The Furious (2025)

IMMER GUT ZU WISSEN, WO DER HAMMER HÄNGT

6,5/10


Joey Iwanaga attackiert Joe Taslim in The Furious
© 2025 Polyfilm


LAND / JAHR: HONGKONG 2025

REGIE: KENJI TANIGAKI

DREHBUCH: SAM SHUM KWAN-SIN, FRANK HUI, MAK TIN-SHU, LEI ZHILONG

KAMERA: METEOR CHEUNG

CAST: XIE MIAO, JOE TASLIM, YANG ENYOU, YAYAN RUHIAN, JEEJA YANIN, BRIAN LE, JOEY IWANAGA, SAHAJAK BOONTHANAKIT U. A.

LÄNGE: 1 STD 53 MIN


Am Tag danach aus dem Bett zu kommen, gestaltet sich schwieriger als gedacht. Überall blaue Flecken, Blessuren, und einen Muskelkater, bei dem man besser auf allen Vieren ins Badezimmer kriecht. Es gibt Filme, die tun körperlich weh. Nicht weil sie schlecht sind, sodass es schmerzt, sondern weil in ihnen ausgeteilt wird, als gäbe es kein Morgen mehr. The Furious ist so ein Fall – ein Hongkong-Actionreißer, der jede Menge griffige Choreographien bietet, die obendrein noch so physisch wirken, dass so manches Aufjaulen im Kinosaal nur schwer unterdrückt werden kann.

Marmor, Stein und Eisen bricht…

Rekapituliert man im Nachhinein The Furious, wird es zum Ding der Unmöglichkeit, nicht an dieses von Brian Le verkörperte Stehaufmännchen in khakifarbener Latzhose zu denken, dem wohl der sprichwörtliche Schlag auf den Hinterkopf (was heisst einer – mehrere!) auch nicht gerade zum Geistesriesen hat werden lassen. Als wäre der Mensch, und insbesondre dieser, aus härtestem Stahl, wie ein Terminator, den nur die Müllpresse noch erledigen kann.

Wie man Mänschenhändler hochnimmt

Hier weiß man überdies, wo genau der Hammer hängt, denn alle Art von Werkzeug, insbesondere jene, mit denen man draufschlägt, finden ihren Einsatz, zerschellen an diesem feisten Dickschädel, der einfach nicht zu brechen ist. Auf der anderen Seite setzt der stumme Wang Wie (Xie Miao – sein Gesicht kommt mir bekannt vor) sein ganzes martialisches Know-How ein, um ordentlich zuzudreschen. Ihm zur Seite steht Joe Taslim, erst kürzlich in Mortal Kombat II im Kino, diesmal aber auf der Suche nach seiner verschwundenen Ehefrau, einer Journalistin, die einem Menschenhändlerring dicht auf den Fersen war.

Wang Wie würde das ganze ja nichts angehen, lebt der schließlich gemeinsam mit seiner Tochter ein beschauliches Leben als Handwerker. Doch als seine klein Rainy entführt wird, sieht Papa rot. Taslims Figur des Navin und er pflügen sich also durch Hongkong, in teils spektakulären Fights, die so punktgenau ihr Tempo finden, dass man kaum den Überblick verliert.

Kämpfen wie ein Mädchen

Eine Show aus Gewalt, Blut und Beulen geht hier ab, zwischendurch windet sich ein recht simpler Thriller durch den Moloch einer Großstadt, durch schlecht beleuchtete Fabrikhallen, bunte Nachtclubs und enge Flure. Wenn sich der ganze Mob von der Straße ein schmales Stiegenhaus in wilder Raserei hochschraubt, um sich dann einen langen Gang entlangzudreschen, bei welchem das rechtschaffene Handkanten-Duo maximal eine Holzpalette entgegensetzen kann, dann ist das eines dieser schweißtreibenden Highlights – und natürlich, nicht zu vergessen: Der Mann in der Latzhose. Und Mädchen Rainy. So jung und schon so tough. Wie sie ihrem Schicksal in den Allerwertesten tritt, war so nicht zu erwarten.

Hit me hard, but not soft

Am Ende gibt es so etwas wie einen Mexican Standoff – bis zu einer halben Stunde lang kommen nicht nur Hand und Fuß, sondern auch wirklich alles zum Einsatz, was nicht niet- und nagelfest ist. Irgendwann aber wird man des Kämpfens müde, die ganze Martial Arts-Action, die sich bis zuletzt davor hütet, auch nur ansatzweise repetitiv zu werden, mag vielleicht dadurch an Spannung verlieren, da die Belastbarkeit des menschlichen Körpers scheinbar keine Grenzen kennt.

Wie es der Film, wie es Kenji Tanikagi möchte, so sehr kann er seine in Rage gebrachten Berserker leben oder eben sterben lassen. Und er lässt sie lange genug am Leben, lässt sie immer und immer wieder aufeinander los. Ob die bizarre Komik, die daraus entsteht, beabsichtigt war oder nicht, mag man abwägen – letztlich ist auch klar, wohin die Reise geht, und wenn man Martial Arts wirklich zu schätzen weiß und gar nicht mal einen rundherum konstruierten Plot benötigt, um Spaß zu haben: dem sei The Furious zu empfehlen.

Ist man aber kein Afficionado der expliziten Gewalt, manchmal aber durchaus in Stimmung für den Abbau der eigenen, vielleicht aufgestauten Aggression, mag man danach dieses körperliche Nachglühen fühlen – vom Thriller selbst aber bleibt nur der Eindruck, um die Action herumgeschrieben zu haben, anstatt diese auf Augenhöhe mit dem Drama zu bringen.

The Furious (2025)