BFG – Big Friendly Giant

DIE QUEEN FURZT BLUBBERWASSER

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bfg

Regiewunderkind Steven Spielberg ist mittlerweile in einem Alter, in welchem er nur mehr jene Filme verwirklicht, die er auch wirklich aus eigener Lust und Laune heraus verwirklichen möchte. Da ist weit und breit kein Studio mehr, das ihm Vorschriften macht. Wie denn auch, er hat sein eigenes. Und so wird er womöglich bis ins hohe Alter hinein einfach nur mehr Spaß an seiner Arbeit haben. Und das merkt man seinen Filmen auch an. Sie haben nicht diese Mainstream-Gefälligkeit wie manch eine Comicverfilmung oder ein kühl kalkulierter Blockbuster. Es sind persönliche Filme, die Spielberg da macht. Und so ist es wenig verwunderlich, dass ein recht sperriges Märchen wie Roald Dahls Sophiechen und der Riese, das überhaupt nicht den Anspruch hat, seine Produktionskosten wieder einzuspielen, auf die Leinwand kommt.

Vielmehr ist die nach Matilda, Tim Burtons Süßigkeiten-Exegese und dem Puppentrickfilm Der phantastische Mr. Fox von Wes Anderson der Big Friendly Giant, kurz BFG, die neueste Visualisierung der schrägen Kinderbücher des walisischen Schriftstellers. Die abenteuerliche Geschichte ist schnell erzählt. Doch ähnlich wie bei den Hobbit-Verfilmungen füllt Spielberg die Erzählung mit allerhand Schauwerten und spart nicht mit enorm in die Länge gezogenen Bildbeschreibungen, die mitunter für großes Gähnen sorgen. Dick aufgetragener Kitsch hast meistens die Angewohnheit, zu langweilen. Und das ist der große Fehler bei dieser familientauglichen Chronik einer Kindesentführung, in der ein zu groß geratenes Traummännlein von einem Waisenmädchen zufällig entdeckt wird und folglich an der Seite des gutmütigen Nachtwandlers das Land der Riesen betritt. Dieses erinnert unweigerlich an das Auenland Tolkiens, auch die anderen bärbeißigen, menschenfressenden Riesen sehen aus wie eine Mischung aus Ork und die Wikinger aus Drachenzähmen leicht gemacht. Wenn diese Riesen unter den Wiesen des Landes ihr Nickerchen machen, hat der Film seine besten Momente. Vor allem dann, wenn sich Sophiechen zwischen den schnarchenden Menschenbergen hindurchschleicht. Mark Rylance, der auch schon in Spielbergs Bridge of Spies eine tatsächlich außerordentliche Leistung vollbracht hat und nun neben Tom Hanks zu den Lieblingsschauspielern des New Hollywood-Pioniers zählt, verkörpert den großen freundlichen Giganten auf eine wehmütige, kindliche, aber auch altersweise Art. Seine Gesichtszüge erkennt man in dem digitalen, runzeligen Gesicht des weißhaarigen Traumfängers recht gut wieder, die Künstlichkeit von Spielbergs Figuren sind aber leider auch präsenter denn je. Der Naturalismus der Beschaffenheit von Haut, Haar und Materialien mag vollkommen sein, die Bewegungen und vor allem die Mimik der phantastischen Kreaturen sind es nicht. Der virtuelle Mensch ist immer noch ein Ei des Columbus, der Weg zu täuschender Echtheit noch ein langer – was bei den Tieren bereits so gut wie erreicht scheint – man sehe sich nur Jon Favreaus The Jungle Book an. Durch diese unbeholfene Künstlichkeit der Riesen – und vor allem des einen Riesen – bekommt der Film neben seiner Zähigkeit auch noch eine gewisse unrunde Eigentümlichkeit. Es ist eine Künstlichkeit, die sich in die skurrile Geschichte schwer einfügt, obwohl manche Szenen in Bezug auf ihre Echtheit wieder besser geglückt sind als andere.

BFG bleibt eine Fußnote in den Roald Dahl-Verfilmungen. Süßlich, bunt und stellenweise märchenhaft verträumt, doch schwerfüßig erzählt und kein harmonisches Ganzes – was Kindergeschichten allerdings brauchen, um zu faszinieren.

 

 

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