Boss Level

GUTEN MORGEN, LIEBE SORGEN

6,5/10


boss_level© 2021 Leonine


LAND / JAHR: USA 2021

REGIE: JOE CARNAHAN

CAST: FRANK GRILLO, NAOMI WATTS, MEL GIBSON, WILL SASSO, ANNABELLE WALLIS, MICHELLE YEOH, KEN JEONG U. A. 

LÄNGE: 1 STD 41 MIN


Da ist es unserem geschätzten Bill Murray innerhalb seiner Zeitschleife ja noch ganz gut ergangen. Der notorische Misanthrop hat zwar allen die Freude am Alltag versaut und einmal gar das Murmeltier entführt, aber so wirklich schlechte Karten waren da nicht im Spiel. Zumindest nicht im Vergleich zur Situation von Frank Grillo, den Sylvester Stallone bei seinem in den Startlöchern stehenden Expendables 4 gefälligst mit auf die Gästeliste nehmen sollte. Denn den gern gebuchten B-Movie-Star und Marvel-Schurken mit dem Körperbau eines Arnold Schwarzenegger zu seinen besten Zeiten kitzelt des Morgens nicht die Sonne, sondern die scharfe Klinge einer Machete. Wer um alles in der Welt hat es auf Söldner Roy um diese Zeit schon abgesehen? Und warum? Keine Ahnung, wie viele Tode der Mann erlitten haben muss, um irgendwann beim nächsten Hahnenschrei entsprechend pfeilschnell reagieren zu können. Natürlich hängt Grillo, wie er selbst bald feststellt, in einer Zeitschleife. Was ja an sich schon irgendwie nervig erscheint, es sei denn, man arbeitet sich zum Menschenfreund durch wie Phil Connors. Doch an diesem einen Tag scheint es die ganze Welt auf den wuchtigen Schönling abgesehen zu haben. Von der Klingen-Amazone bis zum Gatling-Virtuosen spielt hier der Tod alle Stücke. Und Grillo macht den Hasen, während er versucht, Licht ins Dunkel seines Dilemmas zu bringen, sich um seinen Sohn zu kümmern und das Ende der Welt zu verhindern. Ein bissl viel für einen Wochentag.

Grillo hat aber echt Spaß daran. Boss Level ist ein großzügig ironisches Guilty Pleasure, ein knackiges, bunt bebildertes B-Action-Movie, in dem der Verputz nur so von den Wänden bröckelt. Überraschenderweise finden wir hier Charakterdarstellerin Naomi Watts. Warum eigentlich nicht, mal was ganz anderes. Ausnahmsweise ist das hier mal kein Film, den Cineasten auf der Liste haben müssten. Tut gut, hier zwischen Bomben und Granaten und vom Halse rutschenden Köpfen relativ unentdeckt zu bleiben. Als Miesepeter fungiert der auf schnelle Kinokost umgesattelte Mel Gibson, der es immerhin noch besser draufhat als Bruce Willis und den zigarrenrauchenden Neureichen gibt, der das Geld hat und somit anschafft. An der Besetzungsliste ist also nicht geschludert worden – und selbst die wasweißichwievielte Version des Murmeltiertags, die sogar schon Tom Cruise in Edge of Tomorrow interpretieren hat müssen, macht hier, unter Joe Carnahans Regie (The Grey, Smokin‘ Aces) durchaus und noch viel besser mit Bier und Knabberzeugs gute Laune.

Der richtige Spaß an der Sache entsteht aber erst, als unser Actionheld versucht, den Tag unter Aufgebot all seiner Multitasking-Kenntnisse so hinzubiegen, dass letzten Endes alles seine Ordnung hat. Wie in einem Konsolenspiel heißt es hier Game Over nach Game Over, und da es mehrere Tasks zu erledigen gibt statt nur den einen, nämlich sich selbst zu einem besseren Menschen zu machen, frohlockt bei diesem Szenario die Neugier, einfach wissen zu wollen, welche Prioritäten der gute Mann nun setzen muss. Und die Tage, an denen alles misslingt – nun, da spricht Grillos Resignation einem fast schon aus der Seele.

Boss Level

Message from the King

DU KOMMST NOCH IN MEINE GASSE

4/10


message-from-the-king© 2018 Netflix

LAND / JAHR: USA 2016

REGIE: FABRICE DU WELZ

CAST: CHADWICK BOSEMAN, TERESA PALMER, LUKE EVANS, ALFRED MOLINA, NATALIE MARTINEZ, TOM FELTON U. A. 

LÄNGE: 1 STD 42 MIN


So wirklich wohl würde ich mich in der Nähe dieses Mannes selbst dann nicht fühlen, hätte ich keinen Dreck am Stecken wie so viele dieser finsteren Visagen, die da in Los Angeles für Unrecht und Chaos sorgen. Chadwick Boseman, der, leider verstorben, womöglich nächstes Wochenende posthum mit einem Oscar geehrt werden wird, verbrachte 2016 noch seinen Auslandsurlaub im schmuddeligen US-Moloch an der Westküste, um seine Schwester zu suchen, die, so wie er befürchtet, irgendwelchen Schergen zum Opfer gefallen sein könnte. Aus Südafrika reist dieser Jacob King also an, finster und wortkarg und irgendwie fehl am Platz. Eingemietet in einer ebenso schmuddeligen Absteige, in der auch die alleinerziehende Kelly haust, scannt er bald das gesellschaftliche Umfeld seiner nahen Verwandten und sucht nach Namen und Spuren. Ein solcher fällt sehr bald, und die dazugehörigen Gesichter sind wenig einladend. Klar haben die was damit zu tun, und klar kreuzt King nicht nur einmal bei diesen Leuten auf, die das wiederum gar nicht gerne sehen.

Message from a King, direkt vom Toronto International Film Festival von Netflix aufgekauft und abgeholt, setzt den zur damaligen Zeit gerade mal als Black Panther ins Feld geführten Boseman (First Avenger: Civil War) als martialischen Schnüffler in Szene, der in stoischer Selbstjustiz und familiärem Pflichtbewusstsein unschöne Angelegenheiten vom Tisch räumt. Wie er das macht, das weiß zum Beispiel auch einer wie Liam Neeson, der ein Liedchen davon singen kann, wie man lästiges Geschmeiss von der Kernfamilie fernhält. Nur – Chadwick Boseman ist nicht Liam Neeson. Letzterer hat diese gewisse hemdsärmelige Attitüde, wie ein autodidaktischer Heimwerker, der bei seinen Bösen für den nötigen Wasserrohrbruch sorgt. Boseman hingegen gefällt sich in arroganter Selbstgerechtigkeit und weiß anscheinend immer, dass er besser ist als alle anderen. Diese Überheblichkeit macht den Marvel-Helden, dem als Adeliger von Wakanda dieses Gehabe gut zu Gesicht steht, zu einem enervierend einsilbigen Nachtfalken.

Das allerdings ist nicht das einzige Handicap des so blutigen wie derben Thrillers, wo Fahrradketten eine einschneidende Rolle spielen. Das Problem ist auch, in relativ kurzer Zeit einfach viel zu viele Figuren ins Spiel zu bringen, die noch dazu einen recht konfusen Krimiplot flankieren, der einfach zu viel will. Nebst diesem Kommen und Gehen an Personen, die irgendwas im Schilde führen oder auch nicht, gibt’s sogar noch eine zarte Romanze mit Teresa Palmer. Dabei verpasst der Film aufgrund der vielen moralisch verwirrten, halb angedachten Figuren die Möglichkeit, das Moralbewusstsein des Zusehers entsprechend zu reizen. Will heißen: Regisseur Fabrice du Welz wählt in dieser unheilvollen, urbanen Wildnis als Kampfplatz gerade mal die emotionale Sackgasse.

Message from the King

Sentinelle

DER RAMBO-EFFEKT

6/10


sentinelle© 2021 Netflix


LAND / JAHR: FRANKREICH 2021

REGIE: JULIEN LECLERCQ

CAST: OLGA KURYLENKO, MARILYN LIMA, MICHEL NABOKOV, ANDREY GORLENKO, MARTIN SWABEY U. A. 

LÄNGE: 1 STD 20 MIN


Gesetzt den Fall, ich wäre ein Soldat im Auslandseinsatz, müsste vor Ort viele schreckliche Dinge mitansehen und würde völlig traumatisiert wieder heimkehren – man würde mich erstens niemals mehr an die Front, sondern zu den Ärzten schicken, die mich versuchen würden zu therapieren. Und zweitens würde ich mich womöglich nach einer brotgebenden Alternative umsehen, denn als Soldat hätte ich ausgedient, da es für mich unmöglich wäre, auch die kleinste Bedrohung, die es abzuwehren gälte, richtig einzustufen.

Olga Kurylenko alias Soldatin Klara, der ist genau das passiert. Traumatische Ereignisse irgendwo im Nahen Osten führen schließlich dazu, dass die junge Frau wieder zu ihrer Familie in Frankreich zurückkehren kann und dort in die Einheit der Sentinelles versetzt wird. Schwerbewaffnete Aufpasser, die am Strandboulevard von Nizza nach dem Rechten sehen – der Feind liegt ja nur jenseits des Mittelmeers. Oder ist vielleicht schon da, beim Terror weiß man nie. Klara selbst ist für diesen Job allerdings nicht (mehr) geeignet. Schwer depressiv, innerlich gebrochen, ein ordentlicher Tremor lässt sie zittern. Was hat so jemand noch im Militärdienst verloren? Julien Leclercq will´s gar nicht so genau wissen und lässt die hagere Russin dennoch hier mitmischen – was in Real Life wohl niemals möglich wäre. Aber gut, wir haben nun mal diese Ausgangssituation, und es wäre ja an sich schon ein recht lakonisches Psychodrama mit Ansätzen, wie wir sie bereits aus Brothers kennen – aber es kommt noch dicker. Und es kommt so, wie es die Regiekollegen Pierre Morel oder Jaume Collet-Serra auch immer gerne haben: Der Actionthriller findet seine Erfüllung im Selbstjustiz-Genre.

Denn Klaras Schwester, die wird eines Morgens, vergewaltigt und wüst zugerichtet, in die Klinik eingeliefert. Die völlig durch den Wind befindliche Sentinelle hat nun etwas gefunden, um ihrer zerrütteten Psyche ein Ventil zu geben: sie macht Jagd auf denjenigen, der ihre Schwester ins Koma geprügelt hat. Und natürlich klar: hat sie diesen jemand gefunden, wird nicht irgendein Gericht, sondern Klara selbst über Leben und Tod entscheiden.

Charles Bronson, Liam Neeson, Jennifer Garner – jetzt auch Olga Kurylenko, die in Sentinelle gar keine schlechte Performance abliefert. Leclercq setzt auf Trübsal, untermalt mit stimmigem Score, und widmet sich die erste Hälfte des Films ganz und gar dem Prozess der Bewältigung einer innerlich Versehrten. Dann aber schaltet der Film um, lässt eine Kämpfernatur gegen alles und jeden antreten und letzten Endes auch zu radikalen Mitteln greifen. Wenig zimperlich ist der auf Netflix frisch eingetroffene Film, er setzt auf den von mir aus dem Stegreif erdachten Rambo-Effekt: Traumatisierte Kriegsheimkehrer sieht sich mit einer ignoranten und boshaften Gesellschaft konfrontiert und glaubt, wieder so richtig kämpfen zu müssen. So pusht sich die Anti-Heldin in dem auf 80 Minuten runtergeschnittenen Drama zur Nemesis, die nichts mehr zu verlieren hat. Und auch nicht mehr gefunden werden will.

Sentinelle

Resident Evil

MILLA´S CROSSING

5,5/10


resident-evil© 2002 Constantin Film Verleih


LAND / JAHR: GROSSBRITANNIEN, DEUTSCHLAND, FRANKREICH 2002

REGIE: PAUL W. S. ANDERSON

CAST: MILLA JOVOVICH, MICHELLE RODRIGUEZ, JAMES PUREFOY, ERIC MABIUS, MARTIN CREWES, HEIKE MAKATSCH U. A. 

LÄNGE: 1 STD 41 MIN


Wenn Ihnen eine Frau, die Sie noch nie gesehen haben (ein Kind der 80er, was soll ich tun), plötzlich die Knarre vors Gesicht hält, und Sie wissen nicht warum, dann leiden Sie vermutlich unter Gedächtnisverlust. Das Witzige dabei: Milla Jovovich geht’s ganz genauso. Nur ihr hält niemand die Knarre vors Gesicht. Viel lieber legt man der jungen Dame ein rotes Abendkleid mit einseitiger Beinfreiheit auf das gemachte Bett. Egal, Hauptsache etwas anzuziehen. Und so schlüpft das ehemalige fünfte Element (es sind 5 Jahre später) ins formschöne Outfit und wird der zomboiden Belegschaft eines Science-Bunkers zeigen, dass Gott dort längst nicht mehr unter Vertrag steht, sondern mittlerweile ganz woanders wohnt.

Resident Evil, die Mutter aller Verfilmungen dieses so erfolgreichen Games, hat damals, 2002, Jovovichs zukünftiger Gemahl Paul W. S. Anderson realisiert. Nach sich gezogen hat sich ein Rattenschwanz von gefühlt 30 Sequels (genauer gesagt sind es bislang nur 5), und die Fangemeinde hält sich wacker. Freut sich im Übrigen auch riesig, weil ja demnächst auf Netflix sowas wie eine Serie an den Start gehen soll, nebst einer animierten selbigen. In Raccoon City jedenfalls wird so schnell kein Lockdown stattfinden. Die eben erwähnte fiktive Stadt ist auch Schauplatz dieses wüsten Erstlings, der in einer nicht näher definierten Zukunft angesiedelt ist, in der Megakonzerne zwar nicht offensichtlich, aber dennoch das alleinige Sagen haben und in allen Sparten des öffentlichen Lebens mitmischen. In diesem Fall hat die Schirmherrschaft die sogenannte Umbrella Corporation, und um nicht groß aufzufallen, hat der Konzern tief unter der Erde ein Forschungslabor eingerichtet, den sogenannten Hive. Dort wird an Viren und Genen und sonstigem herumgedoktert und gepanscht, und klarerweise dauert es nicht lang, und so eine Phiole mit wütenden Organismen fällt zu Boden. Die Folge: Zombie-Apokalypse unter Tage. Milla muss her, im Gefolge auch James Purefoy (ein Mann, dem sie noch nie begegnet sind) und Michelle Rodriguez als kernige Soldatin, die auch Ridley Scotts Aliens das Wilde runtergeräumt hätte.

Liebling, ich schenke dir dein Action-Franchise: Der wohl schönste Valentinstag eines Filmemachers für seine Schauspielgattin. Das hätte mal John David Washington für Zendaya in Malcolm & Marie machen sollen, dann hätten wir uns den nächtlichen Streit erspart. Milla Jovovich hat das bekommen. Fast schon zwanzig Jahre hat der Film am mutierten Buckel – und das Action-Model strahlt wie am ersten Tag mit einer 7-Tage-Inzidenz von 0 und Nada. Nichts kann die Dame erschüttern. Sie kann kämpfen, Zerberusse vermöbeln und auch ganz gut mit der Axt umgehen. Jovovich ist ein Hingucker, wenn auch der Verdacht aufkommt – und das liegt vielleicht an der üblen deutschen Synchro – unsere Heldin ist nicht ganz bei der Sache, etwas zeitverzögert und ein bisschen angeleitet. Aber gut, ich wäre auch leicht verwirrt, würde ich rund 1 km unter der Erde einem Virus entkommen wollen. Außerdem muss Milla für ihre folgenden Sequels erst so richtig warmlaufen, also eine Art Heldengenese durchmachen, sich etablieren.

Resident Evil ist dann auch auch nur das, was auf der Packung in großen Lettern draufsteht – ohne Beipackzettel. Recht triviale B-Action, der 2 Jahre nach der Jahrtausendwende immer noch der Stil der 90er nachweht. So richtig hemdsärmelig, in die Hände gespuckt und stereotypisch. Das wirkt manchmal etwas derb und hanebüchen, mittlerweile gibt´s zu dem Thema weitaus Besseres. Allerdings ohne Milla 😉

Resident Evil

Machete

REVOLUTION IM BAHNHOFSKINO

6/10


machete© 2010 Sony Pictures Germany


LAND / JAHR: USA 2010

REGIE: ROBERT RODRIGUEZ, ETHAN MANIQUIS

CAST: DANNY TREJO, JESSICA ALBA, MICHELLE RODRIGUEZ, JEFF FAHEY, ROBERT DE NIRO, STEVEN SEAGAL, DON JOHNSON, SHEA WIGHAM, LINDSAY LOHAN U. A. 

LÄNGE: 1 STD 45 MIN


Gegen Danny Trejos Visage ist jene von Charles Bronson ja geradezu glatt wie ein Babypopo. So auszusehen ist entweder Zufall oder jahrelang frequentierte Solarien. So ein Aussehen lässt sich mitunter auch auf exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum zurückführen. Keine Ahnung was Trejo in seinen Jugendjahren alles gemacht und nicht gemacht hat, jedenfalls saß der Mann immer wieder mal hinter Gittern. Dieses bullige Gehabe und eben dieses unverwechselbare Aussehen hat ihm letzten Endes eine Karriere im Filmbiz beschert. Und die hat er nicht bekommen, weil er gut schauspielern kann. Sondern weil er von der langen Mähne bis zu den Stiefeln unter Copyright steht. Danny Trejo ist eine Marke, die kann man buchen. So wie das zum Beispiel Robert Rodriguez für seine Grindhouse-Eskapaden getan hat.

Machete heißt der Film, der als Reminiszenz auf das Exploitationkino der 60er bis 70er gedacht ist. Filmkenner wissen, was das heißt. Sex und Gewalt mit dem Vorschlaghammer. Wer eignet sich da nicht besser als Trejo für die Figur des Ex-Geheimagenten Machete Cortez, der lieber mit scharfen Klingen aller Art hantiert, im Notfall aber auch aus allen Rohren feuert. Fun Fact am Rande: die Figur des Actionhelden stammt ursprünglich aus Rodriguez´ Kinderabenteuer Spy Kids, wurde dann als Fake-Trailer vor dem Zombie-Trash Planet Terror zum Kult – und bekam als Folge des Erfolgs seinen eigenen Film. Und zwar einen, den man nicht unbedingt gesehen haben muss. Der aber auf gewisse Weise ganz interessant ist, da er, wäre Donald Trump anno 2010 bereits Präsident gewesen, als antirepublikanischer Aufstand geprobt werden kann. Als Anti-Trump-Film schlechthin. Mehr Anti geht nicht. Und mehr Staraufgebot ebenso wenig.

Für diese Schandtat von Film war wohl halb Hollywood bereit, mitzuwirken, und sei die Rolle auch noch so sinnlos. Lindsay Lohan zum Beispiel. Als ballernder Nackedei im Nonnengewand hat die junge Frau gerade noch Trash-Geschichte geschrieben, bevor sie von der Bildfläche gänzlich verschwand. Und wer hätte gedacht ich würde nochmal Steven Seagal zu Gesicht bekommen (an dessen strahlender Erscheinung ich tatsächlich live bei der Comic Con 2019 teilhaben durfte), und zwar in einem Film? Ein Action-Haudegen der späten 80er, der hier nochmal so richtig unsympatheln darf. Ihn auf Augenhöhe mit Robert de Niro zu sehen hat aber was. Der wiederum hat eine gar nicht so verschwindende Rolle – als erzkonservativer Senator paktiert er mit – haltet auch fest – good old Don Johnson, der als Warlord der Bürgerwehr illegalen Immigranten das Leben schwer macht. Ein tete-a-tete selten oder lang nicht mehr gesehener Gesichter ist das.

Rodriguez Verbeugung vor dem Bahnhofskino ist natürlich nichts für Feinschmecker oder Freunde nuancierter Filmkunst. Die bewusst heillos überzeichnete und gottseidank selbstironische Schlachtplatte mit kuriosen Gore-Elementen hat aber auf seine eigentümlich triviale Art sehr wohl was im Hinterstübchen – nämlich ein glasklares Statement gegen Nationalismus und Xenophobie.

Machete

Spenser Confidential

WENN MACHENSCHAFTEN ZU SCHAFFEN MACHEN

6/10


spenserconfidential© 2020 Netflix


LAND: USA 2020

REGIE: PETER BERG

CAST: MARK WAHLBERG, WINSTON DUKE, ALAN ARKIN, BOKEEM WOODBINE, ILIZA SHLESINGER, MICHAEL GASTON, MARC MARON, POST MALONE U. A.

LÄNGE: 1 STD 50 MIN


Mark Wahlberg hat seinen Arbeitsrhythmus gefunden. Und auch seinen Meister. Der heißt nämlich Peter Berg. Kaum mehr ein Film von ihm ohne seinen Star. Womöglich ist die gemeinsame Arbeit ein Musterbeispiel an Geschmeidigkeit. Berg braucht gar nicht mal groß zu erwähnen, wie Wahlberg seine Figuren anlegen soll. Vermutlich läuft das Ganze auf paraverbaler Ebene ab. Die Kombination hat sich bewährt – und scheint immer und immer wieder zu funktionieren. Der True-Story-Thriller Boston zum Beispiel war ausgezeichnete Arbeit, Lone Survivor ebenso. Spenser Confidential, produziert von Netflix, beweist ebenfalls gutes Handwerk, wenngleich sich mittlerweile auch eine gewisse Routine eingeschlichen hat. Aber, nichtsdestotrotz: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Und wo Berg draufsteht, ist Wahlberg drin.

Der ist übrigens zu Beginn des Films tatsächlich wo drin – und zwar im Knast. 5 Jahre absitzen aufgrund von Körperverletzung gegen einen Vorgesetzten. Der natürlich, wie wir schon ahnen, den Tango Korrupti getanzt hat. Wahlberg aber – von vorne bis hinten ein so wehrhafter wie fairer Mann, nimmt die Strafe an. Um nach diesen fünf Jahren, vom Dienst entlassen, wieder in diesen Sumpf aus Mord und Machenschaften hineingezogen zu werden. Allein: er kann nicht anders, als der Sache mit dem Mord an denjenigen, den er damals vermöbelt hatte, nachzugehen. Und er fischt in sehr trüben Gewässern, ihm zur Seite ein Hüne von einem Boxer (Winston Duke), der zwar nicht so viel redet, dafür aber zum treuen Begleiter wird.

Man darf sich nicht täuschen lassen: Spenser Confidential ist kein Buddy-Movie im klassischen Hollywood-Sinn. Kein ungleiches Duo, dass sich zusammenraufen muss und von einer Stunt-Nummer zur nächsten schlittert. Spenser Confidential beruht auf dem Roman Wonderland und lässt die Figur des Spenser, die Autor Robert B. Parker im Stile der Hardboiled-Krimis erfunden hat, für Unruhe bei den Bösen sorgen. Das allerdings als jemand, der zu viele Fragen stellt. Entsprechend investigativ ist auch dieser Krimi, der mit einzelnen faustverwöhnenden Fights für erfrischende Intermezzi sorgt und eine schnüffelnasige Story bietet, der man gut folgen kann. Seltsamerweise aber fehlt dem Streifen, trotzdem er vieles richtig macht, irgendwie das gewisse Etwas. Vielleicht sind all die Antagonisten wieder mal viel zu eindimensional gezeichnet, vielleicht ist es auch der bis zum Ende sichtbare, klare rote Faden, vielleicht auch diese Unfehlbarkeit von Mark Wahlberg, der als selbsternannter Detektiv des Lichts Licht in Sachen bringt, die ihn nichts angehen. Doch wer würde das sonst tun, wenn nicht er, der hartgesottene Amateurermittler. Am Ende lässt Spenser Confidential die Möglichkeit offen, es zukünftig vielleicht mit einem kleinen Franchise zu tun zu bekommen. Das wäre durchaus in Ordnung – aber auch nicht mehr. 

Spenser Confidential

Honest Thief

EHRLICH WEHRT SICH AM LÄNGSTEN

5/10


honestthief© 2021 Leonine


LAND: USA 2020

REGIE: MARK WILLIAMS

CAST: LIAM NEESON, KATE WALSH, JAI COURTNEY, JEFFREY DONOVAN, ROBERT PATRICK, ANTHONY RAMOS U. A. 

LÄNGE: 1 STD 38 MIN


Kino ist nicht wirklich Kino ohne Filme mit Liam Neeson! Was waren das doch vor Pandemiezeiten für Guilty Pleasures auf der After-Work-Kino-Agenda. Wenn das Hirn schon nach der Arbeit alles gegeben hat und Kopflastiges aus Frankreich bitte nicht für Zerstreuung sorgen soll – dann kommt Liam Neeson gerade recht. Da ist nichts doppelbödig, nichts subversiv, nichts von irgendwelchen Metaebenen abzuholendes. Liam Neeson-Filme sind, was sie sind. Ein Ort der Zerstreuung, vorhersehbar bis zum Abspann, aber durch diese Überraschungslosigkeit alleine fühlt man sich gut aufgehoben, weil man um diese Uhrzeit, also jene nach der Arbeit, wirklich nichts braucht, was einen den boden wegzieht. Olivier Megaton, Jaume Collet-Serra – alles Regisseure, die ihren Star immer gut verstanden und auch immer wieder klassisch gut in Szene gesetzt haben. Da sind die ausgewaschenen Scripts nur Nebensache, es ist wie das Lesen eines Bastei Lübbe-Heftromans vom Kiosk. Wenn sowas gefällt, gefällt es immer wieder.

Das scheint auch beim brandneuen Thriller Honest Thief der Fall zu sein. Kein Megaton, kein Collet-Serra hinter der Kamera – diesmal ist’s Mark Williams, sonst eigentlich nur als Produzent unterwegs. In diesem Film allerdings schickt dieser den schlaksigen Iren auf einen Kreuzweg der Reue. Heißt also: Liam Neeson als Tom Dolan ist ein Bankräuber, ein Meisterdieb, den man nach 8 Jahren sträflichen Handwerks einfach nie überführen konnte. Fast wie Robert Redford in Ein Gauner & Gentleman. Doch die Liebe, die sorgt fürs Umdenken: Dolan besinnt sich seiner Sünden und will keine Geheimnisse mehr vor Freundin Annie (Gray Anatomy-Star Kate Walsh). Er klingelt beim FBI und will sich stellen, die entführte Knete sei überdies in einem Lagerraum abzuholen. Wie das bei der Polizei aber manchmal (zumindest im Kino) leider so ist, machen zwei ambivalente Beamte das Beste draus und reißen sich zumindest einen Teil des Geldes unter den Nagel. Und der „ehrliche Dieb“ muss natürlich auch noch verschwinden…

Storytechnisch kracht es leider enorm im Gebälk – da will partout keine Logik im Handeln der Antagonisten aufkommen, die ihre Lage völlig grundlos verkomplizieren. Gut, dann hätten wir keinen solchen Film, aber vielleicht eine Geschichte, die ein bisschen leiser unterwegs wäre. Das ist dann aber kein Liam Neeson-Film, wie wir ihn kennen, und das Genrepublikum wäre enttäuscht. Also: die hanebüchenen Wendungen lieber in Kauf nehmen und einen bußbereiten Action-Opa als Bombenbastler die Hutschnur platzen lassen, die dann auch noch Feuer spuckt. Im Vergleich zu früheren Thriller-Kapriolen ist Honest Thief aber recht schwachbrüstig, will vielleicht mehr Gutmenschenkrimi mit Drama-Attitüde sein und weniger rot sehen. Der Versuch hinkt, Neeson und Jai Courtney die Hälfte des Films ebenso. Für Zwischendurch allerdings ist Honest Thief am Ende des Arbeitstages aber immer noch eine brauchbare Zerstreuung, wie das Zappen zwischen den Fernsehkanälen. Da kann es durchaus sein, dass man irgendwo nochmal auf Liam Neeson trifft.

Honest Thief

Outside the Wire

MEIN CHEF, DER ROBOTER

3,5/10


outsidethewire© 2021 Netflix

LAND: USA, UNGARN 2021

REGIE: MIKAEL HAFSTROM

CAST: ANTHONY MACKIE, DAMSON IDRIS, EMILY BEECHAM, PILOU ASBÆK, MICHAEL KELLY U. A.

LÄNGE: 1 STD 54 MIN


Der wirklich einzige interessante Idee in dieser brandneuen, auf Netflix erschienenen Action-Dystopie ist die Überlegung, was wohl wäre, wenn die Befehlskette zwischen Mensch und Maschine von der Maschekseite aufgezogen wird. Wenn also ein Roboter den Ton angibt, und der Mensch als ausführendes Organ diese und jene Verordnung umsetzt.

Wir befinden uns in Outside the Wire in einer ungewissen Zukunft, in der Osteuropa, genauer gesagt die Ukraine, keinen Grund hat, freudig in die Zukunft zu blicken. Das Gebiet an der Grenze zu Russland wird von brutalen Warlords dominiert. Natürlich erfordern es die Umstände ein weiteres Mal, die USA als Problemlöser bemühen zu müssen. So campiert die Army im Westen des Landes und hofft auf bessere Zeiten. Unterstützt wird das Militär von Drohnenflliegern, die aber nicht in Europa, sondern bequem in der Heimat in ihren Containern sitzen und für den Überblick sorgen. Klar, dass diese Jungs am Steuerknüppel kein Gespür dafür haben, wie es ist, mittendrin statt nur dabei zu sein. Einer dieser Jungs – ein Lieutenant – handelt eigenmächtig – und wird ins Kriegsgebiet strafversetzt. Dabei wird er Captain Leo zugeteilt, einem Supersoldaten, der eben gar kein Mensch, sondern Maschine ist, irgendwo zwischen T800 und den Replikanten aus Blade Runner, mit vollem Bewusstsein und einem abrufbarem Spektrum an Gefühls- und Schmerzempfindung. Hätte der Supermann nicht ab und an einen Körper wie ein Glasfrosch, würde man nie auf die Idee kommen, es hier mit der technischen Weisheit letztem Schluss zu tun zu haben. Ist aber so. Beide – Roboter und Mensch – werden auf Mission geschickt. Es überrascht nicht, dass das Ziel dessen variabel ist, und die Belange patriotischer Rebellen plötzlich Vorrang haben.

Dass sich futuristische Filme wie dieser auch wieder am bereits schon zur Genüge abgedroschenen Thema der Atomkriegs-Angst aus dem kalten Krieg vergreifen, verwundert etwas. Und lässt aber auch das Gesicht einschlafen. Das sieht dann mimisch ungefähr so aus wie jenes von Anthony Mackie, der sich wirklich angestrengt bemüht, die Ausstrahlung eines programmierten Menschen zu vermitteln und dabei recht simpel gestrickt durch die Trümmerlandschaft des Ostens stakst. Vieles in Outside the Wire ist leider nicht Outside the Box, wie man so schön sagt – und der Stoff, aus dem der Actionfilm gemacht ist, bereits ein fadenscheiniger. Für Netflix und Mikael Hafstrom, seines Zeichens verantwortlich für Escape Plan oder Zimmer 1408, war die Qualität des Drehbuchs wohl nicht ausschlaggebend. Zugpferd Mackie, der bald mit The Falcon and the Winter Soldier womöglich das Erbe von Captain America antreten wird, sollte das schlampig formulierte Drehbuch entsprechend aufwerten. Und nicht nur er: auch Goldene Palme-Preisträgerin Emily Beecham (Little Joe) mischt hier mit. Allerdings – Star-Appeal reicht bei solchen Filmen nur, wenn sie mit einer ganzen Riege an großen Namen zugepflastert werden, ähnlich wie bei den Expendables. Und auch nur dann, wenn sich stramme Kriegsaction einer ansehnlichen Choreographie rühmen kann. Was hier leider auch nur halbgar bleibt.

Outside the Wire ist somit grobe Dutzendware, die mit eingangs erwähner Idee vielleicht einiges hätte anfangen können, wäre das Script nicht wie ein Ikea-Möbel aus Fertigteilen des Genrefundus zusammenmontiert.

Outside the Wire

Marlene

SHOWDOWN IN LITTLE STYRIA

3/10


marlene© 2020 Panda Film


LAND: ÖSTERREICH 2020

REGIE: STEFAN MÜLLER

CAST: PAUL HASSLER, CAROLINE MERCEDES HOCHFELNER, SOPHIA GRABNER, AUGUST SCHMÖLZER, EVA-MARIA MAROLD U. A.

LÄNGE: 1 STD 35 MIN


Wenn das Herzblut so sehr nach Filmemachen schreit, dann ist das ansteckend. Und Qualität nur noch sekundär. Kann ja auch sein, dass durch diese Leidenschaft sowas wie Kult entsteht. Man braucht nur die richtigen Vibes und den Spaß an der Sache. Manch ein Fanfilm zu sattelfestem Franchise hat ähnliche Eigenschaften. Auch wenn in ihren Filmen nur das Notwendigste bis zur finanziellen Schmerzgrenze eingebracht wurde – die Freude am Werkeln und das Ausleben des Fandoms macht manche richtig sehenswert.

Der österreichische Thriller Marlene ist zwar kein Fanfilm, wirkt aber wie einer. Da er sich keines Franchises oder eines bereits etablierten popkulturellen Interessensgebietes bedient, hat er auch anfänglich nichts auf der Habenseite, um in der Pole Position starten zu können. Was er hat, sind lediglich Vergleiche mit ganz anderen Filmen aus diesem Genre – nämlich weitaus besseren.

Marlene erzählt die relativ triviale Geschichte eines lakonischen Auftragskillers, der bald schon draufkommt, für den falschen Mann zu töten, als er sich in eines seiner Ziele verliebt. Da er den Auftrag folglich nicht durchführen kann, wird die titelgebende junge Dame von anderen Leuten aus dem Syndikat entführt. Was unser Protagonist natürlich nicht auf sich sitzen lassen kann. Er startet einen Befreiungsfeldzug gegen eine scheinbare Übermacht.

Phantom Commando in der Steiermark? Dazu fehlen Arnies Muskelberge und die dazugehörige Camouflage-Schminke. Schauspieler Paul Hassler holt sich eher einige Ezzes aus Jason Stathams Filmschaffen. August Schmölzer gibt einen in Trachtenwesten gekleideten Paten im steirischen Hinterland. Und siehe da: österreichische Star Wars-Fans werden jubeln, wenn Sophia Grabner, bekannt aus Regrets of the Past, als schwertschwingender Vamp zum Duell fordert. Dennoch: die Charaktere sind Stereotypen, nichts ist hier wirklich originär. Und schauspielerisch bewegt sich der Film auf dem Niveau eines sommerlichen Laientheaters. In Sachen Intonation ist hier einige Luft nach oben, dramaturgisch fehlt es an Straffheit, zwischendurch hängt der Thriller immer wieder ratlos durch. Explodierende Köpfe wirken wie auch die übrige explizite Gewalt seltsam deplatziert. Hätte sich Marlene nicht so sehr aus den Schubladen vorhandener Werke bedient, hätte Marlene viel mehr etwas Eigenes geschaffen, ohne vorhersehbar Bekanntes zu erzählen, hätte Stefan Müllers Gehversuch eines Actionfilms zumindest ein gewisses Etwas. So allerdings hat es weder Raffinesse noch Spannung. Was bleibt, ist ein Genre-Fanfilm, der mit ordentlich Engagement und freundlicher Genehmigung des Bundeslandes Steiermark sogar das Licht des Kinos erblickt hat. Und doch – im Vergleich fehlen hinten und vorne die eigenen Argumente.

Marlene

Guns Akimbo

KEINE WAHL DER WAFFEN

4,5/10

 

guns-akimbo© 2020 Leonine Film Distribution

 

LAND: NEUSEELAND 2018

REGIE: JASON LEI HOWDEN

CAST: DANIEL RADCLIFFE, SAMARA WEAVING, NED DENNEHY, NATASHA LIU BORDIZZO U. A. 

 

Harry Potter im Pyjama? Vermutlich nichts Neues, denn in irgendeiner Szene aus dem Magier-Franchise wird er wohl im Nachtgewand durch Hogwarts gewuselt sein. Nun aber ist der Brite um einige Jahre älter geworden, desillusionierter und zynischer. Vor allem was seine Filmwahl betrifft. Er macht´s ungefähr so wie Robert „Glitzervampir“ Patterson, der die Last seines Hypes längst abgelegt hat. Radcliffe nimmt, was er kriegen kann, bürstet sein Image aber nicht zwingend um mehr als 180 Grad, so wie es Elijah Wood manchmal getan hat – vom Hobbit zum fiesen Killer sag ich nur. Ein solcher ist Daniel Radcliffe in Guns Akimbo aber ebenso – allerdings auf völlig unfreiwilliger Basis. Er ist einer, der im Bademantel durch die Gegend hetzt. Nicht zu übersehen: die knuffigen Pfotenpatschen aus Plüsch, die das agile Ego-Shooter-Dasein etwas erschweren. Doch warum tut er das?

Ganz einfach – Daniel Radcliffe spielt den Programmierer Miles, der die Nase voll hat von seinem Job und seinen Frust sehr gerne als anonymer Troll in diversen obskuren Foren auslebt. Darunter auch auf einem recht illegalen Kanal, der seine Kohle damit verdient, zwei Kontrahenten vor der Kamera auf Leben und Tod gegeneinander antreten zu lassen. Der kauzige Troll wird von den Schergen des Spielleiters schnell ausgeforscht. Und ehe sich unser Hanswurst versieht, bekommt er links und rechts zwei Knarren an seine Hände geschraubt – ein Akimbo wider Willen eben. Was das ist? Gamer werden wissen: keine Hand mehr frei, um beim doppelt gemoppelten Ballerspiel zwischenzeitlich in der Nase zu bohren. Schlimmer noch: Radcliffe aka Miles kann nicht mal mehr ordentlich eine Stange Wasser in die Ecke stellen. Im Nacken sitzt ihm Killerin Nix (Samara Weaving aus Ready or Not), die Beste im Darknet und völlig durchgeknallt.

Schön schrilles Brachialkino, ein Guilty Pleasure für Radcliffe- und Shootout-Fans? Leider nur zum Teil. Keine Frage, als völlig aus der Bahn geworfener Nobody hat Radcliffe ins Schwarze getroffen. Diese Duckmäuser-Figuren und schmalschulterigen Nerds stehen ihm ausnehmend gut, siehe die liebenswerte Komödie The F- Word. Ein bisschen vom Big Lebowksy, der die Kontrolle über sein Leben verloren hat, und einem genötigten Michael J. Fox ergeben eine geschmeidige Mischung. Diese lässt Regisseur Jason Lei Howden in der Gosse landen und zeigt sich ziemlich fahrlässig beim Stillen blutender Wunden. Doch hat man sich mal an all diesem persönlichen Chaos sattgesehen, tragen die fix montierten Waffen ihren kollateralen Brutalo-Slapstick längst nicht bis zum Ende des Films. Origineller wird´s kaum mehr, auch wenn die Actiongroteske so manches davon im Vorfeld versprechen will.  Shoot ‚em up hat das besser hinbekommen, da war sogar noch ein Baby mit im Spiel. In Guns Akimbo gibt’s weder krasse Wendungen noch bissfeste Schusswechsel. Der Lebenssaft wirkt wie Fingerfarbe, das Running Man-Konzept unterwirft sich leider immer einer gewissen Vorhersehbarkeit. So ist die Wahl der Waffen nichts zum Aussuchen und Schraubenschlüssel sind gut, aber aus.

Guns Akimbo