Downsizing

ZUR WELTRETTUNG NACH LILIPUT

6/10

 

downsizing© 2017 Constantin Film

 

LAND: USA 2017

REGIE: ALEXANDER PAYNE

MIT MATT DAMON. CHRISTOPH WALTZ, HONG CHAU, UDO KIER, KRISTEN WIIG U. A.

 

Die Welt steht vor dem Kollaps. Die schreckliche Konsequenz des Evolutionstheoretikers und Vordenkers Thomas Malchus zu Überbevölkerung Mitte des 18ten Jahrhunderts wird irgendwann mal tatsächlich wahr werden. In Alexander Payne´s neuem Film ist sie das bereits. Die Menschheit in all ihren Ballungszentren hat keinen Platz mehr. Unbesiedelte Regionen der Erde sind zurecht unbesiedelt. Wo es einem gefällt, da kann man sich längst nicht mehr niederlassen. Vor allem nicht in gewohntem Wohlstand. Um dieses Problem zu beheben – da gibt es einige Ideen. Manche davon sind so greifbar real wie das Geschwisterverbot aus Tommy Wirkola´s What happened to Monday?, die düstere Vision einer Ein-Kind-Gesellschaft, wie sie heute bereits in China der Fall ist. Manche wiederum sind so absurd und unmöglich wie in Downsizing.

Zu Downsizing fällt mir der Bestseller des Hypothetikers und Zeichners Randall Munroe ein. In What if? beantwortet der Science-Blogger in wissenschaftlicher Klarheit diverse unmögliche Fragen wie „Was wäre, wenn sich alle Menschen an einem Ort der Erde einfinden und gleichzeitig loshüpfen?“. Oder „Was wäre, wenn die Erde plötzlich aufhören würde, sich zu drehen?“ Eine dieser Fragen könnte somit auch lauten: „Was wäre, wenn sich ein Teil der Weltbevölkerung auf 12cm verkleinern würde?“ Auf diese bizarre Vorstellung hat aber diesmal nicht Munroe, sondern Alexander Payne die Antwort. Und er hat nicht eine Antwort, sondern gleich mehrere parat. Weil man so eine Frage ja nicht nur aus einem Blickwinkel beantworten kann. Da gibt es Feedback auf sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Ebene. Payne will alle zugleich beantworten. Das ist wiederum typisch für den Filmemacher. In seinem Familiendrama The Descendants, zu welchem er ganz so wie bei Downsizing auch selbst das Drehbuch verfasst hat, geht es auch nicht nur um eine Sicht der Dinge, um eine Botschaft oder um einen roten Faden. Payne mixt diverse Genres subtil ineinander. Mal wirken sie komisch, mal sehr ernsthaft, und plötzlich handelt der Film wieder von gänzlich anderen Dingen. Mag sein, dass seine Methode des Geschichtenerzählens vielen Zusehern als zerstreut erscheint. Alles anschneiden zu wollen, lässt keiner Perspektive die Chance, zur Gänze gesehen zu werden. Das trifft auch zweifellos auf Downsizing zu.

Denn im Grunde ist Downsizing ein Episodenfilm, der auf den ersten Blick nicht so aussieht wie einer. Das liegt schon allein daran, dass Payne seinen Film auch nicht in Episoden unterteilt hat – was aber dem Film besser bekommen hätte. Eigentlich sind es drei Teile. Der erste handelt von der allen physikalischen Gesetzen zum Trotz von norwegischen Wissenschaftlern entdeckten Möglichkeit, sich verkleinern zu lassen – zum Wohle der Umwelt und der eigenen Geldbörse – denn alles was kleiner ist, kostet weniger. Ist also eine augenzwinkernde, aber niemals scherzhaft gemeinte Utopie einer globalen Notbremse. Die zweite Episode spielt in Leasure Land, dem Land der Minikins (kann sich wer noch an die gelungen Serie aus den frühen Achtzigern erinnern?), in welchem unser lebensüberdrüssiger Paul „Matt Damon“ Safranek versucht, auch ohne seiner besseren Hälfte, die ihn im Stich gelassen hat, klarzukommen. Wie ist es, so groß wie eine Actionfigur zu sein? Und was für Nebenwirkungen schleichen sich ein? Weniger gesundheitlich, viel mehr sozialer Natur. Die dritte Episode spielt in Norwegen, im Herzen der Downsizing-Kommune, quasi in Liliput. Der letzte Akt ist es dann auch, der sich wieder betont mit der Zukunft der Menschheit beschäftigt – und mit der Prognose für die Gesamtheit des Lebens überhaupt. Das hat dann fast schon Endzeitstimmung. Und ich hätte nie gedacht, dass Downsizing eine solche Richtung nehmen würde. Denn Satire ist was anderes, davon ist Paynes Utopie weit entfernt.

Seiner Geschichte wohnt eine reizvolle Thematik zugrunde und ist nur von ganz subtilem Humor durchzogen, welcher der Ernsthaftigkeit eines unmöglichen Szenarios etwas mehr Leichtigkeit verleiht. Die hat der Film dringend notwendig, weil Payne´s Fokus auf manche Details so wirken, als hätte die Regie vergessen, sich rechtzeitig auszuklinken, um die Aufmerksamkeit wieder woandershin zu richten. Vieles verliert sich dadurch wie schon eingangs erwähnt als Fragment in den Hirnwindungen des Zusehers und hinterlässt offene Fragen.

Dennoch – Downsizing als (Alb)traum einer Menschheit im Puppenhaus-Format war es wert, verfilmt worden zu sein. Auch wenn die erwartete Farce gar keine ist.

Downsizing

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