Hotel Rock ‚N‘ Roll

OSTROWSKI ALL INCLUSIVE

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hotelrock

Liegt es an der Regie Michael Ostrowskis oder am Drehbuch Michael Glawoggers? Womöglich an beidem. Denn der letzte Teil der Sex & Drugs & Rock ’n‘ Roll-Trilogie geht aber so was von zielgerichtet am Ziel vorbei, dass man fast schon gezwungen sein muss, Ostrowskis obsessive Liebe zu Kostümen und knalligen Farben nicht mehr in die Bewertung des Filmes miteinzubeziehen.

Ich erinnere mich noch gut an den ersten Teil dieser teils surrealen, teils zugedröhnten Filmidee. 2004 kamen Nacktschnecken ins Kino. Und trotz Vorbehalte habe ich den Kinobesuch im Nachhinein in keinster Weise bereut. Die satirische Komödie rund um Lust, Frust und dem Selfmade-Pornobusiness war eine augenzwinkernde Farce, die zwar auch genug an Bodenhaftung verloren, sich aber immer wieder zwischen traumartiger Symbolik und clownesker Situationskomik eingependelt hat. Bei Teil 2 – Contact High – waren die Macher schon deutlicher neben der Spur. Was aber im Grunde auch zum Thema gepasst hat. Der rote Faden war da aber nur mehr Beiwerk. Und das Interesse der Zuschauer auch. Mit Teil 3 hat der schräge Vogel und Komödiant Michael Ostrowski aufgrund des viel zu frühen und sehr bedauernswerten Ablebens von Regiemeister Michael Glawogger beim Grande Finale der Trilogie die Verantwortung auch über die Regie übernommen – und sich eindeutig verhoben. Der knackige Steirer mag ja ein Multitalent sein und am liebsten auf allen Kirtagen gleichzeitig seinen Allerwertesten verpflanzen. Wenn man aber das künstlerische Zepter über alles und jeden hat und niemandem mehr Rechenschaft schuldig ist, passiert zwar etwas sehr persönliches, aber mitunter im wahrsten Sinne des Wortes auch etwas sehr eigenwilliges. Eine ähnliche Tendenz sehen wir bei den aktuellen Werken von Kinski-Bändiger Werner Herzog. Egozentrische Kopfgeburten, die das Publikum vor vollendete Tatsachen stellt.

Hotel Rock ’n‘ Roll ergeht es nicht anders. Die verschwurbelte Grenzkomödie rund um ein vererbtes Hotel hätte zwar genug Potenzial für allerlei Situationskomik und skurriler Ideen – letzten Endes ist die grelle Klamottenkiste scheinbar willkürlich angereichert mit Klamauk, der an die Zeiten von Gottschalk und Mike Krüger erinnert, seltsamen Dialogen und scheinbar lose übereinander gesetzten Handlungsteilen, die im Grunde zwar zusammenpassen, aber irgendwie deplatziert wirken. So, als würden ganze Teile aus dem Drehbuch fehlen. Und so, als würde man mit Fingerfarben einen leeren Bogen Papier vollkleckern, nur weil die Farben so schön farbig sind. Logik hat die Groteske daher keine mehr. Und die Figuren sind nicht mehr als Zerrbilder in einem Spiegelkabinett. Hauptsache bunt. Und Hauptsache laut. Doch das ist zu wenig und relativ uninteressant, um nicht zu sagen langweilig. Einziger Lichtblick ist wieder einmal der ewig grantelnde Georg Friedrich als Möchtegern-Gangster mit Langhaarmähne, der allen die Show stiehlt und die wenigen Lacher zur Gänze für sich verbucht. Und was Detlev Buck in dem ganzen fahrig inszenierten Zinnober zu suchen hat, weiß nur Ostrowksi selbst. Der sollte mal anfangen, nicht immer sich selber zu spielen und zumindest die Regie jemand anderem überlassen.

Hotel Rock ‚N‘ Roll

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