doch mehr charakterliche Facetten als in anderen Filmen, mangelt es ihm in A Working Man akut an Persönlichkeit. Nach Schema F prügelt und killt er sich bis in die obersten Kreise eines Syndikats. Da man ohnehin weiß, dass dem Helden nichts passiert, und Stallone die banalste aller Ordnungen verfechtet, wird der leb- und lieblose Reißer zu einem Stück bärbeißiger Langeweile ganz ohne Schutzhelm und Zollstock, dafür mit Stereotypie und Genre-Klischees. Und einer nervtötenden Dosis selbstgefälligem Beschützerinstinkt.

A Working Man (2025)