Bad Santa

DER TIEFE FALL DURCH DEN SCHORNSTEIN

5/10


bad-santa© 2003 Columbia Pictures


LAND / JAHR: USA 2003

REGIE: TERRY ZWIGOFF

CAST: BILLY BOB THORNTON, TONY COX, BERNIE MAC, LAUREN GRAHAM, JOHN RITTER, BRETT KELLY U. A. 

LÄNGE: 1 STD 31 MIN


Gegen ihn ist der Dude aus The Big Lebowsky ein hochmotivierter Startup-Unternehmer: Säufer und Schwerenöter Willie ist ein Taugenichts und Tunichtgut, jedoch taugt er dafür, Einkaufszentren um eingelagertes Bares zu erleichtern. Diese Coups macht er gemeinsam mit dem Kleinwüchsigen Marcus – und sie funktionieren deshalb so gut, weil sich beide zur schönsten Zeit des Jahres als Kaufhaus-Testimonials in Rotweiß und Grün verdingen: Marcus der Elf, Willie der Weihnachtsmann. Und was für einer. Kids von damals träumen vielleicht heute noch schlecht davon. Doch wie es der Zufall will, setzt sich eine pummelige Rotznase auf Santas Schoß und wünscht sich einen rosa Elefanten. Beide ahnen nicht, welche Schlittenspuren diese Begegnung wohl hinterlassen wird.

Anti-Weihnachtskomödien gibt es so einige. Zuletzt hat mich der brandneue Endzeit-Streifen Silent Night mit Keira Knightley davon überzeugt, dass Weihnachtsfilme sogar so weit kommen, überhaupt keine heilbringende Prämisse mehr zu enthalten. Da bleibt Bad Santa in seinem Grunge-Stil und einigen geschmacklosen Szenen immer noch auf der Seite derer, die dem Urbi et Orbi horchen. Denn Weihnachten scheint tabu, zumindest für Amerikaner. Dort verspricht das Fest der Liebe eine Amnestie für alles Schlechte und Verkommene, mit dem Vertrauensvorschuss, es nächstes Jahr besser zu machen. Der Weg dorthin ist ein schwieriger und von Rückschlägen gesäumt, die Billy Bob Thornton (der mich frappant an den österreichischen Rechtspopulisten Herbert Kickl erinnert) in der Geistesgegenwart abgestandenen Abwaschwassers so richtig auskostet. Alkohol, Urin und freudloser Sex machen die Runde (zum Glück sonst keine Fäkalien), während der blondgelockte Thurman Murman als sich selbst alleinerziehender Alternativ-Kevin das Leben und vor allem die Zeit vor Weihnachten in den Griff bekommen will. Dabei arbeitet Terry Zwigoff mit den als grotesk wahrgenommenen Erscheinungsbildern körperlich auffälliger Außenseiter. Korpulenz und Kleinwüchsigkeit holen sich auf bizarre Weise die Toleranz des Publikums, andere Äußerlichkeiten wiederum sollen den Ekel-Faktor des Films heben, um Weihnachten so richtig eins auszuwischen.

Letzten Endes gelingt das nicht, und so sehr auch Billy Bob Thornton den versifften und aus Kindertagen schwer traumatisierten Loser raushängen lässt, ist von vornherein klar, dass diese mit Weihnachtssongs unterlegte Underdog-Komödie (mit John Ritter in seiner letzten Rolle) als widerborstiges Läuterungskino für schwer erziehbare Erwachsene durchgeht.

Bad Santa

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